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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Mehr Lametta für den weißen Weihnachtsmarkt

Der weiße Weihnachtsmarkt im Schatten von Düsseldorfs neuem Libeskind-Kö-Bogen hat in den Medien viele negative Schlagzeilen gemacht. Unser Kolumnist zeigt sich wenig beeindruckt vom neuen, nachgelieferten Grünzeug und wünscht den Kreativen eine Chance fürs nächste Jahr.

Alte Zöpfe abzuschneiden, das ist ja nicht immer leicht, wie wir jetzt am weißen Weihnachtsmarkt auf dem Schadow-Platz sehen. 

Da begeistern wir uns im Sommer an einer Illusion, einer gut gestylten Illustration, die uns die Stuttgarter Agentur Liganova präsentiert hat - und dann diese Realität: nackte, nur zur Hälfte weiß gestrichene Holzbuden.

Da möchte man doch schnell wieder das Althergebrachte, wie Volkes Stimme in den Medien forderte. Und das hat es vor wenigen Tagen auch bekommen: Tonnenweise Tannenbäume, Lichterketten, Holzfiguren, Weihnachtskugeln.

Es ist schwer, Traditionen über Bord zu werfen und seien es auch nur ein paar grüne Girlanden. Die 68er-Generation kann davon ja ein Lied singen: „Unter den Talaren - Muff von 1000 Jahren“ hieß der Schlachtruf für eine geistige Modernisierung in Universitäten und anderen Institutionen unserer Gesellschaft. Und - um in der christlichen Gedankenwelt zu bleiben - auch Luther, der Reformator, stieß seinerzeit auf gehörigen Widerstand, als er seine 95 Thesen in Wittenberg an das Tor der Schlosskirche hämmerte.

Für einen modernen Weihnachtsmarkt gehen wir nicht in die Kirche oder auf die Straße, sondern wechseln höchstens zum nächsten Glühweinstand. Aber wir sollten schon mehr Kreativität von den gescheiterten Verzauberern der Stuttgarter Agentur Liganova verlangen.

Weiß bepinselt, jetzt mit Grünzeug - Mischmaschmarkt!

Mit weiß bepinselten Bretterbuden allein ist es nicht getan - aber zusätzliches Grünzeug von Gestern macht aus einem halbgar-modernen Weihnachtsmarkt nur einen Mischmaschmarkt. Riesenbäume aus silbernem, funkelnden Lametta und anderes Phantasiewerk wären besser gewesen als dieses billige Zugeständnis an die Traditionalisten. 

Liganova präsentiert den Internetsurfern auf ihrer Home liganova.de die zukunftgestylten Shopping-Welten ihrer anderen Kunden. Der konsequente Flair des Modernen, den wir dort sehen, hätte auch dem weißen Weihnachtsmarkt gut getan. Mein Vorschlag: In diesem Jahr trinken wir uns das kaputte Ambiente schön - neue Chance für Liganova im nächsten Jahr.

Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                                                                      Ihr Peter Jamin

Unser Autor ist Schriftsteller, Journalist und als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte von Unternehmen und Werbe- und PR-Agenturen tätig. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation der Publizist in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren immer wieder aufmerksam macht.

(Peter Jamin)


 


 

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