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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Mutter kritisiert Japan-Tag – Veranstalter nehmen hier ausführlich Stellung

Die Sicherheitsfrage beim Japan-Tag beschäftigt unseren Kolumnisten auch in dieser Woche. Er erhielt mehrere Stellungnahmen der Veranstalter zu seiner Kolumne der vergangenen Woche und kommentiert diese. Sein Vorschlag: Bei der nächsten Sicherheitskonferenz für den Japan-Tag sollte man auch eine junge Mutter von zwei Kindern, Autorin eines „Offenen Briefes an die Veranstalter“, einladen und ihre guten Anregungen zur Sicherheit auf dem Event diskutieren – so nimmt man Bürgerinnen wirklich ernst.

Wer eine Veranstaltung plant, erst recht eine erfolgreiche, auf den warten viele Hindernisse. Eine der größten Hürden ist der Erfolg. Denn wenn zu viele Menschen einen Event besuchen möchten, werden nicht nur potentielle Kunden, die man abweisen muss, vor den Kopf gestoßen, schnell geraten auch die Sicherheitsmaßnahmen an ihre Grenzen. Von Fußballspielen oder Musikveranstaltungen kennen wir das – und die Loveparade in Duisburg ist – mit 21 Toten und mehr als 500 Verletzten – ein besonders schlimmes Beispiel.

Der Japan-Tag in Düsseldorf, über den ich in der vergangenen Woche in dieser Kolumne schrieb, ist gottseidank gut über die Bühne gegangen. In den Stellungnahmen der Veranstalter, die mich in dieser Woche zu meiner Kolumne erreichten, ist deswegen zurecht eine große Erleichterung zu spüren.

Der in Düsseldorf residierende japanische Vizekonsul Ikuo Motohashi schrieb mir: „Es freut uns sehr, dass der diesjährige Japan-Tag mit 750.000 Besuchern erfolgreich verlaufen ist. Wir empfinden dies als Symbol des harmonischen Zusammenlebens zwischen Deutschen und Japanern und zugleich als Zeichen der Anerkennung und des Respekts, mit denen den japanischen Bürgern in NRW begegnet wird. Umso mehr liegt uns am Herzen, dass der Japan-Tag sich für die Besucher als Ort des Friedens und der Freude bewährt. Daher haben wir uns auch diesmal in enger Zusammenarbeit mit den hiesigen Stellen für einen friedlichen Verlauf des Japan-Tages eingesetzt und glauben, dass diese Bemühungen im Großen und Ganzen erfolgreich waren.“

Zufrieden äußerten sich auch die anderen Veranstalter ...

... des Japan-Tages - Polizei NRW Düsseldorf, Stadtverwaltung Düsseldorf, Rheinbahn und Düsseldorf Marketing & Tourismus GmbH, die mir eine gemeinsame Antwort über Simone Schwan von der Düsseldorfer Stadtwerbung zukommen ließen: „Die Sicherheit der Besucher genießt vor, während und nach dem Fest absolute Priorität und ist entscheidend bei der gesamten Planung des Festes. Das mit allen Ordnungs- und Sicherheitsbehörden abgestimmte Sicherheitskonzept und die gute Zusammenarbeit der Beteiligten ist dabei eine wichtige Grundlage für einen erfolgreichen und sicheren Ablauf des Events. Aufgrund dieser Vorbereitung war der Japan-Tag Düsseldorf/NRW auch in diesem Jahr ein insgesamt friedliches Fest mit rund 750.000 Besuchern. Allein die Polizei hatte am Samstag über 200 Beamtinnen und Beamte im Einsatz.“

Nun, ob diese Polizei-Stärke tatsächlich ausreicht, mag ich nicht beurteilen – doch wenn ein Polizist für rund 3750 Besucher „zuständig“ ist scheint mir das nicht gerade vertrauenserweckend. Bei einem Fortuna-Fußballspiel käme man nach dieser Berechnung mit gerade einmal 11 Beamten bei 40.000 Besuchern aus – und benötigte nicht Hundertschaften. Aber ich möchte dieses Zahlenspiel nicht vertiefen, denn schließlich gab es unter den Besuchern keine gewaltbereiten Fans, sondern meist nur friedfertige Familien und viele, viele Kinder und Jugendliche.

Und da sind wir schon bei einem besonderen Problem ...

... dieser Veranstaltung: Man hörte von etlichen Besuchern, dass sie sich in der unüberschaubaren Menschenmenge sehr eingeengt fühlten. Ein Besucher, der eine Frau vor Grapschern beschützen wollte, wurde übelst zusammengeschlagen. „Rose“, die Autorin eines „Offenen Briefes an die Veranstalter“, wies ebenfalls darauf hin, dass sie in der Menge im Intimbereich begrapscht wurde. Ich frage mich da natürlich, ob nicht viele weitere Kinder und Jugendliche von Tätern sexuell belästigt wurden, dies aber nicht zur Anzeige gebracht haben?

