Sie sind hier: Startseite Düsseldorf Leben Live Glossen & Co.
Weitere Artikel
Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Weltstadt-Chic im weißen Weihnachtsdorf

Die jüngst präsentierte Planung für die Neugestaltung des Weihnachtsmarktes auf dem Schadowplatz hat alle Düsseldorfer überrascht. Im Gegensatz zu einigen Kritikern freut sich unser Kolumnist zum ersten Mal in seinem Leben schon vor Sommeranfang auf eine Weiße Weihnacht.

Glückwunsch! Das nenne ich eine gute Idee – ein Weihnachtsmarkt ganz in Weiß am Schadowplatz direkt vor den neuen Daniel-Libeskind-Palästen. Noch ein wenig mehr Weltstadt-Chic im Dorf an der Düssel. Das jedenfalls versprechen die Pläne, die vor wenigen Tagen in der Landeshauptstadt bekannt wurden.

Innovationen und Restaurationen gehören zum Großstadtleben dazu. So wurden die Kö-Galerie und auch der Breidenbacher Hof restauriert, alte Fabrikgelände wie die Böhler-Werke umgekrempelt und ganze Straßenzüge zwischen Hauptbahnhof und Königsallee Step by Step aufgemöbelt. 

Selbst ein für manche erhaltenswürdiges, nichtsdestotrotz hässliches Betonbauwerk wie der Tausendfüßler wird abgerissen, um Platz zu machen für eine großzügige Stadtgestaltung. Endlich hat der Stadtschlenderer einen unverbauten Blick auf das sehenswerte Schauspielhaus. 

Düsseldorfs neuste städtebauliche Innovation ist der Kö-Bogen mit seinem Libeskind-Bauwerk. Das ist ein gelungener Wurf zeitgemäßer Architektur, der das Einkaufsparadies "Kö + Co" mit Düsseldorfs Hofgarten schwungvoll verbindet. 

Bei so viel Chic und Charme war es gut darüber nachzudenken, wie man denn den spießigen Weihnachtsmarkt am Schadowplatz im Dezember neu gestalten könne, um zu vermeiden, dass man den Blick auf einen gerade eröffneten Architektur-Star wie dem Kö-Bogen durch bieder-behäbigen Buden-Zauber trübt. 

"Der Kö-Bogen verlangt mit seiner Architektur geradezu danach, dass auch der Weihnachtsmarkt in seinem Umfeld eine entsprechende Neugestaltung erfährt", mahnte die Geschäftsführerin von Düsseldorf Marketing Tourismus, Eva-Maria Illigen-Günther, im vergangenen Dezember.

Die Design-Agentur hat ein Gefühl für Zeitgeist

Das Ergebnis aus der Zukunftswerkstatt der Stuttgarter Styling- und Marken-Agentur Liganova, die das Renovierungskonzept entwickelte, ist ein Traum ganz in Weiß: Dieses schlichte Weihnachtsdorf wird weiteren Glanz in das Düsseldorfer Stadtpanorama bringen.

Die Agentur Liganova kann nicht nur respektable Referenzen vorweisen, sondern macht sich auch interessante Gedanken über ihre Arbeit: "Unser Gefühl für Zeitgeist schafft Differenzierung; unsere Liebe zum Detail den entscheidenden Vorsprung. So kreieren wir Markenbilder am Puls der Zeit - ohne ihre Identität zu verlieren. Durch die Verzahnung aller wichtigen Disziplinen unter einem Dach kann Liganova ganzheitliche Lösungen nicht nur theoretisch denken, sondern auch wirklich umsetzen."

Etliche meiner Freunde und Bekannten meiden schon seit Jahren den Weihnachtsmarkt, nicht allein wegen der vielen Holländer und Belgier, sondern vor allem wegen des ewig gestrigen Hütten-Milieus und des langweilig-spießigen Warenangebots, das man nur trunken von Eierpunsch ertragen kann.

Düsseldorf hat nun die Chance einen modernen Weihnachtsmarkt zu bekommen, der mit ein wenig Glück auch über die Benelux-Staaten hinaus Schlagzeilen machen könnte. Ein Weihnachtsmarkt, der zeigt, dass er nicht nur aus Tannenbaum und Klingelingeling bestehen muss, sondern auch zeitgemäß und innovativ sein kann. 

Wir sollten auch nicht vergessen, Weihnachtsmärkte haben nichts mit christlicher, sondern lediglich etwas mit kaufmännischer Tradition zu tun. Christus ist nicht geboren worden, damit es in den Kassen der Kaufleute kräftig klingelt, sondern um uns von allem Übel zu befreien – leider nicht von langweilig gestylten Weihnachtsmärkten, die uns ohnehin nur zum Saufen verführen. 

Es ist also keine Gotteslästerung Weihnachtsmärkte neu zu erfinden, auch wenn es in den letzten 725 Jahre der Düsseldorfer Stadtgeschichte nicht gemacht worden ist. Weihnachtsmärkte in Düsseldorf sind keine denkmalgeschützten Highlights unseres Stadtbildes. Im Gegenteil: Man denke nur einmal an den Oberkasseler Weihnachtsmarkt mit seiner plumpen Bretterbuden-Architektur.


 


 

Peter Jamin
Weihnachtsmarkt
Düssel
Schadowplatz
Neugestaltung
Artikeln
Kö-Bogen
Architektur
Liganova

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Peter Jamin" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: