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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Skandale in der Fußballwelt

Die schönste Nebensache der Welt? Aber auch die schönsten Skandale...

Ist Fußball eine so ernste Sache, dass es zu solchen Ausschreitungen und Skandalen kommen muss? Aber klar! Der Fußball kennt weltweit die größten und schönsten Skandale. Allein in Deutschland verfügen wir über endlose Listen. Kleine und große. Wir leben in einer Welt voller Skandale und ergötzen uns an ihnen.

Erst recht, wenn wir dabei auch noch so richtig was zu lachen haben. Beispielsweise beim berühmtesten Torbruch der Bundesliga. Am 3. April 1971 brach auf dem Bökelberg ein Holztor mitten im Spiel und kostete Borussia Mönchengladbach letztlich den Sieg, aber beinahe auch die ganze Meisterschaft.

Der DFB wertete nämlich drei Wochen nach dem Torbruch das Spiel mit 2:0 für Werder, und die Borussia musste eine Geldstrafe in Höhe von 1500 D-Mark zahlen. "Ein Bundesligaklub ist eben kein Dorfverein", hieß es in der Begründung. Ein solcher Verein müsse dafür sorgen, dass ein Tor nicht zusammenbricht.

Schwachpunkte der Menschen

Skandale legen die Schwachpunkte von Menschen wie Institutionen bloß. Es gibt skandalöse Ereignisse und Taten, Gesten und Feststellungen. Es sind Verletzungen des guten Geschmacks, empörende Regelwidrigkeiten, Gesetzüberschreitungen. Ein Skandal ist ein herzhaft Süppchen aus Gut und Böse, das vielen gut schmeckt, weil andere darin ein Haar oder es versalzen finden.

Man hat das Gefühl, Menschen benötigen Skandale wie ihr täglich Brot. Der Vorteil: Beim großen Fußball - wie auch in der Politik - sind die kleinen Leute selten direkt betroffen. Sie sind die Guten und dazu noch dank der Medien gut informierte Zaungäste.

Rudi Völler bespuckt

Denken wir nur einmal an die Spuckattacke von Frank Rijkaard gegen Rudi Völler bei der WM 1990. Sie hängt dem Deutschen noch immer an, obwohl er doch nur das Opfer war. Auch wenn es nicht wehgetan hat – wer angespuckt wird, ist oft auch der Blamierte, weil ein Mann mit Spucke am Körper wahrlich belämmert aussieht.

Es war jedenfalls beim WM-Achtelfinale in Mailand, als die Rivalen Deutschland und Niederlande sich wieder einmal kraftstrotzend gegenüberstanden. In der 22. Spielminute passierte es dann: Rijkaard foult Völler und Schiedsrichter Juan Carlos Loustau notiert die Gelbe Karte für den Holländer. Der dachte wenige Sekunden später, der Schiedsrichter könne ihn nicht sehen, und spuckt dem deutschen Spieler ins lockige Haar.

"Suppenkaspar" Beckenbauer

Häufig sind Skandale übrigens privater Natur, nur gelegentlich berühren sie die Belange von Vereinen oder gar des Weltfußballs. So geschehen in den Anfangsjahren von Franz Beckenbauer als Nationaltrainer bei der Weltmeisterschaft 1986 in Mexiko.

Angeblich bezeichnete ihn damals Ersatztorwart Uli Stein mit Blick auf dessen Suppenwerbung in den 1960er-Jahren als "Suppenkasper". Daraufhin warf DFB-Präsident Hermann Neuberger den Lästerer aus der Mannschaft. Gegen die Behauptung, dass er die Nationalmannschaft als "Gurkentruppe" bezeichnet habe, wehrte sich Uli Stein damals – das wäre Matthias Herget gewesen.

Skandale sind eben spannend

Bleibt die Frage, warum sich unsere Aufmerksam bei einem Skandal verstärkt, warum wir sofort unsere Ohren spitzen. Einfach ausgedrückt: weil die Menschen Skandale so mögen und weil sie neugierig sind. Weil sie dadurch spannende Themen haben, über die es sich zu reden und aufzuregen lohnt. Weil man auf andere mit dem Finger zeigen, sich selbst als Guten und den anderen als Bösen hinstellen kann.

Ein Trost also: Wenn die WM 2018 in Moskau für uns Deutsche langweilig wird, weil die Nationalmannschaft versagt, dann können wir uns wenigstens über Gündogan und Özil weiter aufregen...

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                          Ihr Peter Jamin

Unser Autor arbeitet als Schriftsteller und Publizist sowie als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation er in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren aufmerksam macht. Mehr unter www.jamin.de

(Peter Jamin)


 


 

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