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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Nach der Eiskübel-Welle: Wann schüttet sich jemand einen Eimer kochendheißes Wasser über den Kopf?

Die Krankheit ALS ist jetzt vielen Menschen bekannt. Dank tausendfacher Eisduschen. Unser Kolumnist wartet jetzt auf eine heiße Fortsetzung.

In dieser Woche schütte ich mir keinen Kübel mit Eiswasser über den Kopf. In dieser Woche hat mich niemand dazu eingeladen.

Ich finde es gut, dass sich die Menschen in aller Welt bereits auf diese Art ab gehärtet und dabei auch noch ein gutes Werk getan haben. Sie spendeten Geld zur Erforschung zur Krankheit ALS, und weil mir aufgefallen ist, dass bei der Berichterstattung darüber selten über ALS aufgeklärt wird, will ich das hier gerne machen.

Unser verstorbener Kunstpapst Jörg Immendorff war an ALS erkrankt. Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems. Sie schädigt die Nerven, die für die Muskelbewegungen zuständig sind.

Eine Heilung von dieser Krankheit ist noch nicht möglich. Die Forschung steckt noch in den Kinderschuhen, weshalb wir möglichst viel Geld der Wissenschaft spenden sollten. Ich habe das gerne gemacht. 

Ich kannte Immendorff zwar nicht gut, aber aus nächtlichen Begegnungen im alten "Ratinger Hof" in der Düsseldorfer Altstadt, als sich der Punk in Deutschland entwickelte. Auch habe ich eine Kurzgeschichte geschrieben, in der er eine Rolle spielt. Die Geschichte heißt "Der Affe von Immendorff“ und ist in dem Buch "M8Worte" im Düsseldorfer Verlag Droste veröffentlicht worden.

Auch war die Ehefrau eines Freundes von mir an ALS erkrankt. Sie starb innerhalb eines halben Jahres ohne meine Anteilnahme, denn sie hat ihren Freunden nichts von ihrem bevorstehenden Tod gesagt.

Doch zurück zum Eiskübel, der in den sozialen Netzwerken wie in den Printmedien die Runde macht. Diese modernen Rituale schaffen ein Zusammenhaltsgefühl und machen vor allem in jenen Kreisen auf die Krankheit aufmerksam, die eher der Spaßgesellschaft zugehörig sind - und das sind schließlich die meisten Menschen. 

Auch wenn viele noch Gefühle zeigen können, so sind doch nur wenige bereit ein wenig mehr als Tränen zu opfern. Immerhin spenden viele für ALS, nachdem sie sich eine kalte Dusche verabreicht und ihren Spaß gehabt haben.

Nun bin ich kein Spaßverächter. Gemeinsam mit meinen Freunden Dieter Thoma und dem leider verstorbenen Chris Howland habe ich schließlich sechs Bücher mit Witz geschrieben. Doch ich bin der Meinung, dass sich Spaß und Ernsthaftigkeit die Waage halten sollten. Darum habe ich auch eine Reihe gesellschaftskritischer Bücher geschrieben, wie man oder frau auf meiner Homepage nachlesen können.

Um es deutlich zu sagen: Ich finde die Schockmethode gut, um auf eine Krankheit wie ALS aufmerksam zu machen. Jetzt warte ich darauf, dass sich jemand einen Eimer kochendheißes Wasser über den Kopf schüttet, um auf so seltene Krankheiten wie Chorea Huntington und Mukoviszidose aufmerksam zu machen. Auch da fehlt das Geld für die Forschung. Ich bin gespannt, wer alles mitmacht.

Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                                                          Ihr Peter Jamin

Unser Autor ist Schriftsteller, Journalist und als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte von Unternehmen und Werbe- und PR-Agenturen tätig. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation der Publizist in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren immer wieder aufmerksam macht.

(Peter Jamin)


 


 

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