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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Sterben ist teuer – viel Pomp für ein Häufchen Asche

Gelegentlich machen sich ja die Menschen Gedanken über den Tod – und über ihre letzte Ruhestätte. Unser Kolumnist traf in seinem Stammcafé einen Freund auf einen Cappuccino, der ihm mit leichtem Entsetzen über die Kosten von Beerdigungen erzählte. Unser Kolumnist beschloss, unter diesen Umständen auf das Sterben zu verzichten.

Sterben ist teuer, nicht nur, weil man beim Sterben mit seinem Leben bezahlt. Es ist vor allem auch teuer, beerdigt zu werden. Ein Freund, der sich seit einiger Zeit damit befasst, erzählte mir jetzt, was eine Beerdigung kostet. Eine stinknormale Bestattung ohne große Spielereien schlägt mit etwa 4.000 Euro zu Buche. Ein schlichter Sarg, ein paar Blumen, eine Feuerbestattung. Ich überlege ernsthaft, ob ich nicht besser auf das Sterben verzichte, denn das Leben ist preiswerter und wird ja auch schließlich im hohen Alter endlos durch eine Rente oder Sozialhilfe alimentiert. Ehrlich gesagt: Sterben macht keinen Spaß, wenn man sich Gedanken darüber macht, was eine letzte Ruhestätte kostet.

Mein Freund möchte gerne, dass seine Asche in alle Winde verstreut wird. In einem Waldstück verstreut zu werden ist noch die billigste Variante. Teurer wird es, wenn man etwa den Rhein, und noch teurer wird es, wenn man Nord- oder Ostsee als letzte Ruhestätte auswählt. Mit Staunen und Entsetzen hat mein Freund festgestellt, dass eine normalschlichte Beerdigung in der Regel rund 7.000 Euro kostet. Wer kann sich so einen Sterbefall überhaupt leisten!?

Vielleicht geht das nur, weil es offensichtlich viele Menschen gibt, die sich ab einem gewissen Alter, etwa wenn sie auf die 70 Jahre zugehen, Gedanken über das Sterben und die zwangsläufig folgende Beerdigung machen und dann dafür fleißig Geld sparen. Mein Freund gehört zu diesen Menschen. Auch gibt es ja, ich erinnere mich, Versicherungen, in die man sein Leben lang einzahlt, um mit Würde unter die Erde gebracht zu werden. Andere bezahlen bereits zu Lebzeiten einem Beerdigungsinstitut ihre Beerdigung in spe, etwa wenn Sie eine Lebensversicherung ausgezahlt bekommen. Ich erinnere mich an ein Ehepaar, dass schon Jahre vor seinem Tod eine pompöse Grabstätte kaufte und diese regelmäßig ausbaute und pflegte. Mehr als 100.000 Euro soll die kleine Totenvilla auf dem Friedhof gekostet haben. So bereitet man sich auf das eigene Heldenbegräbnis vor. Man will der Nachwelt erhalten bleiben auf Teufel komm heraus. Aber was hat man davon, wenn man zum letzten Mal und für immer die Augen schließt!?

Wäre nicht ein schlichtes Grab für einen Toten angemessener als ein Feldherrenhügel, wenn man bedenkt, dass von einem Menschen, der beerdigt wird, ohnehin nicht mehr bleibt, als ein Häufchen Asche oder Erde? Sollten wir nicht lieber die Erinnerung an einen Toten groß halten und das Grab klein?!

Ich finde, dass eine Beerdigung ebenso kostenfrei sein sollte wie das Sterben selbst. Man sollte nicht 400 Euro für eine Grabrede bezahlen müssen oder 100 Euro für schlichten Blumenschmuck. Der Staat sollte die Beerdigungskosten für seine Bürger übernehmen. Schließlich haben die meisten ihr Leben lang brav Steuern bezahlt. Da könnte ihnen der Staat zu ihrem Ableben ruhig ein kleines Abschiedsgeschenk wie eine kostenlose Ruhestätte nebst Beerdigung machen. Das wäre so etwas wie die goldene Armbanduhr, die manche Firmen ihren Jubilaren wegen langjähriger Treue schenken. Wir müssen dahin kommen, dass wir Beerdigungen nicht mehr mit großem Pomp veranstalten. Sicher würden das viele Arbeitsplätze in der Sterbe-Industrie – in Beerdigungsinstituten, Blumengeschäften, Steinmetzbetrieben und anderen Unternehmen – kosten. Man sollte dagegen viele neue Arbeitsplätze in einer neuen Leben-Industrie schaffen: mehr gut ausgestattete Altenheime, mehr gut bezahlte Altenbetreuer und vor allem mehr Abenteuer-Reisen für Betagte.

Simplify your death. Eine Idee für ein schnörkelloses Ableben.

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino ...
                                                         Ihr Peter Jamin

Unser Autor arbeitet als Schriftsteller und Publizist sowie als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation er in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren aufmerksam macht. Mehr unter www.jamin.de

(Peter Jamin)


 


 

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