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Unternehmensgründer

Die "Neue GmbH"

Mit einem EUR Mindestkapital können sich Unternehmensgründer in Deutschland künftig in der Rechtsform einer Kapitalgesellschaft selbstständig machen. Die neue „Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt)“ oder "UG (haftungsbeschränkt)" ist ein Kernelement der GmbH-Reform, die der Bundestag am 26.06.2008 verabschiedet hat. Die Zustimmung des Bundesrates erfolgte am 19.09.2008. Das Gesetz tritt einen Monat nach Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt in Kraft.

  • Die wesentlichen und maßgeblichen Bestimmungen:
    Nach dem neuem Gesetz wird das Mindest- Stammkapital der klassischen „Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ (GmbH) von 25.000 auf 10.000 EUR reduziert. Die Gesellschafter müssen mindestens 1/4 auf die gezeichneten Geschäftsanteile aufbringen. Die Hälfe des Grundkapitals muss mindestens vor Anmeldung zur Eintragung in das Handelsregister aufgebracht sein.
  • Die GmbH ebenso wie die Unternehmergesellschaft ( UG ) soll unkompliziert und preiswert ins Leben gerufen werden können. Wird ein notariell beglaubigtes Musterprotokoll verwendet, fallen Gesamtkosten von nur ca. 120 Euro für die Beglaubigung der Unterschriften an.
  • Die Eintragung einer GmbH in das Handelsregister soll vereinfacht und beschleunigt erfolgen.
  • Wegen der fehlenden Kapitalausstattung muss eine UG aber ein Viertel ihres Jahresgewinns ansparen. Erreicht sie die Schwelle von 10.000 Euro, kann sie zur klassischen GmbH umfirmieren.
  • Bei Gründung einer UG ist das gezeichnete Stammkapital in voller Höhe vor Anmeldung zum Handelregister aufzubringen.
  • Eine Kapitalaufbringung durch Sacheinlagen ist bei einer UG ausgeschlossen.
  • Es ist grundsätzlich vorgesehen, dass auch kleine Kapitalgesellschaften einen Jahresabschluss nach den Bestimmungen des Handelsgesetzbuches in Form einer Bilanz mit Gewinn - und Verlustrechnung ergänzt um einem Anhang erstellen müssen. Vorgesehene kostenminimierende Vereinfachungen durch Gewinnermittlung nach Einnahme- und Überschussrechnung greifen daher nicht.
  • Es ist eine öffentliche Gesellschafterliste vorgesehen, so dass Geschäftspartner der GmbH einfach feststellen können, wer hinter der Gesellschaft steht. Diese Gesellschafterliste ist in das Handelsregister aufzunehmen. Nur der in der Gesellschafterliste des Handelsregister Eingetragene gilt als Gesellschafter.
  • Die Rechtsverfolgung gegenüber Gesellschaften soll beschleunigt werden. Deshalb muss zukünftig in das Handelsregister eine inländische Geschäftsanschrift eingetragen werden. Zusätzlich kann eine Person als Zustellungsempfänger eingetragen werden.
  • Die Gesellschafter werden verpflichtet, bei Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung einen Insolvenzantrag zustellen, wenn der Geschäftsführer dies unterlässt, es sei denn, er hat vom Insolvenzgrund oder von der Führungslosigkeit keine Kenntnis. Die Folgen einer Insolvenzverschleppung treffen demnach sehr schnell auch die Gesellschafter mit allen Folgen.
  • Geschäftsführer, die die Zahlungsunfähigkeit der Gesellschaft durch Auszahlungen an Gesellschafter leichtfertig herbeiführen, sollen stärker in die Pflicht genommen werden.
  • Geschäftsführer einer GmbH kann nur werden, wer nicht wegen Insolvenzverschleppung, falscher Angaben und unrichtiger Darstellung oder anderer Verurteilungen auf Grund allgemeiner Straftatbestände mit Unternehmensbezug belastet ist.
  • Der Wettbewerbsnachteil der GmbH gegenüber ausländischen Rechtsformen wie der englischen Limited soll ausgeglichen werden.
  • Die Gründung einer normalen GmbH ist nach den neuen Regelungen bereits mit einer Einzahlung von 5.000 EUR auf das Stammkapital möglich.
  • Die Mini-GmbH in Form einer ''Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) bringt nach nach den jetzigen Regelungen kaum Vorteile gegenüber der "neuen GmbH". Vielmehr wird die Möglichkeit eröffnet, bisher gegründete Ltd´s in das deutsche Recht als UG zu überführen.
  • Die gleichzeitigen Verschärfungen der erweiterten Haftung der Geschäftsführer bei Insolvenzverschleppung und der hieraus verschärften Folgen, erfordern eine besondere Aufmerksamkeit. Eine unterkapitalisierte GmbH oder Ltd . mit nicht ausreichenden Rücklagen sowie eine nicht zeitnahe laufende Businessplanung, kann schnell in die zwingende Insolvenz führen. Die Folgen für die Geschäftsführer, die keine ausreichende Sorgfalt nachweisen können, wurden erheblich verschärft.
  • Bei der Absicht zur Gründung einer GmbH oder UG sollte der erste Weg zu einem Fachmann, i.d.R. Steuerberater führen.

(Johannes Borgard)


 


 

GmbH Recht
Johannes Borgard

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1 Kommentar

von TrollySuper
16.11.08 16:26 Uhr

endlich hat da mal einer mitgedacht...

 

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