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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Unter „Terror“-Verdacht – Tausende harmlose Theaterbesucher

Das Theaterstück „Terror“ des Berliner Schriftstellers und Rechtsanwalts Ferdinand von Schirach ist im Düsseldorfer Schauspielhaus seit langem ausverkauft. Doch unser Kolumnist hat gerade noch zwei Karten ergattert – und große Angst davor, dass ihm die Geheimdienste jetzt auf die Schliche gekommen sein könnten.

Gestern habe ich endlich Glück gehabt! Ich habe zwei Karten für das Stück „Terror“ im Schauspielhaus ergattert. Seit Wochen warte ich darauf, dass für die ausverkauften Vorstellungen doch noch mal ein paar Sitzplätze hergegeben werden. Und nun habe ich es endlich geschafft!

Allerdings ist meine Freude etwas getrübt. Denn mit dem Karten-Erwerb ist ein hohes Risiko verbunden. Ein Sicherheitsrisiko.

Ich muss leider davon ausgehen, dass man immer dann, wenn man zum Beispiel bei Internetrecherchen das Wort „Terror“ benutzt, gleich in die Überwachungsfalle unserer Geheimdienst und in den Verdacht gerät ein Terrorist oder einer ihrer Sympathisanten zu sein.

Warum das so ist und was das bedeutet und wie das geschehen kann, können wir uns alle vorstellen, seit uns der von den USA wegen Spionage und Diebstahl von Regierungsdokumenten gesuchte Ex-Geheimdienstler Edward Snowden darüber aufgeklärt hat, dass der amerikanische Geheimdienst neben den E-Mails der Bundeskanzlerin auch die Mails aller anderen Bürger in dieser Welt überwacht und durchleuchtet und die Nachrichten mit verdächtigem Inhalt herausfischt und die verdächtigen Personen entsprechend nachrichtendienstlich „behandelt“.

Unerwartet, aber naheliegend: Im Visier der "Dienste"

Das bedeutet letztlich, dass alle „Terror“-Besucher des Schauspielhauses, die wie ich ihre Tickets im Internet gekauft haben, damit rechnen müssen, demnächst Besuch vom Verfassungsschutz oder von den Agenten eines befreundeten Geheimdienstes zu bekommen oder bei ihrer Einreise in die USA im günstigsten Fall abgewiesen, im schlechtesten für ein paar Tage eingebunkert zu werden.

Und wir wissen ja aus etlichen Berichten über die Haftbedingungen der Gefangenen von Guantánamo, was mit des Terrors-Verdächtigen passiert – eine Tüte über den Kopf und rote Anstaltskleidung ist noch das geringste Übel.

In die Verdachtsfalle gerät man heutzutage sehr schnell, denn unsere Mails werden ja von automatischen Rechercheroutinen der USA-NSA-Computerspezialisten nach Schlüsselwörtern durchsucht, wie sie von Terroristen oder ihren Helferkompanien gerne genutzt werden. Dazu gehören u.a.: Terror, Bombe, Auto, Hochhaus, Flugzeug oder Sprengstoff.

Ich befürchte also, dass über Tausende von „Terror“-Besucher inzwischen geheime Dossiers angelegt wurden und das neue Schauspielhaus Central am Düsseldorfer Hauptbahnhof als Treffpunkt höchst verdächtiger Terroristen ausgemacht worden ist.

Wie sehr wir bereits unter dem Gefühl leiden, heimlich von deutschen oder ausländischen Geheimdiensten bei unserem Tun bespitzelt werden, mag man daran erkennen, dass ich diese hier zusammengestellten Gedanken und Befürchtungen nicht zum ersten Mal habe.

Immer wenn ich per Mail kommuniziere, wäge ich jedes Wort sorgsam ab und vermeide Begriffe, welche die Computer des amerikanischen Geheimdienstes irritieren könnten. Wir haben schon eine kleine Schere im Kopf, die uns sagt: Sei vorsichtig, Big Brother beobachte dich!

Als ich gestern eine Mail mit dem Betreff „Terror“ an eine Freundin schickte, mit der ich das Theaterstück besuchen will, kam denn auch prompt eine entsprechend Bemerkung zurück: „Ein wunderbarer Betreff für eine Mail!“

Ich bin sicher, hinter dieser harmlosen Botschaft steckt nackte Angst...

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                                             Ihr Peter Jamin

Unser Autor arbeitet als Schriftsteller und Publizist sowie als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation er in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren aufmerksam macht. Mehr unter www.jamin.de

(Peter Jamin)


 


 

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