Gerade erst wurde bekannt, dass auf einem Open-Air-Festival in Darmstadt 18 Frauen umzingelt und begrapscht wurden. Die widerlichen, kriminellen Grabsch-Attacken von Silvester in Köln, Düsseldorf und anderen Städten sind ja noch nicht aufgearbeitet. Muss man bei Großveranstaltungen jetzt immer mit Attacken von Grapschern rechnen und wie kann man sie bekämpfen? Die nächste Herausforderung wartet für Polizei und Veranstalter sicherlich im Juli auf der Düsseldorfer „Größten Kirmes am Rhein“, wo möglicherweise ja der ungezügelte Alkoholkonsum zusätzliches Grapscher-Potential fördern wird.

Die Veranstalter müssen sich also jetzt ernsthaft Gedanken machen, wie viele Menschen bei öffentlichen Veranstaltungen wie dem Japan-Tag überhaupt verkraftbar sind, wenn man die Sicherheit der Besucher weitgehend garantieren will. Hinweise, man müsse ja nicht hingehen, helfen da nicht.

Für den Japan-Tag im kommenden Jahr ...

... bedeutet das sicherlich, dass man das Treffen unbedingt weiter entzerren muss. Vielleicht ist es ja sinnvoll, das Treffen der Cosplay-Fans in den Rheinpark an der Cecilineallee zu verlegen und den Rest des Events am Altstadt-Ufer zu belassen. Wenn man den Manga+Co-Fans ein paar attraktive Veranstaltungs-Highlight am neuen Standort bietet, sollten die Cosplay-Fans mitspielen.

Es freut mich, dass die Botschaften der „Offenen Brief“-Schreiberin „Rose“ auf der Internet-Home Sumikai.com und anderer Besucher bei den Veranstaltern angekommen sind. Jedenfalls schreibt der japanische Vizekonsul in seiner Stellungnahme weiter: „Nichtsdestotrotz ist uns bewusst, dass Teile der Bevölkerung Bedenken zur Sicherheitslage geäußert haben. Wir möchten uns bemühen, dem Interesse aller Mitbürger zu entsprechen, damit der Japan-Tag auch im nächsten Jahr erneut ein sicherer Ort freundschaftlicher Begegnung sein kann. Diesbezüglich möchte das Japanische Generalkonsulat Düsseldorf, das die japanische Geschäftsstelle zum Japan-Tag betreut, zusammen mit der japanischen Gemeinde und den deutschen Partnerbehörden und -organisationen den Ablauf des diesjährigen Japan-Tages gründlich analysieren und besprechen, wie sich der Japan-Tag künftig bestens gestalten lässt.“

Ich kann den Veranstaltern nur dringend empfehlen die Autorin des „Offenen Briefes“ zu einem dieser Treffen einzuladen. Das ist nicht nur unter sachlichen Aspekten der richtige Weg, sondern man zeigt damit auch, dass Bürgerinnen in Düsseldorf wirklich ernst genommen werden.

„Nach dem Japan-Tag ist vor dem Japan-Tag ...

... und daher arbeiten die Veranstalter, Organisatoren und beteiligten Behörden oder Unternehmen stets gemeinsam an weiteren möglichen Verbesserungen in allen Bereichen“, schreibt auch Simone Schwan von der Düsseldorf Marketing & Tourismus GmbH in der gemeinsamen Stellungnahme Düsseldorfer Institutionen und Behörden, „dabei wird auch konstruktive Kritik, wie sie etwa in dem offenen Brief auf Sumikai.com geäußert wurde, aufgenommen und diskutiert werden. Ein Beispiel für eine Optimierung im aktuellen Jahr war die Ausweitung der Veranstaltungsfläche in nördlicher Richtung im Bereich Schlossufer bei stabiler Gesamtzahl der Zelte. So wurde ein weiterer, dritter, Bereich für die Popkultur und gleichzeitig mehr Platz im Bereich Mannesmannufer geschaffen. Wir möchten aber die Gelegenheit nutzen, um bewusst darauf hinweisen, dass das gesamte Areal der Veranstaltungsfläche zu jedem Zeitpunkt genau durch Sicherheitskräfte beobachtet wird, um rasch eingreifen zu können. Insbesondere gilt dies für die Holzbrücke am Alten Hafen, wo bei Bedarf Umleitungen für die Besucher eingerichtet werden können. Sanitäter sind zudem nicht nur an den Stationen zu finden, sondern auf dem gesamten Gelände in Zweier-Teams zu Fuß unterwegs. Alle Beteiligten arbeiten kontinuierlich daran, den Japan-Tag als Event so sicher wie möglich zu machen.“

Ich denke, beim nächsten Japan-Tag mit vielleicht dann eine Million Besuchern benötigen die Veranstalter ein ganz besonderes Sicherheitskonzept. Sonst scheitert dieser tolle Event – wie andere Medien in Düsseldorf befürchten – am eigenen Erfolg.

P.S. Von der Deutsche Bahn AG habe ich übrigens keine Stellungnahme erhalten – der Vorstandsvorsitzende in Berlin, Rüdiger Grube, sollte sich fragen, ob seine Mitarbeiter die Kunden der Bahn wirklich ernst nehmen oder sie nur als lästiges, aber notwendiges Übel betrachten ...

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino oder auch zwei...

                                             Ihr Peter Jamin

Unser Autor arbeitet als Schriftsteller und Publizist sowie als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation er in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren aufmerksam macht. Mehr unter www.jamin.de

(Peter Jamin)


 


 

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Peter Jamin

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