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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Wie ich den neuen OB beinahe für meine Trauung ersteigert hätte – und warum Düsseldorfs Männer einen Baum pflanzen sollten

Der Kabarettist Manes Meckenstock versteigerte im Düsseldorfer Rathaus einen Haufen verrückter und toller Sachen zugunsten der Aufforstung von Bäumen, die dem Horrororkan Ela zum Opfer gefallen sind. Unser Kolumnist bot mit bei der Versteigerung einer Trauung durch den neuen Oberbürgermeister Thomas Geisel.

Eigentlich wollte ich heute einen Abschiedsgruß an Oberbürgermeister Dirk Elbers schreiben. Der geht zum 1. September. Aber da ich in meinem Bekanntenkreis niemanden gefunden habe, der eine Lobeshymne auf den zukünftigen Ex-OB halten wollte, verzichte ich darauf. Keiner konnte sich an erwähnenswerte Höhepunkte in seiner Amtszeit erinnern.

Da war nur die Rede von der Auffrischungsfärbung seiner roten Haare, die kürzlich Schlagzeilen machte. Und von seinem mysteriösen Rückzug aus der Öffentlichkeit seit der verlorenen OB-Wahl. Vielleicht baut ihm ja Düsseldorfs Karnevalwagenbauer Jacques Tilly noch einen Mottowagen à la "Schlechter Verlierer" für den nächsten Rosenmontag.

So schreibe ich heute über eine Versteigerung im Plenarsaal des Stadtrates zugunsten den Aktion "Neue Bäume für Düsseldorf". Fast hätte ich dort den neuen Oberbürgermeister Thomas Geisel ersteigert. Für meine Trauung.

Option auf eine Trauung ohne Braut

Ich habe zwar noch keine Braut, aber ich hoffte, dass die Option auf einen Standesamt-Akt mit dem neuen OB meine Chancen unter Düsseldorfs heiratswilligen Schönheiten erheblich steigern würde. Zudem Geisel noch eine Magnumflasche Champus, die ja in gewissen Kreisen echten Mitgift-Wert besitzt, und eine ganz persönlich eingefärbte Rede drauflegen wollte. Wert laut Versteigerungsliste: "Einmalig!"

Die Versteigerung der Trauung war der Höhepunkt der Auktion im Rathaus, die übrigens fast 12.000 Euro erbrachte. Hunderte Bürgerinnen und Bürger besetzten das Plenum, das normalerweise für die Ratsmitglieder und Verwaltungsvertreter reserviert ist und füllten auch die Zuschauerränge bis auf den letzten Platz.

Bevor ich zur Tat schreiten und meine Hochzeitspläne realisieren konnte, brachte ein weitgehend witziger und überraschend schlagfertiger, doch passagenweise recht grob gestrickter Manes Meckenstock – übrigens auch Wirt des erlebenswerten Restaurant-Theaters "Kurhaus" im Volksgarten – einen bunten Berg von Versteigerungsobjekten unter das Volk.

Ein skurilles Highlight: der ausgestopfte Gemsenkopf

Darunter waren so exklusive Angebote wie eine Balkonbepflanzung durch das städtische Gartenamt, eine Lithografie des ehemaligen Kunstakademiedirektors Tony Cragg oder zwei Logenplätze für das Fußballspiel Argentinien gegen Deutschland sowie einige schreckliche Überraschungsstücke wie eine 50er-Jahre-Wanduhr, einen ausgestopften Gemsenkopf oder eine Traumreise für zwei, die sich als zwei Schlaftabletten entpuppte.

Als Punkt 42 der Versteigerung stand schließlich das Trauungspaket auf dem Programm: "Eheschließung durch den OB im Rathaus, inkl. Magnum-Flasche Champagner". Auktionator Meckenstock trieb den Preis gleich in die Höhe, indem er das Mindestgebot mit 500 Euro ansetzte. 

Ich bot als Erster in der Hoffnung mögliche Mitbewerber durch ein tatkräftiges Auftreten zu verschrecken, was Meckenstock wohl zu der Bemerkung veranlasste: "Wer nimmt dich denn noch?!"

Doch solche Entgleisungen von Mitmenschen haben mich noch nie aus der Ruhe gebracht, und ich konterte, dass ich mir einen Vorteil dadurch verspräche, wenn ich mit dem Oberbürgermeister als Standesbeamten auf Brautschau gehen würde. Immerhin hatte ich danach die Lacher des Publikums auf meiner Seite, wenngleich nicht den Auktionator.

Manipulator Meckenstock bremst den Kolumnisten aus

Denn Meckenstocks Herz schlug schon bald für eine junge Mitbieterin, mit der ich mir nun eine erbitterte Bietschlacht lieferte. Als ich die Konkurrentin bei ihrem Angebot von 1000 Euro fragte, ob sie denn überhaupt einen Freund hätte, mit dem sie den Gang zum Standesamt unternehmen könne, nutzte der Auktionator die Situation, um ihr 1,2,3 den Zuschlag zu geben.

Nun bin ich ein guter Verlierer und hätte der Konkurrentin gerne gratuliert und mich zu ihrer Hochzeit eingeladen. Aber so schnell wie sie die 1000 Euro auf den Tisch blätterte, verschwand sie auch. Sie war auch nicht bereit, mit den Kollegen der Medien zu sprechen – wie ich später erfuhr, wusste ihr Auserwählter offensichtlich noch nichts von seinem Glück. 

Da ich weiß, dass jeder Mann in seinem Leben ja einen Baum gepflanzt haben sollte, werde ich jetzt wenigstens für die Aktion "Neue Bäume für Düsseldorf" spenden(unter Landeshauptstadt Düsseldorf, BLZ 30050110, Konto 10000495).

Also Männer: Heute mal keinen Baum fällen, sondern einen Baum spenden! Schließlich ist er ein Symbol für Wachstum, Dauerhaftigkeit und Glauben an die Zukunft.

Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                                                           Ihr Peter Jamin

Unser Autor ist Schriftsteller, Journalist und als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte von Unternehmen und Werbe- und PR-Agenturen tätig. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation der Publizist in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren immer wieder aufmerksam macht.

(Peter Jamin)


 


 

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