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Die Jamin-Kolumne: auf einen Cappuccino

Zeitung lesen gegen den Crash im Kopf

Zeitnot, Erfolgsdruck, Terminprobleme. E-Mails, Videokonferenzen, Meetings. Viele Menschen hasten durch ihr Leben und ruinieren dabei ihre Gesundheit. Unser Kolumnist hat schon vor etlichen Jahren auf die Bremse getreten. Gönnen Sie sich ein paar Minuten, um über Pausenmachen nachzudenken.

Warum auf einen Cappuccino? Ich trinke fast täglich einen am Nachmittag im Bistro "Schiff ahoi" in Düsseldorf-Oberkassel, lese Zeitungen und lasse die Zeit ein wenig verstreichen. Mittags habe ich bereits eine kleine Siesta gemacht. 15 Minuten flach liegen, Augen zu, kurzes Nickerchen. Und wenn es mir in den Sinn kommt, setze ich mich hin und meditiere ein paar Minuten.

Für mich hat Zeit zum Innehalten eine Bedeutung. Im Gegensatz zu meinem Freund Michael. Er hetzt seinen Terminen hinterher. Steht um fünf Uhr auf, sitzt eine Stunde später im Flieger nach München, absolviert eine Sitzung, telefoniert, telefoniert, telefoniert mit seinem Blackberry, fährt zum Flughafen, fliegt zurück nach Düsseldorf, eilt ins nächste Meeting und schreibt zwischen Abendessen und Tagesthemen noch schnell ein Konzept. Manchmal spürt er Stiche in der Brust. "Ich hätte vielleicht mein Mittagsessen nicht so schlingen sollen", scherzt er.

Vorsicht vor zu vielen Ja's beim Burnout-Test

Einmal hat er insgeheim einen Burnout-Test gemacht. Ich fühle mich ausgelaugt – ja. Ich vermisse meinen früheren Elan – ja. Begegnungen mit Menschen stressen mich – ja. Auf Druck reagiere ich verstärkt gereizt – ja. Ich habe das Bedürfnis in Ruhe gelassen zu werden – ja.

Wer zu viele negative Ja's in seinem Leben stapelt, sollte der Ruhe mehr Raum geben. Leerlauf im Kopf. Abschalten der Innen- und Außengeräusche. Früher sagte man: Mach mal Pause, trink Coca-Cola. Das hören wir heute selten. 

Am Arbeitsplatz ist Zeit noch mehr Geld geworden als früher. Pausen sind zu kostbar, um sie zu verschwenden. Aber was für Folgen hat das? 

Arbeitsmediziner warnen davor, dass die Mitarbeiter in den Unternehmen vermehrt unter Stress leiden. Ohne dass wir es merken, versuchen wir unser Leben dem Rhythmus der Maschinen anzupassen: Wir arbeiten im Takt der eintreffenden E-Mails, nach Fahrplan von ICE und Flugzeug, nach der Intel-Taktung unseres Computers...

So viele Krankschreibungen wegen psychischer Leiden wie heute gab es noch nie. Michael erinnert sich mit Schrecken an einen "Spiegel"-Titel über Burn-out. Da sah er Spiegelbilder seines eigenen Ich's: Die totale Erschöpfung unseres Körpers ist zu einer Volkskrankheit geworden. Die Hinweise darauf sind Angstzustände, Schwindel, Schlafstörungen. Am Ende stehen Depressionen oder ein Herzstillstand.


 


 

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