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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Die Intellektuellen sind vor Karneval geflüchtet

In diesen tollen Tagen ist ja alles erlaubt. Ein Hase hängt in der Kneipe an der Decke. Und unser Kolumnist schreibt Unsinn. Vermutlich hat er zu viel getrunken.

Worüber schreibe ich am Altweiber eine Kolumne? Über Karneval? Über Menschen, die Düsseldorf während der tollen Tage verlassen und auf Ibiza oder Mallorca die Sonne suchen?

Gestern Abend stand ich im Pauls. Der Kneipe an der Düsseldorfer Straße in Oberkassel. Und Minka, die Wirtin, hinter der Theke. Nicht viel los. Die meisten Gäste bereiten sich ja einen Abend vor Altweiber auf den nächsten Tag vor. Richten die Kostüme. Schneiden die Haare nach. Schminken sich zur Probe.

Ein paar Stammgäste stehen an der Theke. Draußen zwei notorischer Raucher. Die Kneipe ist schon fröhlich geschmückt – Blümchen statt Raufaser. An der Decke hängt ein kleiner Hase, der in den Lauf eines Holzgewehrs blickt. Er sieht genau so schräg aus wie der silberne Hirsch, der zuhause neben der Wohnungstür einer Nachbarin hängt. Das ist lustig. Es muss Karneval sein.

Heute, am Altweiber gibt Oberbürgermeister Elbers die Schlüssel zum Rathaus ab. Die Möhnen haben das Sagen. In den Kneipen werden die Masken auf- und die Altgläser angesetzt.

Ich ziehe mein Mönch-Kostüm an. Erinnerungen an den Glauben meiner Jugend. Heute ersetzen Missbrauchs-Szenarien und Geldverschwendung in der Kirche das Vertrauen von gestern. Mildtätigkeit, Moral , Schutz, Soziales – alles hin. Die Narren sind los. 

Im Fernsehen ziehen die Kölner Weiber um die Häuser. Die meisten Karnevalisten wollen eine saubere Narrenzeit. Lustig. Sexy. Traditionell. Und viel Alkohol. Wir sehnen uns nach guten Scherzen und Kritik an den Mächtigen. So wie es gestern war. 

Doch die Intellektuellen haben dem Karneval schon lange den Rücken gekehrt. Nur wenige Lieder reißen uns wirklich mit. Nur wenige Verse lassen das Lachen zwischen den Zähnen erstarren.

Karneval gehört heute dem Volk. Der kleine brauner Hase blickt von der Decke des Pauls auf Närrinnen und Narren hinunter.

Karneval ist Unsinn. Quatsch. Total bekloppt. Darauf trinken wir einen. Prost! Alt!

Ach ja - und Helau!

Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                                                                Ihr Peter Jamin

Unser Autor ist Schriftsteller, Journalist und als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte tätig. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation der Publizist in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren immer wieder aufmerksam macht.

(Peter Jamin)


 


 

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