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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Straßenkrieg – und die tollwütigen Oberkasseler Pkw-Spinner

Der Straßenverkehr wird immer gefährlicher. Autofahrer, Fußgänger und Fahrradfahrer benötigen ein starkes Nervenkostüm, um den Straßen-Krieg zu überstehen. Unser Kolumnist findet, dass in seinem Stadtteil Oberkassel besonders viele Spinner unterwegs sind.

Es beginnen kriegerische Zeiten – im Straßenverkehr. Autofahrer gegen Radfahrer. Radfahrer gegen Fußgänger. Alle gegen alle.

Ich selbst erlebte schon mehrmals Attacken von Autofahrern gegen Autofahrer. Eine altbekannte Variante dieser kriegerischen Auseinandersetzung fand beispielsweise vor einiger Zeit in meinem Stadtteil Düsseldorf-Oberkassel statt. Da blockierte ein Mann mit seinem Körper einen Parkplatz, um den Platz für einen Freund und dessen Wagen freizuhalten - ein anderer Autofahrer stand mit dem Wagen halb auf dem Parkplatz, blockierte die Straße und konnte nicht einparken.

Es gab einen Riesenkrach zwischen den beiden Männern, während sich auf der Straße in beide Fahrtrichtungen die Autos stauten. Der ziemlich unverschämte „Parkplatzwächter“ wollte partout nicht einsehen, dass er im Unrecht war und den Parkraum nicht freihalten durfte. Erst die Androhung, die Polizei zu rufen, beendete schließlich den Streit.

Aggressionen von Autofahrern auf den Straßen, brutale Drängler auf den Überholspuren der Autobahnen – das kennt ja jeder, der mit einem Auto unterwegs ist. Ich selbst erlebte aber eine subtile Form des Autokriegs.

Als ich vor einigen Jahren in meine gegenwärtige Wohnung einzog, sprach mich der Besitzer des Nachbarhauses an, auf dessen breitem Bürgersteig ich parkte und Umzugskisten auslud.

Er wies darauf hin, dass ich dort nicht parken dürfe. Sein Argument: „Ihr Hausbesitzer und ich haben vereinbart, dass auf dem Bürgersteig vor meinem Haus nur meine Mieter ihre Wagen parken dürfen.“

Ich wies daraufhin, dass ich ja auf einem städtischem Grundstück parke, was dort ohnehin verboten sei. Das beeindruckte den Hausbesitzer aber nicht und seitdem konnte ich täglich beobachten, dass seine Mieter den Bürgersteig zuparkten, während ich – übrigens gerne – die 100 Meter zur Rheinallee in Oberkassel weiterfuhr und dort meinen Wagen abstellte.

Oberkassel scheint ohnehin ein Hort tollwütiger Pkw-Spinner zu sein. Vielleicht fühlen sich hier viele Menschen wie Gewinner der Schlossstraße, die meinen, ihr Eigentum mit Gewalt verteidigen zu müssen.

Vor längerer Zeit machte sich ein Anonymus den Spaß daraus, an Autos, die offensichtlich nicht von der Rheinallee stammten, die Scheibenwischer hochzustellen. Eines Tages traf ich zufällig einen Mann, dem ich diese Taten zutraute und ich machte ihm etwas Angst, als ich darauf hinwies, dass es bereits Nachbarn gäbe, die darauf warteten diesem noch anonymen Spinner „eins reinzuhauen“.

Seitdem war Ruhe und die Scheibenwischer blieben an ihrem Platz. Was man allerdings – trotz aller Mahnungen von Polizei und Ordnungsamt – in Oberkassel nicht lernt: Enge Straßen und Feuerwehrbewegungszonen dürfen nicht zugeparkt werden. Das werden die egoistischen Autofahrer wohl nie lernen.

Wer da schon wieder was anzettelt...

Von einer besonders dreisten Attacke im Autofahrerkrieg bekam ich vor einigen Tagen über die Nachbarschafts-App Nebenan.de Kenntnis. Eine Bewohnerin schrieb entsetzt: „Liebe Nachbarn, auf der Rheinallee (im Bereich 160-170) klebt jemand solche Zettel an Autos (trotz Anwohnerparkschein). Ist das jemandem hier auch schon passiert? Wir hatten auch schon Eier auf dem Auto. Hat jemand eine Ahnung wer das ist? Wir würden gerne mal mit dieser Person reden.“

Ein Anonymus drohte auf dem Zettel, das sei nun die letzte Warnung – was passieren würde, schrieb er nicht.

Was uns die Zukunft noch an Attacken im Straßen-Krieg bringen wird, mag niemand voraussagen. Vielleicht ereilt Düsseldorf aber auch das Schicksal von Oslo: „Die Stadtregierung hat sich zum Ziel gesetzt, dass das Stadtzentrum bis 2019 autofrei wird“.

Lärm, Staus, Verkehrstote und Schadstoffbelastungen werden zu immer größeren Belastungen in allen Metropolen der Welt. Seit 1945 sind ja weltweit über 110 Millionen Menschen im Straßenverkehr getötet worden – doppelt so viele Tote wie im Zweiten Weltkrieg.

Während Düsseldorf noch überlegt radfahrer-freundlicher zu werden, bastelt Finnlands Hauptstadt Helsinki an Plänen, nach denen jeder Mensch künftig ohne Auto jeden Punkt der Stadt mit Bus, Bahn, Fahrrad oder Elektro-Leihauto erreichen kann.

In Tokio gibt es ohne vorhandenen Parkplatz, der monatlich rund 400 Euro kostet, erst gar keine Zulassung für einen Wagen – ob sich Düsseldorf Oberbürgermeister Thomas Geisel so etwas traut?

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                                                             Ihr Peter Jamin

Unser Autor arbeitet als Schriftsteller und Publizist sowie als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation er in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren aufmerksam macht. Mehr unter www.jamin.de

(Peter Jamin)


 


 

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