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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Wenn uns Technik zum Staunen bringt

Fast täglich berichten die Medien von technischen Neuerungen und neuen Erfindungen. Manche sind weltbewegend, andere befinden sich noch auf dem Weg dorthin. Wir haben uns an diese Nachrichten gewöhnt. Für unseren Autor allerdings sind die Entwicklungen so selbstverständlich nicht.

Manchmal fühle ich mich heute wie damals, als mein erster Märklin-Baukasten unter dem Weihnachtsbaum lag. Ich staunte darüber, dass man aus den bunten Metallstäben und Schrauben tatsächlich einen Kran bauen konnte, der sich bewegte, die Zigarrettenschachtel hob und mal hierhin und mal dorthin wackelte.

Heute staune ich manchmal, wenn eine Straßenbahn am Martin-Luther-Platz um die Ecke biegt und so leise dahinschnurrt wie früher die Nähmaschine meiner Mutter. Oder wenn ich ein Auto sehe, das beim Start nicht mehr aufheult, sondern sich geräuschlos fortschleicht wie eine Katze. Es ist der Wagen eines Nachbarn. Renault Twizy. Ohne Türen, ohne Heizung, zwei Sitze hintereinander. Elektroantrieb, 3,5 Stunden Batterie-Ladezeit, 100 Kilometer Reichweite.

Es sind weniger die Mondflüge der Technik, die mich besonders begeistern. Es sind die kleinen Schritte, die heute zeigen, was morgen möglich sein wird. Ein Luftfahrt-Ingenieur sagte mir vor einigen Jahren einmal: „Technische Neuerungen sind das Ergebnis von Tausenden von kleinen Schritten, die zu einer großen Idee miteinander verbunden werden.“

Moderne Technik wird mich immer wieder begeistern. Nach 52 Generationen von Computern, die ich bisher schon erlebt habe, freue ich mich immer noch über das neueste Modell auf meinem Schreibtisch. Heute ist es ein MacBook Air, der wie ein Fliegengewicht daherkommt und doch schneller arbeitet als der schnellste Boxer dieser Klasse mit seiner Faust zuschlagen kann. Und das ist verdammt schnell...

Über den Wolken im Internet die neuste Zeitung lesen

Kürzlich war ich in Indien. Ich flog mit der Lufthansa in einer ihrer modernsten Maschinen. Auf dem Rückflug hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben das Vergnügen von meinem iPad aus mein Facebook mit einem Foto aus dem Flugzeug zu versorgen. Ich war so fasziniert davon, während eines Fluges im Internet zu surfen, dass ich sogar das Meckern über die etwas dürftige Bordverpflegung vergaß.

Es war morgens um 5 Uhr in der Frühe. Wir näherten uns dem Sonnenaufgang, als ich auf einem iPad in 9144 m Höhe die frisch gemachte Tageszeitung las. Ich weiß die Schlagzeilen nicht mehr. Sie waren mir an diesem Morgen auch nicht so wichtig wie das Erlebnis selbst: Zeitunglesen über den Wolken. Ich spürte den Atem meines Nachbarn im Nacken, der ebenso verblüfft war wie ich.

Ein Leserbrief aus 9144 Meter Höhe...

In meiner Begeisterung schrieb ich der Zeitung noch während des Fluges eine Mail: "Auf dem Flug von Chennai nach FRA habe ich mir gerade 'Die Welt' in 9144 m Höhe aufs iPad geladen. Start von LH 759 war verspätet etwa gegen Ortszeit 4 Uhr nachts. Die Maschine befindet sich gerade in Höhe von Goa. Hotspot-Internet funktioniert problemlos, selbst Facebook kann man 'bedienen'."

Die Antwort der Chefredaktion kam nicht sofort, doch mit großer Begeisterung: "Großartig! Genau diese Erlebnisse wünschen wir unseren Lesern. Darum sind wir im Internet, auf dem iPad und auf vielen anderen mobilen Geräten. Da soll noch mal einer sagen, die Zeitung sei tot… dabei fangen wir gerade erst richtig an!"

Eines Tages arbeitet auch mein Diktierprogramm perfekt

Ich freue mich immer über neue Technik. Ich freue mich schon heute darauf, dass vielleicht irgendwann die Flüster-Straßenbahn an meinem Lieblingscafé vorbeifährt und mich kein quietschendes Zischen mehr aus meinen Gedanken reißen wird. Ich freue mich schon heute darauf, wenn auf einem Flug nach Mallorca der Talk per Skype mit meinen Freunden ganz normal sein wird. Ich freue mich schon heute darauf, wenn die Spracherkennung des Diktierprogramms, das ich zum Schreiben dieser Kolumne benutze, eines Tages wirklich fast perfekt arbeiten wird.

Sicher wird das alles noch einige Jahre dauern. Aber wir können darauf vertrauen, dass der technische Fortschritt seinen Weg weitergehen wird. Für Menschen, die Technik und ihre vielen kleinen Schritte in die Zukunft lieben, ist es ja heute schon fast täglich wie Weihnachten. Überraschungen, Irritationen, Begeisterung und Staunen ohne Ende über immer neue Entwicklungen und Erfindungen – wie schön, dass es Zukunft gibt.

Bis zum nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino…   

                                                          Ihr Peter Jamin

(Peter Jamin)


 


 

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