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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Steigt aufs Rad – und Oberkassel wird Deutschlands tollster Fahrrad-Stadtteil

80 Prozent der Straßen in einer Großstadt sind Tempo-30-Zonen und wenig befahren. Da sollte doch jeder mit großer Begeisterung auf Fahrrad steigen, meint unser Kolumnist.

Düsseldorf-Oberkassel, das Viertel, in dem ich wohne, hätte die Chance Deutschlands erster tollster Fahrrad-Stadtteil zu werden. Warum?

Hier wohnen Menschen, die es sich leisten können neben einem tollen Auto noch ein chices Fahrrad zu fahren und in einem 5-Kilometer-Radius nur mit dem Rad und erst darüber hinaus mit dem Auto durch die Gegend zu fahren. Hier gibt es neben einigen Hauptverkehrsstraßen vor allem gemütliche Seitenstraßen, die sich ideal fürs Fahrradfahren eignen. Hier gibt es unter 17.000 Einwohnern mehr als zehn Prozent, die "grün" wählen und somit doch von Natur aus das Fahrrad als Fortbewegungsmittel bevorzugen müssten. Auch leben in diesem Stadtteil viele Menschen, die Vorbildfunktion haben könnten: Journalisten, Galeriebesitzer, Maler, Architekten, Politiker, Fußballspieler und andere könnten durch demonstratives Fahren mit dem Fahrrad dazu beitragen, dass auch weniger prominente Nachbarn Spaß am Rad und weniger Spaß am SUV- oder Porsche-Parkplatz-Suchen finden. 

Auch gibt es in diesem Stadtteil viele schöne Straßen in dem es etwas vom Fahrrad aus zu sehen gibt – schöne Häuser, schöne Plätze, die Rheinwiesen...

Wer in diesen Tagen durch Oberkassel mit dem Fahrrad fährt, sieht allerdings nur wenige Gleichgesinnte. Dabei sind in den vergangenen Monaten viele chromglänzende Fahrradständer wie Pilze aus den Boden geschossen an Plätzen und Straßenrändern.

Es ist also ein Anfang gemacht, auch wenn die Luegallee noch immer darauf wartet, dass der Fahrradweg, den der – Gott hab ihn selig – ehemalige Oberbürgermeister Joachim Erwin eigenhändig überpinselte, wieder neu installiert wird – jetzt ist ja die SPD wieder an der Macht in der Stadt!

Wir brauchen in Düsseldorf eine Aufbruchsstimmung, ein Bekenntnis pro Rad. Schließlich gibt es viele gute Gründe dafür: Weniger Autoverkehr, weniger Luftverschmutzung, weniger Stau-Stress, weniger Parkplatzsuche und –Ärger für Düsseldorf-Besucher und Messe-Gäste.

Doch was können wir tun, um die grüne Welle für Fahrradfahrer auch in Düsseldorf zu schaffen? Zunächst einmal sollte sich die Stadt aktiv für das Fahrrad, einem der wichtigsten Fortbewegungsmittel der Zukunft, aussprechen. Und danach handeln: Der neue Oberbürgermeister und seine Bürgermeister sollten eigene Dienstfahrräder erhalten, mit denen sie auch möglichst viele Termine wahrnehmen. Düsseldorfs Ratsmitglieder sollten kostenfrei mit "Rat-Räder" ausgestattet und alle Verwaltungsmitarbeiter mit Zuschüssen zum Umstieg aufs Fahrrad animiert werden.

An zentralen Plätzen der Stadt sollten dominant-große Fahrrad-Parkplätze wie Leuchttürme errichtet, an wichtigen Düsseldorfer Straßen Fahrradwege eingerichtet werden.

Beim Neubau eines Hauses sollten die Bauherren nicht nur Garagen nachweisen, sondern einen Fahrradraum und je Wohn- oder Büro-Einheit je zwei Fahrradstellplätze nachweisen müssen. Mehr 30-km-Zonen in der Stadt sollten für Fahrradfahrer in beide Richtungen befahrbar und die Einrichtung von besonders gesicherten Kinderfahrradstraßen gefördert werden.

In den Städten brauchen wir eine wahre Kultur des Radfahrens, meint der Geschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs, Burkhard Stork: "Wir müssen endlich allen Menschen Mut machen, Rad zu fahren!"

Kurz: Oberkassel könnte Deutschlands erster tollster Fahrrad-Stadtteil werden, wenn Düsseldorfs Politiker und Prominente mitziehen und Mut machen würden. Schau`n mer mal, wer da aufs Rad steigt.

Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                                                   Ihr Peter Jamin

Unser Autor ist Schriftsteller, Journalist und als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte von Unternehmen und Werbe- und PR-Agenturen tätig. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation der Publizist in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren immer wieder aufmerksam macht.

(Peter Jamin)


 


 

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1 Kommentar

von Michael
16.08.14 12:00 Uhr
Oberkassel wird Fahrradstadteil

Peter, da muss vor Allem dafür gesorgt werden, dass vor den Muggels dieser Stadtteilwelt ausreichend Parkplätze für die LatteMacchiato-Mütter geschaffen werden, damit die ihre Porsche-Design-Radln mit den Ferrarikinderwagenanhängern in Schaukelweite posen können...

 

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