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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Politik-Theater mit Bürgern

Das Düsseldorfer #Schauspielhaus startet jetzt ein interessantes Projekt - die Inszenierung "Düsseldorf first". Die Regisseurin Miriam Tscholl will "gemeinsam mit überzeugten Nichtwählern und politisch aktiven Düsseldorferinnen und Düsseldorfern die Mechanismen der Stadtmacht auf die Bühne bringen". Unser Kolumnist mischt mit.

"Gesucht werden Nichtwähler und politische Aktivisten, Politikverweigerer und Parteipolitiker, Politikwissenschaftler und alle, die Lust haben, auf der Bühne eine eigene oder erfundene Meinung zur Düsseldorfer Kommunalpolitik zu vertreten", rief das Schauspielhaus zum Mitmachen auf. Im Januar sei Premiere.

Ich finde dieses Projekt so gut, dass ich mich angemeldet habe. Mit den Mechanismen der #Politik in #Düsseldorf habe ich ja vielfältige Erfahrungen. Leider nicht nur gute!

Ich erinnere nur einmal an die Verleihung des Heinrich-Heine-Preises an den Dichter Peter Handke im Jahre 2006. Weil ich so geschockt von der Kulturgesellschaft war, habe ich dazu gleich ein ganzes Buch, eine Polemik, geschrieben. Hier gibts eine Leseprobe.

Das Buch heißt "Der Handke-Skandal", und ich beschreibe darin - kurz gefasst - "wie die Debatte um den Heinrich-Heine-Preis unsere Kulturgesellschaft entblößte". Es kann hier im Gardez-Verlag als Taschenbuch bestellt werden.

Peter Handke, einer der größten deutschsprachigen Dichter, wurde erst mit einem der größten deutschen Literaturpreise, dem Düsseldorfer #Heine-Preis, ausgezeichnet, dann aber als Sympathisant und Freund des serbischen Diktators Slobodan Milosevic "entlarvt" – und von den Düsseldorfer Politikern quer durch alle politischen Richtungen öffentlich geächtet.

Ich habe die Entwicklung rund um die geplatzte Verleihung des #Heine-Preis 2006 beobachtet und in meinem Buch notiert. So entstand die Geschichte eines gewaltigen Literaturskandals: unterhaltsam, intelligent, amüsant. Die Chronik einer der größten Literaturdebatten der Nachkriegszeit, die nicht nur Erzähltes weiter erzählt, sondern den Leser auch in die Hinterstuben dieses Literatur-Skandals führt.

Für dieses erzählende #Sachbuch recherchierte ich in #Literaturszene, #Politik und #Medien wie auch im Umfeld der Heine-Preis-Stifter und der Jury, analysierte die Ereignisse, Diskussionen und Medienberichte rund um die Preisverleihung und studierte die Werke des umstrittenen Autors zum Thema Serbien.

Mein Fazit damals: Peter Handke war, ist und bleibt Heine-Preisträger 2006, auch wenn ihm die Düsseldorfer Politiker diese Ehre absprechen. „Skandal mit Ansage - eines der bizarrsten Spektakel der letzten Jahre“, schrieb damals der „Der Spiegel“. Von einer „Kulturpolitische Bruchlandung des Jahres“ resümierte die „Rheinischen Post“. „Ein unglaubliches Schauspiel" sah die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“.

Warum das Theater? Erst hoben Düsseldorfs Politiker den Dichter auf einen Thron und wollten ihm 50.000 Euro Preisgeld geben. Dann zogen sie ihm mit lautem Spektakel und vielen bösen Worten den Stuhl unter dem Hintern weg und stahlen ihm die Ehre durch öffentliche Pöbeleien.

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                                     Ihr Peter Jamin

Unser Autor arbeitet als Schriftsteller und Publizist sowie als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation er in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren aufmerksam macht. Mehr unter www.jamin.de

(Peter Jamin)


 


 

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