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Interview mit Prof. Dr. Egon Stephan

Eigene Talente besser kennen zu lernen, erleichtert die richtige Berufswahl

In Kürze treffen viele Abiturienten ihre Studienwahl. Jeder Vierte wird jedoch sein Studium abbrechen. Viele wissen zu wenig über ihre Fähigkeiten und Talente. Darin sind Professor Dr. Egon Stephan die eigentlichen Gründe für den Abbruch. Er blickt auf mehr als 20 Jahre als Direktor des Psychologischen Institutes und Inhaber des Lehrstuhls für Psychologische Diagnostik und Intervention an der Universität zu Köln zurück. Seit 2004 ist er auch Geschäftsführender Direktor des Instituts für die Entwicklung personaler und interpersonaler Kompetenzen (INeKO).

Business-on.de: In Kürze treffen viele der diesjährigen Abiturienten ihre Studienwahl.  Woran liegt es, das viele ihr Studium frühzeitig abbrechen?

Prof. Dr. Egon Stephan: Die hohe Abbruchquote hat viele Gründe. Zu den wesentlichen zählt, dass viele zwar studieren, aber keine richtige Vorstellung davon haben, für welches Berufsziel sie eigentlich pauken sollen. Daher fehlt ihnen die richtige Arbeitsmotivation. Hinzu kommt, dass die Leistungsanforderungen in dem gewählten Studienfach häufig unter- oder überschätzt werden. Fehleinschätzungen hinsichtlich der eigenen Fähigkeiten können beispielsweise dazu führen, dass Fächer der Ingenieurwissenschaften nicht gewählt werden, weil der einzelne meint, nur für den geisteswissenschaftlichen Bereich begabt zu sein. Ebenso kann das Gegenteil eintreten.

Business-on.de:  Wer seine eigenen Fähigkeiten besser kennt, hat demnach besser Chancen, erfolgreich zu studieren?

Prof. Dr. Egon Stephan: Ja, es hat es sich bewährt, wenn sich Abiturienten vor der Wahl des Studienfachs sorgfältig mit ihren Fähigkeiten und Talenten auseinandersetzen – am besten mit kompetenter Unterstützung. Dadurch lässt sich so manche Fehlentscheidung verhindern und führt später zu mehr Zufriedenheit und Erfolg.

Business-on.de: Welche Voraussetzungen sollte ein qualifizierter Berater erfüllen?

Prof. Dr. Egon Stephan: Um die individuellen Fähigkeiten und Talente gründlich diagnostizieren zu können, benötigen Berater einerseits ein umfassendes Wissen über Eignungsdiagnostik und andererseits solide Kenntnisse über die Anforderungen und Perspektiven in den unterschiedlichen Branchen und Berufsfeldern. Nur wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, kann der Berater den einzelnen Klienten hinsichtlich der Berufswahl optimal beraten.

Business-on.de: Erkennen Abiturienten und deren Eltern, dass es einer fundierten Entscheidungsgrundlage für die Studien- und Berufswahl bedarf?

Prof. Dr. Egon Stephan: Ja, mehr und mehr. Denn ihnen wird bewusst, dass es nicht zweckdienlich ist, sich zum Beispiel an den Wahlen der Mitschüler und Mitschülerinnen zu orientieren, statt sich darum zu bemühen, eine begründete persönliche Entscheidung zu treffen, die wirklich zu den eigenen Fähigkeiten, Talenten und Interessen passt.

Business-on.de: Durch die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen hat sich die Auswahlsituation sicher zusätzlich erschwert, oder?

Prof. Dr. Egon Stephan: Eindeutig, es wurde ein fast unübersehbares Angebot geschaffen. Allein in NRW gibt es mehr als 2.000 Bachelor-Studiengänge, von denen die Abiturienten zwangsläufig nur einen Bruchteil kennen. Gerade diese neuen Studiengänge verstärken zusätzlich die Notwendigkeit kompetenter Beratung und Unterstützung.

Business-on.de: Ihr Institut an der Universität berät ebenfalls Schüler und deren Eltern. Was können diese erwarten?

Prof. Dr. Egon Stephan: Unser Team hat das Arbeitsziel, bei jedem Klienten die individuellen Daten so umfassend zu sammeln und zu berücksichtigen, dass jeder eine differenzierte und auf ihn persönlich abgestimmte Entscheidungsgrundlage für die Berufswahl bekommen kann.

