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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Warum Peer Steinbrück kein Vorbild für unsere Gesellschaft ist

Der SPD-Kanzlerkandidat hat sich in einem aktuellen Fokus-Interview über die Vorbildfunktion von Wirtschaftseliten geäußert. Unser Kolumnist weist nach, warum der SPD-Mann nach seiner eigenen Bemessungsgrundlage kein Vorbild ist.

Vor einiger Zeit habe ich in meiner Kolumne über einen Vortrag des SPD-Bundeskanzler-Kandidaten Peer Steinbrück bei den deutschen Geldspielautomatenunternehmern berichtet. Es betraf eine kurze Dinner-Rede am 24. November 2010 auf der Jubiläumsveranstaltung des sogenannten "Forum für Automatenunternehmer in Europa e.V." in Berlin.

Für diese schlichte Vorstellung seines neuen Buches "Unterm Strich" erhielt der oberste Sozialdemokrat 15.000 Euro.

Ich habe das kritisiert u.a. weil der SPD-Mann damals ein vom Volk gut bezahlter Bundestagsabgeordneter war und seine SPD-Bundestagsfraktion fast zeitgleich der Bundesregierung in Pressemitteilungen zu viel Nähe zu eben jenen Automatenaufstellern vorwarf, bei denen Steinbrück den Grußonkel spielte. 

Das betrachtete ich einerseits als falsches Spiel, andererseits stehen in Deutschland rund 235.000 Geldspielautomaten in Kneipen + Co, an denen viele der rund 250.000 Spielsüchtigen Geld und Gesundheit verlieren. Ein umsichtiger Politiker muss wissen, mit wem er sich an den Tisch setzt und 15.000 Euro kassiert.

Steinbrück: "Wirtschaftliche Eliten haben eine Vorbildfunktion"

Im neuen Focus (33/2013) hat Steinbrück nun noch ein Argument geliefert, warum seine Geldgier am Vortragspult nicht akzeptabel ist. Im Interview stellte der SPD-Spitzenkandidat zu der Frage, ob zu hohe Managergehälter die Gesellschaft spalten, fest: "Ich bin sehr dafür, eine Debatte über die Deckelung von Managergehältern zu führen. Früher hat ein Vorstandsvorsitzender das Zwanzig- oder Dreißigfache der Durchschnittseinkommen in einem Unternehmen verdient, heute verdient er das Zweihundert- oder Dreihundertfache. Das hat mit Leistung nichts mehr zu tun. Wirtschaftliche Eliten haben eine Vorbildfunktion - und darüber sollten wir reden."

Steinbrück hätte nicht bei den Geldspielautomatenherstellern mit feiern dürfen

Wenn wir Peer Steinbrück an seinen Worten messen, ist er selbst kein Vorbild für unsere Gesellschaft. Autoren erhalten im Durchschnitt für eine eineinhalbstündige Buchpräsentation etwa 300 Euro. Ein 30 Minuten langer Vortrag Steinbrücks zu seinem Buch hätte ihm also theoretisch 100 Euro Honorar einbringen dürfen - falls man ihm den Status eines Wirtschaftseliten zugesteht nach eigener Rechnung also maximal 3000 Euro. Steinbrück kassierte aber das 150-fache des Honorars eines Durchschnittsautors.

Berücksichtig man allerdings, dass er als Bundestagsabgeordneter wie auch als SPD-Politiker die Suchtprobleme der Geldspielsüchtigen und ihre Verursacher im Blick haben müsste, dann hätte er gar nicht an der Jubelfeier teilnehmen dürfen.

Aber das ist nicht eine Frage von vorbildhaftem Verhalten, sondern von gutem politischem Stil. Manche haben ihn, andere nicht.

Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                                                                       Ihr Peter Jamin

Unser Autor ist Schriftsteller, Journalist und als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte von Unternehmen und Werbe- und PR-Agenturen tätig. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation der Publizist in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren immer wieder aufmerksam macht.

(Peter Jamin)


 


 

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