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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Setzt die Rheinbahn auf Leipziger Chaos?

Jetzt soll also die Düsseldorfer Rheinbahn einen Manager von den Leipziger Verkehrsbetrieben bekommen. Wenn das nicht mal ein Schuss in den Ofen wird. Wie dort die Verkehrsbetriebe agiert haben, kann unser Kolumnist Peter Jamin an einem Beispiel zeigen, über das er zwei Kolumnen geschrieben habe. Riesen-Chaos bei der Verkehrsplanung!

Dr. Norbert Menke heißt der avisierte neue Mann. Er war seit April 2014 Vorsitzender der Geschäftsführung der Leipziger Stadtholding (LVV mbH), zu der u.a. die Leipziger Verkehrsbetriebe GmbH gehört. Dort arbeitet Menke allerdings schon seit dem Frühjahr 2018 nicht mehr.

Streit unter Managern

Zum Führungswechsel im Leipziger Stadtkonzern berichtete die Leipziger Volkszeitung: "Mehrere Manager haben in der Vergangenheit offenbar stärker gegeneinander gearbeitet als bislang öffentlich bekannt war. Konzernchef Norbert Menke, dessen Vertrag nicht verlängert wird, hatte sich mit mehreren Geschäftsführern der großen Stadtfirmen angelegt."

Ob Menke der richtige Mann für die Düsseldorfer Rheinbahn ist, mag also bezweifelt werden. Jedenfalls ließen es die Leipziger Verkehrsbetriebe, die Menke ja beaufsichtigte, an Bürgernähe fehlen, wie das nachfolgende Beispiel beweist.

24 Stunden Verkehrschaos

Auf der Bothestraße im Leipziger Stadtteil Gohlis waren die Menschen wochenlang einem Anwohner-Mobbing ganz besonderer Art ausgesetzt: Busse, Baustellen-Lkws und der übrige Verkehr blockieren sich hier fast rund um die Uhr. Der Lärm der Motoren war unerträglich und raubt den Bürgern nachts den Schlaf.

Grund dafür war eine chaotische Verkehrsplanung der Leipziger Verkehrsbetriebe und der Stadtverwaltung Leipzig sowie die Untätigkeit der Polizei, die sich trotz riesigem Chaos nicht sehen ließ.

Aufsichtsrat verpennt Chaos

Solch eine Situation sollte eigentlich einem Aufsichtsratsvorsitzenden der Verkehrsbetriebe nicht entgehen, zumal zumindest die Bild-Zeitung darüber berichtet hat. Ich selbst habe zwei Kolumnen zum Thema geschrieben, weil mich betroffene Freunde darum gebeten hatten - kann man hier nachlesen und hier nachlesen.

Auf Fotos kann man sehr gut erkennen, wie sich vor allem der Busverkehr in der schmalen Straße extrem staut. Vor allem nachts ein nicht akzeptabler Zustand. Eine Anwohnerin bereitete in ihrer Verzweiflung ihr Schlaflager im Flur ihrer Wohnung auf, der kaum größer als die Matratze war.

Anwohner selber Schuld

Die Reaktion der Verkehrsbetriebe auf eine Anfrage von mir in Kurzfassung: Die Pkw der Anwohner sind schuld. Originalton LVB: „...Seit Samstag kommt es, trotz frühzeitiger Beschilderung, immer wieder vor, dass Falschparker den Umleitungsverkehr behindern und ggf. abgeschleppt werden müssen. Die Umleitungsführung ist notwendig, damit die Busse die zahlreichen Fahrgäste an ihre Ziele bringen können. Alternative und andere sinnvolle Umleitungswege sind nicht vorhanden...“.

Organisation mangelhaft

Das stimmte nicht. Es gab meiner Meinung alternative Routen, so dass man nicht den Hin- und Rückverkehr der Busse (siehe Fotos) gleichzeitig auf einer einzigen schmalen Straße hätte abwickeln müssen.

Auch hätte man die Bothestraße konsequent für das Parken von Autos sperren und durch Sicherheitskräfte rund um die Uhr kontrollieren lassen können. Aber das ist genau so wenig passiert, wie man die Anwohner vernünftig und umfassend auf die neue Verkehrssituation vorbereitet oder sich wenigstens für das wochenlange Verkehrschaos entschuldigt hat.

Der Mensch war egal

Mein Eindruck: Dem Management waren die Menschen, sprich Anwohner, vollkommen egal. Und der oberste Manager der Leipziger Verkehrsbetriebe, Norbert Menke, soll jetzt die Rheinbahn in Düsseldorf führen?!

Bei einem Produkt wie der Rheinbahn, die mit ihren Bussen und Bahnen stark vom Menschen (also von Mitarbeitern, Fahrgästen und Anwohnern an den Bahn- und Busstrecken) abhängig und auf eine gute Zusammenarbeit mit ihnen angewiesen ist, benötigt man einen Manager, der immer auch den Menschen und nicht nur die Zahlen im Blick hat.

Betriebsrat kritisch

Der Betriebsrat der Rheinbahn hat bereits für Norbert Menke die Signale auf "Rot" gestellt. Für die Arbeitnehmervertreter der Rheinbahn ist längst klar, dass man "keine Leute mehr braucht, die handfeste Probleme mit Marketingmaßnahmen bekämpfen und dabei regelmäßig echte Probleme liegen lassen". Man setzt auf eine interne Lösung.

Das ist vielleicht eine sehr gute Idee. Bei den Leipziger Verkehrsbetrieben, wo Norbert Menke seinen Job ein Jahr früher als geplant aufgeben musste, setzte man nach seinem Abflug auch auf die Kraft und Fähigkeit der eigenen Leute und holte sich keine Verstärkung mehr von außen.

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                               Ihr Peter Jamin

Unser Autor arbeitet als Schriftsteller und Publizist sowie als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation er in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren aufmerksam macht. Mehr unter www.jamin.de

(Peter Jamin)


 


 

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