Business-on.de: Wie erreichen Sie dieses Ziel?

Prof. Dr. Egon Stephan: Zunächst werden im Rahmen einer umfassenden Datenerhebung psychologische Leistungstests, Persönlichkeitsfragebogen, Einzel- und Gruppengesprächen durchgeführt, um die persönlichen Motive, Interessen, Kompetenzen und Ziele des Teilnehmers festzustellen. Anschließend beginnt die individuelle Beratung für die Studienwahl, den weiteren beruflichen Werdegang und das darauf abgestimmte Training.

Business-on.de:  Das hört sich nach einem hohen zeitlichen Aufwand an.

Prof. Dr. E. Stephan: Die Potenzialanalyse dauert einen Tag und – falls gewünscht – das Vorstellungs- und Beratungstraining einen weiteren Tag. Jeder Teilnehmer erhält ein schriftliches Gutachten zugesandt und danach noch einmal eine telefonische oder persönliche Beratung. Außerdem vermitteln wir auf Wunsch Teilnehmern, die einen bestimmten Studiengang näher ins Auge gefasst haben, die Möglichkeit, sich von einer Professorin oder einem Professor dieser Fachrichtung beraten zu lassen. So erhalten angehende Studenten einen besonders tiefen Einblick in ihr Wunschfach und können ihre Entscheidung noch einmal überprüfen.

Business-on.de:  Können auch junge Menschen zu Ihnen kommen, die nicht studierenden wollen?

Prof. Dr. Egon Stephan: Selbstverständlich. Unsere Beratung zielt nicht nur darauf ab, die Teilnehmer zu einem Studium an Universität oder Fachhochschule zu drängen. Wir möchten viel mehr herausfinden, was am Besten zu ihnen passen könnte., d. h., wo sie am ehesten Erfolg haben können und was sie am ehesten zufrieden machen könnte.

Business-on.de: Häufig haben die Eltern ganz andere Vorstellungen als ihre Kinder. Wie gehen Sie damit um?

Prof. Dr. Egon Stephan: Die Eltern können, wenn die Tochter oder der Sohn damit einverstanden ist, an dem Beratungstermin teilnehmen. Schließlich haben die Eltern ihre Kinder ja während der ganzen Schulzeit begleitet und haben ihre Kinder in Leistungs- und Stresssituationen erlebt. Die Informationen, die wir durch die Eltern erhalten, können durchaus das Profil vervollständigen, das wir von den Teilnehmern erhalten. Je mehr individuelle Informationen wir sammeln, desto differenzierter kann unsere Beratung sein.

Business-on.de: Warum gehören auch Studenten zu Ihrem Team?

Prof. Dr. Egon Stephan: Wir wollen den jungen Menschen nicht nur eine wissenschaftlich fundierte Entscheidungsbasis aus Expertensicht bieten. Wir geben den Teilnehmern auch Gelegenheit zu einer Gruppendiskussion mit den anderen Teilnehmern. Diese Diskussion wird von unseren geschulten Studierenden angeleitet. Wichtig ist uns hierbei, vor allem der freie „unzensierte“ Meinungs- und Erfahrungsaustausch unter nahezu Gleichaltrigen. Die Studentinnen und Studenten in unserem Team helfen bei den Teilnehmern Schwellenängste abzubauen. Sie können auch von ihren eigenen Erfahrungen bei der Studienwahl berichten.

Business-on.de: Lohnt sich der Aufwand für die Teilnehmer?

Prof. Dr. Egon Stephan: Sicher, wenn Sie bedenken, wie viel Schaden durch eine Fehlentscheidung entstehen kann. Jedes Semester im falschen Studium kostet allein für die Lebenshaltungskosten im Durchschnitt rund 4.500 €. Durch ein fehlinvestiertes Semester mindern sich nicht nur die Chancen auf dem Arbeitsmarkt, sondern auch das Lebenseinkommens um bis zu 50.000 €. Jeder Monat im falschen Studiengang ist daher schädlich für das Selbstbewusstsein und für den Geldbeutel.

Weitere Infos: http://talente-erkennen.de

(Redaktion)


 


 

Professor Dr. Egon Stephan
Universität zu Köln
INeKO
Psychologischen Institutes

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