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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Nun auch Opel - noch ein weiterer kein Abgas-Skandal

Der neuste angebliche Auto-Abgas-Skandal bei Opel hat unseren Kolumnisten veranlasst, sich mit den vielen angeblichen Skandalen zu befassen, die angeblich keine sind und von der angeblichen Lügenpresse angeblich verbreitet werden.

Auf die Vorwürfe des Magazins Spiegel und der WDR-Sendung Monitor, auch Opel habe – ähnlich wie VW - offensichtlich beim Zafira-Diesel die Software manipuliert und falsche Abgaswerte vorgetäuscht, stellte Opel umgehend fest: „Unsere Software war nie darauf ausgelegt, zu täuschen oder zu betrügen.“

Mit einer solchen Aussage, befindet sich Opel in guter Gesellschaft. So hatte etwa der russische Staatschef Putin nach den Besetzung der Krim festgestellt, man habe die Krim gar nicht besetzt – im Gegenteil: "Landbesetzungen sind hochkomplexe integrierte Systeme. Die verschiedensten Parameter spielen dabei eine wesentliche Rolle und sind miteinander verknüpft. Solch ein komplexes System lässt sich nicht in einzelne Parameter zerlegen. Die Interaktionen müssen ganzheitlich verstanden werden, in Kombination mit den vorherrschenden Bedingungen und den verschiedenen Bereichen des Steuerungssystems."

Solcherart verschwurbelte Begründungen – die jetzt auch Opel in einer etwas abgewandelten Form in einer aktuellen Pressemitteilung veröffentlichte – haben bei angeblichen Missbräuchen, Grenzüberschreitungen, Hinterhältigkeiten, kriminellen oder gar kriegerische Handlungen eine lange Tradition:

Die ungarische Regierung wie auch andere osteuropäischen Regierungen betonten etwa nach ihren Grenzschließungen und dem in ganz Europa nicht begrüßten Stopp des Flüchtlingsstroms vor ihren Grenzen: Man habe es nie darauf ausgelegt Flüchtlinge an der Weiterreise nach Deutschland zu hindern.

Der türkische Staatchef Erdogan wies jüngst mit Nachdruck darauf hin, dass es in seinem Land keine Einschränkung von Pressefreiheit gebe. Vielmehr würden die türkischen Staatsorgane lediglich die türkische Presse bei ihren Bemühungen unterstützen unliebsame Journalisten und Chefredakteure loszuwerden.

Die griechische Regierung wies die Kritik zurück, dass sie die Flüchtlinge in ihrem Land miserabel versorgen würde. Vielmehr würden die Asylanten selber die großzügige Hilfe ablehnen, um keine Neidgefühlen bei der griechischen Ureinwohnerschaft auszulösen.

Der syrische Regierungschef Assad wehrte sich bei einem Hintergrundgespräch mit Journalisten gegen den Vorwurf, er habe seine eigene Bevölkerung mit Fassbomben bombardiert. Vielmehr seien die Bomben einfach vom Himmel gefallen, nachdem man sie aus Flugzeugen entfernt hatte; offensichtlich habe man die Schwerkraft solcher Handwerkserzeugnisse falsch eingeschätzt, da konkrete Bedienungsanleitungen für die Folgen von solchen Flugzeugreinigungsmaßnahmen fehlten.

Viele Unternehmen, die jahrzehntelang für Hilfsarbeiten und andere Tätigkeiten einen absoluten Dumpinglohn bezahlten, stellten jüngst auch noch einmal fest, dass sie noch nie Interesse daran gehabt haben ihren Arbeitnehmern weniger als den Mindestlohn zu bezahlen. Vielmehr habe man die Verbraucher nur vor zu hohen Kosten schützen wollen.

In Düsseldorf reagierte die Stadtverwaltung auf den Vorwurf von Geschäftsleuten der Schadowstraße nun noch weitere Jahre mit einem Bau-Chaos vor ihren Schaufenstern leben zu müssen, mit dem Hinweis, dass die Bautätigkeit nie darauf ausgelegt war den Geschäftsbetrieb auf der Schadowstraße zu stören oder gar zum Erliegen zu bringen.

Wenn man die deutsche Skandal-Landkarte genau betrachtet, stellt man schnell fest, dass es eigentlich in Deutschland gar keine Skandale gibt – zumindest, wenn man den Beteuerungen der Verursacher von keinen Skandalen Glauben schenkt.

Die Organisatoren der Pegida-Demonstrationen in Dresden weisen beispielsweise mit Nachdruck darauf hin, dass ihre Montags-Spaziergänge nicht das Ziel hätten für Unruhe in der Bevölkerung zu sorgen. Vielmehr habe sich wohl in der Bevölkerung ein neues Verständnis für Spaziergänge entwickelt.

Auch die Gründung der AfD, so der Vorstand in einer neuen Mitteilung, hat nicht das Ziel eine neue Partei zu etablieren. Man wolle nur Menschen, die gegen den Islam, den Klimawandel und Rundfunkgebühren und andere Auswüchse der Demokratie seien, Gehör verschaffen.

Viele Besitzer von Briefkastenfirmen in Panama verweisen darauf, dass es Ihnen dabei nicht darum gegangen sei in aller Stille Geldgeschäfte zu machen – sie hätten einfach nicht gewusst, was sie sonst mit dem Geld hätten machen können.

Nach meinen Recherchen planen die oben genannten Firmen, Personen- oder Interessengruppen eine gemeinsame Initiative zu gründen, die das Ziel hat der Bevölkerung zu vermitteln, dass es viele Aktivitäten gibt, die nur scheinbar das Ziel haben für das sie offensichtlich vorgesehen worden sind. Vielmehr sei es üblich Aktivitäten vorzutäuschen, um dem Verlangen der Bevölkerung nach kritischer Medien-Berichterstattung Rechnung zu tragen.

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                                               Ihr Peter Jamin


Unser Autor arbeitet als Schriftsteller und Publizist sowie als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation er in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren aufmerksam macht. Mehr unter www.jamin.de

(Peter Jamin)


 


 

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