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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Mode-Anzeigen – Männer sind ja so verletzlich

• Was machen die Anzeigen von Modemachern aus dem deutschen Mann? Herren oder Herrchen? • Unser Kolumnist hat diesmal nicht die Düsseldorfer „Kö“ besucht, um sich über die neusten Trends in der Männermode zu informieren, sondern sich die Werbung im „Süddeutsche Zeitung Magazin, Nummer 11“ angesehen. • Unsere Kleidung scheint wirklich nur die Fassade zu sein, hinter der wir uns einen Modetrend lang verstecken.

Regelrecht aufgestoßen ist mir die Gucci-Anzeige: Da steht ein Junge von 17 oder 18 Jahren in einer Einkaufspassage auf einem Skateboard. Im Arm einen Pfau und selbst als solcher gekleidet: Er trägt ein grauweiß gestreiftes Blüschen, wie es in den 50er Jahren Mädchen gerne beim ersten Date trugen. Er trägt einen roten Schlüpfer, wie ihn die Mädels in den 60er Jahren unter ihren weiten Petticoats trugen. Und er trägt eine beige Häkelkappe, wie ihn Miss Marple in den 70er Jahren bei der Jagd auf den Mädchenmörder trug.

Motive des soften Jünglings, der sich noch nicht sicher ist, ob er ein Mann werden will, sind mir beim Blättern in Magazinen mit Gucci-Anzeigen schon öfter aufgefallen. Und ich habe mich gefragt: Was macht die Männermode nur aus dem deutschen Mann?!

Boss, seit vielen Jahren auch meine Anzug- und Sakko-Marke, zeigt immerhin so viel Rückgrat, dass sie nicht die roten Slips zeigen, die ihre jugendlichen Modells vermutlich ebenfalls tragen. Doch auch der maskulinste aller Herrenmodemacher schwächelt und zeigt in seiner Anzeige einen blonden Jüngling von etwa 20 Jahren in einem grauen Anzug und darüber ein kleines, enges Jäckchen mit schräg aufgenähten Reißverschlüssen, das bei der ersten Demo mit Rechtsaußen-Körperkontakt garantiert in die Binsen geht.

Salvatore Ferragamo präsentiert uns ebenfalls einen prätentiösen Mann um die 20, der wie ein harter Kerl breitbeinig sitzt, aber mit den Schuhen auf Zehenspitzen steht und so zum Gockel wird.

Hart, aber herzlich kommt uns da Stone Island daher: Der Jüngling um die 18, stahlharter Blick, das blonde kurze Haar streng in die Stirn gekämmt, die Hände lässig, aber Abwehr bereit hängend und mit Jeanshose und einer streng kastenförmig geschnittenen Jacke gekleidet. Auch diese Jacke schwächelt ein wenig zum Soften hin – schräg platzierte Reißverschlüsse.

Sanfte Jünglinge, kleine Geschichten aus der Bergwelt...

Gerne zeigen die Macher von Männermode in ihren Anzeigen im „Süddeutsche Zeitung Magazin“ nicht nur sanfte Jünglinge, sie erzählen uns Lesern auch kleine Geschichten: Norona geht mit seiner Lyngen-Kollektion – wetterfeste Kleidung und Accessoires – in die Berge: Zwei stahlharte Männer, von denen gerade mal ein kleiner Gesichtsausschnitt zu sehen ist, kochen sich einen leckeren Kaffee auf dem Berggipfel. So sehen gut gekleidete Gipfelstürmer aus, die Mädchenherzen erklimmen möchten.

Ganz anders, mit einem besonders hohen Schwung Leichtigkeit kommt die Anzeige von Geox daher. Die Schuhe bieten sich geradezu an, aus dem deutschen Mann einen Balletttänzer im Anzug zu machen. Der rotblonde Wirbelwind scheint allerdings irgendwie auf der Flucht vor den Frauen zu sein.

Ganz das Gegenteil: der verschmuste Mann von Marc O`Polo auf einem Stein am Meer sitzend und mit einem schwarz-weißen Kuschelhund auf dem Schoß – Frauen mögen Männer, die Hunde streicheln.

Ob sie den Bottega-Veneta-Jüngling mögen, der mit rotem Strickkäppi, soften Slippern und Kuschelpulli auf einem mit Graffiti verzierten Bürgersteig liegt, möchte ich bezweifeln. Da hilft auch nicht seine breitbeinige Signal-Stellung.

Ich frage mich: Wo ist der normale Mann? Der Mann von nebenan, der von der Straße...

Wollen Deutschlands Männer wirklich so sein, wie es ihnen die Modemacher vorgaukeln? Das ist die optimale Verwirklichung von Grönemeyers Schlagerschlagzeile „Männer sind ja so verletzlich“.

Offensichtlich gibt es auch keine Männer über 30 in Deutschland, die man in die aktuelle Männermode stecken könnte. Jedenfalls zeigen die Modemacher in ihren Anzeigen keine. Vielleicht kann man mit älteren Männern beim Fotoshooting nicht machen, wozu sich der Männernachwuchs hergibt?!

Unsere Kleidung scheint wirklich nur die Fassade zu sein, hinter der wir uns einen Modetrend lang verstecken. Die Männer verstecken sich in ihr, sind das, was sie mit ihrer Kleidung präsentieren - Softies.

Die Mode von heute ist das Erkennungszeichen des neuen, weichen Mannes. Herrchen statt Herren.

Wer trotzdem auf den Geschmack gekommen ist: Fahren Sie zur Düsseldorfer „Kö“ und besuchen Sie dort und in den schönen Nebenstraßen die Geschäfte für Herrenkleidung. Etliche der von mir beschriebenen Kleidungsstücke werden sie dort finden. Garantiert!

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                                                       Ihr Peter Jamin

Unser Autor arbeitet als Schriftsteller und Publizist sowie als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation er in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren aufmerksam macht. Mehr unter www.jamin.de

(Peter Jamin)


 


 

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