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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Schluss mit der Fußball-Polizei - warum Stadien auch geschlossen werden können

NRWs Innenminister Ralf Jäger zieht die Polizei aus den Fußballstadien zurück. Vereine wie Fortuna Düsseldorf müssen ihre Gewaltprobleme in den Fan-Reihen nun selbst lösen. Gut so, meint unser Kolumnist.

Ist unsere Polizei eine Fußball-Polizei oder zur Bekämpfung von Kriminellen da? 

Diese Frage stellt sich schon lange, wenn man betrachtet, wie Tausende von Polizisten als Begleitpersonal für Fußballfans jede Woche bei den Liga-Spielen in Deutschland eingesetzt werden.

Während die Polizeiwachen und -Streifen in den Stadtteilen der Städte immer mehr reduziert wurden und beispielsweise Einbrüche in Wohnungen und Häusern gewaltig zunahmen, zeigte die Polizei mehr und mehr Präsenz in den Fußballstadien. 

Aber ist das die Aufgabe der Polizei? 

Das deutsche Fußball-Geschäft ist milliardenschwer und in der Lage neben den Millionen-Honoraren der Spieler auch Millionen Euro für Sicherheitskräfte zu bezahlen. Und so sind die Forderungen nur allzu berechtigt, die Polizisten statt in die Stadien besser in die Wohnviertel der Bürger zu schicken, um echte Kriminelle zu fassen.

Der Vorstoß des Düsseldorfer Innenministers ist überfällig. Risikospiele sollen auch weiterhin von starken Polizeikräften flankiert werden, meint Minister Jäger: "Es geht uns allein um die Spiele, die in den letzten drei Jahren ohne Krawalle geblieben sind. Hier wollen wir den Kräfteeinsatz der Bereitschaftspolizei lageangepasst runterfahren."

Der NRW-Minister hofft dabei auf die Unterstützung durch die Fußballfans: "Gespräche mit Fans haben mir gezeigt, dass sie bereit sind, mehr Verantwortung zu übernehmen. Das können sie jetzt unter Beweis stellen."

Ein Drittel der Einsatzzeit für die Sicherheit beim Fußball

In NRW stehen in der kommenden Saison 231 Spiele der ersten drei Ligen auf dem Programm - im vergangenen Jahr waren es 210. Bereits heute verwendet die Bereitschaftspolizei ein Drittel ihrer Einsatzzeit nur für die Sicherheit bei Fußballspielen.

Das ist erheblich zu viel. Wenn ein Diskothekenbesitzer etwa in der Düsseldorfer Altstadt häufiger Probleme mit gewaltbereiten Gästen hat, stellt er in der Regel so genannte "Rausschmeißer" ein. Er tut gut daran, nicht allzu oft die Polizei zu rufen, wenn er der Gewaltexzesse nicht Herr wird. Denn sonst könnte das Ordnungsamt auf die Idee kommen, dass die öffentliche Sicherheit und Ordnung in dem Lokal nicht mehr gewährt ist - und dann wird der Laden dichtgemacht.

Es wird Zeit, dass vor allem die Fußballvereine endlich selbst Verantwortung für Ihre Gäste übernehmen. Zur Not müssen sie eben mehr private Sicherheitskräfte einstellen oder andere Maßnahmen ergreifen. Und falls sie versagen, sollten die Fußballstadien zur Not auch geschlossen oder von anderen Betreibern, die mehr Organisationsfähigkeiten haben, betrieben werden – das gilt gerade auch für so genannte Risikospiele.

Die Polizei muss sich mehr um Wohnungseinbrüche und andere Kriminalität kümmern. Dafür ist sie da, damit hat sie mehr als genug zu tun.

Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                                                              Ihr Peter Jamin

Unser Autor ist Schriftsteller, Journalist und als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte von Unternehmen und Werbe- und PR-Agenturen tätig. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation der Publizist in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren immer wieder aufmerksam macht.

(Peter Jamin)


 


 

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