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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

SUVverschmutzung in Düsseldorfs Oberkassel - und warum die Kinder seit Jahrzehnten am meisten unter schlechter Luft leiden

Die Luftverschmutzung sollte eigentlich in Deutschlands Großstädten zu den wichtigsten Themen gehören. Denn die Luft ist in den 100.000plus-Städten ziemlich schlecht. Der dichte Autoverkehr macht zu schaffen - vor allem den Kindern. Unser Kolumnist sieht sich in seinem Stadtteil um und erinnert sich an Umweltdiskussionen um die Luftverschmutzung, die schon vor über 25 Jahren mit der damaligen Bundesumweltministerin #AngelaMerkel geführt wurden.

In meinem Wohnstadtteil Oberkassel in #Düsseldorf gibt es viele dicke Männer, die nicht mehr in einen schnuckeligen Smart passen und deswegen hinter dem Steuer eines SUV sitzen - da wirkt jeder zierlich. Und es gibt viele dünne Frauen, die ihren Zwergenwuchs dadurch ausgleichen, dass sie statt Mini ebenfalls einen SUV fahren - das vermittelt ein besonders erhabenes Gefühl.

In meinem Wohnstadtteil ist also die SUV-Dichte extrem hoch, was mich mit Sorgen erfüllt. Denn viele SUVs sind ja Dieselschlucker und somit ganz besondere Umweltverschmutzer – nicht nur ganz offiziell durch die normale, staatlich sanktionierte Luftverschmutzung, sondern auch durch die geheimen Ausdünstungen in die Luft, die durch geheime Software und möglicherweise andere noch nicht entlarvte Manipulationen ermöglicht werden. "Die sparsamsten 15 SUVs" - so stellte kürzlich das Motor-Magazin Auto-Bild fest, "geizen mit Sprit, aber nicht mit Leistung. Sie sind durchschnittlich knapp 230 PS stark und nutzen in den meisten Fällen einen Sechszylinder-Diesel".

Oha - das hört sich ja wirklich umweltfreundlich an.

Schon Anfang der 1990er Jahren habe ich Eltern davor gewarnt, die Luftverschmutzung auf die leichte Schulter zu nehmen. Hingehört hat kaum jemand, wenn ich mir so ansehe wie viele Kinder jeden Morgen von SUVs und Kompagnons vor Kindergärten und Schulen ausgeschüttet und am Nachmittag wieder geschluckt werden. Aber Autofahrer und Eltern gehören ja ohnehin ziemlich häufig zu den großen Egoisten: Die einen wollen immer freie Fahrt, und erwarten natürlich einen ständig freien Parkplatz vor der eigenen Haustür. Die anderen reden gerne über die Zukunft ihrer Kinder, machen aber wenig dafür - darum passieren die meisten Unfälle mit Kindern auch im eigenen Haushalt.

Schon vor mehr als 25 Jahren habe ich - wie viele Kinderschützer auch - die Eltern in meinem Buch "Hilflos - Gewalt gegen Kinder" gewarnt: "In den Städten sind die Kinder den Schadstoffbelastungen fünf- bis sechsmal stärker ausgesetzt, als Kinder auf dem Land. Benzol und Dieselabgase gehören zu den Stoffen, die extrem krebserregend sind. Schadstoffmessungen, die Greenpeace auf Straßen in 1,20 Meter Höhe, also in sogenannter Kindernasenhöhe, durchführte, zeigen, dass in der morgendlichen Hauptverkehrszeit, wenn die Kinder auf dem Weg zur Schule sind, Spitzenwerte gemessen werden. Dabei reagieren Kinder sehr empfindlich auf Schadstoffe. Sie haben eine höhere Atmungsaktivität. Ihre Abwehrfunktionen gegenüber Umweltgiften sind noch nicht so stark ausgebildet. Sie atmen die Auspuffabgase direkter ein, weil sie kleiner und mit der Nase näher am Auspuff sind. Die Gefahr, an Leukämie zu erkranken, ist groß."

Der Deutsche Kinderschutzbund schrieb damals in sein "kinderpolitisches Sofortprogramm": "Die Bundesregierung muss endlich für Schadstoffbelastungen Grenzwerte festlegen, die sich am kindlichen Organismus orientieren." Die Mahnung der Kinderschützer richtet sich auch an die Umweltpolitik, die nach den Bundestagswahlen im Oktober 1994 mit der neuen Bundesumweltministerin Angela Merkel eine neue Leitfigur erhielt; als ehemalige Jugendministerin war sie, so schrieb ich damals, eigentlich prädestiniert für den Job, die Kinderinteressen zu berücksichtigen.

Die Kinder husten immer noch und die Diskussionen um Maßnahmen gegen die Luftverschmutzung durch den Autoverkehr werden weiter geführt, geführt, geführt, geführt, geführt, geführt und geführt...

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                                              Ihr Peter Jamin

(Peter Jamin)


 


 

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