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Managerinnen-Talk

Die Mischung macht´s - Money und Moral

„Die Zukunft ist weiblich“, sagt Trendforscher Matthias Horx. Frauen in Führungspositionen sind die Ausnahme, zeigt indes die Statistik. Wenn das eine Wirklichkeit werden soll, muss sich das andere noch ein wenig ändern. Nicht zwangsläufig, aber es wäre hilfreich. Die neue Gesprächsreihe „Managerinnen-Talk“ mit Führungsfrauen aus der Region bringt dieses Thema einmal mehr in die Öffentlichkeit und bedient sich dabei einer interessanten Choreographie. Die Initiative kommt von der Düsseldorfer Medienberaterin Anke Fabian und findet unter anderem Unterstützung bei der Industrie- und Handelskammer.

Die Reihe Mangerinnen-Talk startete in diesem Jahr in Arnsberg, Bochum, Bonn und Essen. Und um es vorweg zu sagen: der Abend war gelungen. „Unternehmen im Spannungsfeld von Money und Moral“ war das Thema. Das Publikum war vorwiegend weiblich. Auf dem Podium waren ausschließlich Frauen in führenden Positionen. Damit unterschied sich der Abend rein optisch schon einmal von den anderen Podiumsdiskussionen, die von Unternehmen oder Wirtschaftsverbänden organisiert werden. Da sind die Akteure und Publikum primär männlich. Dieser „kleine Unterschied“ sagt natürlich noch nichts über die Qualität der Beiträge und der Veranstaltung aus. Es war hier mit Sicherheit die große und gut gewählte Varianz der Akteurinnen auf dem Podium, die diesen Abend aufwertete.

Varianz an Weltsichten und Wahrnehmungen

Die Einführung kam von Professorin Vittoria Borsó von der Heinrich Heine Universität. Sie zeigte anhand historischer Entwicklungen und Beispiele, dass der Versuch, wirtschaftliche Profitmaximierung und ethisches Handel in Einklang zu bringen, nicht neu ist. Aber bislang auch nicht wirklich erfolgreich. In Deutschland habe man dabei immer zu lange auf den Staat geschaut. Gerade wenn es um die Finanzierung der Bildungssysteme ginge. Während die Vertreterin der Wissenschaft durch ihren weitgehend vorgelesenen Vortrag akademisch referierte, ging es bei den Vertreterinnen auf dem Podium aus Politik, Wirtschaft und Wohlfahrtsverbänden lebhaft zur Sache.

Den Start machte Dr. Simone Siebecke, stellvertretende Personalleiterin bei Henkel, indem sie ihre spürbare Freude darüber ausdrückte, welche Spielräume sie als Vertreterin eines großen Konzerns nutzen könne, das ehrenamtliche Engagement der Henkel-Mitarbeiter zu unterstützen. Wenn auch weniger dynamisch, so doch angenehm bodenständig und klar pointiert schilderte Gabriele Gratz ihre Erfahrungen als langjährige Arbeitnehmervertreterin im Aufsichtsrat von Eon (Ruhrgas), wie sie das Spannungsfeld von „Money und Moral“ erlebt. Sie wies darauf hin, „dass Unternehmen, die keine belegbare Verantwortung übernehmen, schlechter bewertet werden.“ Inwieweit dies umgesetzt werde oder nur auf dem Papier stehe, werde langfristig erkennbar sein. Die Notwendigkeit, verstärkt ethisch basiertes Handeln in den Vordergrund des Geschäftsgebarens zu übernehmen, sah auch Maria Fischer. Als selbständige Unternehmensberaterin und Vorsitzende des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU) war sie in der privilegierten Position, nicht ihren Arbeitgeber vertreten zu müssen. Diese Freiheit füllte sie mit interessanten Beispielen aus der Praxis und schloss sich der Meinung an, dass „ethisch korrektes Verhalten unabdingbar sei - für das Image und die Ergebnisse. Gerade auch im globalen Kontext.“ Die Wohlfahrtsverbände waren durch Gudrun Siebel von der Arbeiterwohlfahrt vertreten. Sie verwies bei aller Anerkennung auf das bürgerliche Ehrenamt auf die Notwendigkeit, soziale Projekte durch Kontinuität und Sicherheit zu stärken. Diese, so meint sie, seien vor allem durch die konstante Präsenz der Wohlfahrtverbände garantiert. Beim Thema „Money und Moral“ darf natürlich auch die Politik nicht fehlen.

Hier war mit der SPD-Bundestagsabgeordneten und Parlamentarischen Staatssekretärin Karin Kortmann ebenfalls eine sehr gute Wahl getroffen. In der ihr eigenen, frischen und engagierten Art berichtete sie über die zahlreichen Aktionen und Ergebnisse der „Fair Trade Woche“, die vom 17. bis zum 30. September in Deutschland stattfindet. Da sei auch viel Moral dabei gewesen. Nicht ohne Stolz – und das mit Recht ließ sie das Publikum wissen, dass Düsseldorf Hauptstadt des Fairen Handels geworden ist.

Die Mischung macht´s

Was den Abend auszeichnete, war vor allem die bunte Mischung. Das Publikum erlebte Vertreterinnen der unterschiedlichen themenrelevanten Branchen. Und auch die Vertreterinnen selbst waren in der Darstellung ihrer Weltsicht und Wahrnehmung so unterschiedlich, dass eine große Varianz an Perspektiven geboten wurde. Auf die Frage, ob Frauen anders, vielleicht moralischer führen, war „frau“sich darin einig, dass sie sehr wohl anders führen. Vielleicht nicht immer moralischer - schlechte Charaktere gäbe es überall - aber ehrlicher und „nicht so feige“, weil die Angst vor Hierarchien und „Großen Tieren“ nicht so ausgeprägt sei.

"Das tut man nicht!"

Am Ende der Veranstaltung konnte bei aller Unterschiedlichkeit doch der gemeinsame Nenner gezogen werden, dass die Zukunft der Wirtschaft nicht zwangsläufig weiblich, aber so doch moralischer werden muss und wird, wenn sie erfolgreich sein will. Auf die Abschlussfrage der Moderatorin Anke Fabian an das gesamte Podium, was wir denn konkret im Berufsalltag tun könnten, um der Moral mehr Raum zu geben, riet die Eon- Arbeitnehmerin Gabriele Gratz wunderbar präzise, dass wir uns immer wieder öfter mal sagen sollten „Das tut man nicht“.


(Sabine Raiser)


 


 

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Sabine Raiser
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