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Eine Frau im Führerstand

Frauen in Führungspositionen sind in Deutschland noch immer unterrepräsentiert. Frauen mit einem technischen Studium ebenfalls. Frauen wie Annette Jordan also. Technikbegeistert, organisationsstark, engagiert – diese Eigenschaften haben die 39 Jahre junge Dame beruflich nach oben katapultiert.

Nach ihrem Maschinenbaustudium arbeitete Annette Jordan zunächst drei Jahre lang im Consultingbereich, um dann zur Bahn-Tochter DB Cargo zu wechseln, erst als Trainee, später als Assistentin eines Produktionsleiters. Als die diplomierte Ingenieurin 2001 zur Bahnhofsleiterin des Cargobahnhofs Wanne-Eickel berufen wurde, waren ihr bereits 250 Mitarbeiter unterstellt. Drei Jahre später wechselte Annette Jordan die Seiten und unterschrieb einen Arbeitsvertrag bei SBB Cargo Deutschland, einem Tochterunternehmen der Schweizerischen Bundesbahnen. Seit dem Dezember 2004 ist Annette Jordan dort als Geschäftsführerin für den Bereich Produktion zuständig.

Nicht, dass Annette Jordan bereits an ihrem persönlichen Endbahnhof angekommen wäre. Alle Hände voll zu tun hat sie bei SBB Cargo; die Mühe aber lohnt sich, momentan befinden sich die Schweizer klar auf Expansionskurs. Damit das so bleibt, will Annette Jordan weitere Kohlen nachlegen. Im Interview spricht die Erfolgsfrau aber nicht nur über Berufliches.

Business-on.de: Vor circa drei Jahren sind Sie zur SBB Cargo Deutschland gewechselt. Zufrieden mit dem bisher Erreichten?“

Annette Jordan: „Nun ja, es war damals schon eine turbulente Anfangsphase für mich. Ich verfügte über 13 Mitarbeiter, das Vertrauen der Geschäftsleitung und erhielt ein ‚Dann machen Sie mal!’ mit auf den Weg. Also musste ich erst einmal Mitarbeiter rekrutieren: einen Leiter Controlling , eine Leiterin Personal, die Plattformleiter – man braucht ja ein Team für den Aufbau eines Standortes. Als erstes bauten wir in Offenburg auf. Dort kümmerte sich ein Mitarbeiter um die Formalitäten, mietete Räume und warb Lokführer an. Heute sind wir am Markt präsent, die Lokomotiven fahren, man sieht uns. Unser Image ist dadurch genährt, das Vertrauen in unser Unternehmen gestärkt worden.“

Business-on.de: „Der Name SBB Cargo ist der breiten Öffentlichkeit in Deutschland trotzdem noch weitgehend unbekannt. Welche Rolle spielt der Gütertransport der Schweizerischen Bundesbahn bei uns?“

Annette Jordan:„Die Liberalisierung des Schienengüterverkehrs seitens der EU eröffnet uns die Möglichkeit, in ganz Europa um Marktanteile zu kämpfen. SBB tut dies mit ihren Tochterunternehmen hauptsächlich in Deutschland und Italien. Hierzulande haben wir mit SBB Cargo Deutschland 2006 unsere Transportleistung um fast 30 Prozent steigern können. Ende 2006 fuhren wöchentlich schon 410 Züge auf der Nord-Süd-Achse, 2005 waren es erst 360. Das ist schon eine ganz ordentliche Zwischenbilanz. Und, nicht zu vergessen: Wir beschäftigen mittlerweile über 160 Mitarbeiter in Deutschland.“

Business-on.de: „Sie sind Geschäftführerin für den Bereich Produktion. Wie sieht Ihre Aufgabenstellung konkret aus, woran arbeiten Sie momentan?“

Annette Jordan:„Ich vertrete die Produktion und setze damit um, was der Verkauf ´an Land zieht`. Meine Aufgabe ist es also dafür zu sorgen, dass wir unserem Anspruch an äußerste Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit gerecht werden. Aber auch in der Angebotsbestellung wollen wir schneller werden. Hier suchen wir Fachkräfte, die zum einen das Eisenbahn-know-how haben und zum anderen die Verkaufssicht einnehmen können. Wichtig ist für uns zukünftig auf jeden Fall der Ausbau der Nord-Süd-Achse und die Konsolidierung dieser Achse. Dort wollen wir noch effizienter werden. Mein Kollege Marco Terranova, Geschäftsführer SBB Cargo Italia, ist ebenso dabei Italien weiter auszubauen. Sonst können wir in Deutschland auf Dauer nicht die Leistungen verkaufen, die wir gerne verkaufen würden..

Business-on.de: „Sie gehen aber auch mit zu den Kunden?“

Annette Jordan:" Unser Vertrieb und die Produktion sind eng miteinander verzahnt. Der Gedanke dabei ist der, dass wir näher an die Kunden heranrücken und die Bedürfnisse der Kunden noch besser verstehen wollen. Wir wollen nicht als Vertrieb abstrakt ein Angebot machen, nur um hinterher festzustellen, dass wir in der Produktion vielleicht doch noch Schwierigkeiten haben. Unsere Kundenteams bestehen deshalb aus Mitarbeitern des Vertriebs und der Produktion. Gemeinsam werden hier individuelle Kundenlösungen erarbeitet. Wenn es meine Zeit zulässt, gehe ich gern selbst mit zu unseren Kunden.“

Business-on.de: „Frauen gelten gemeinhin als einfühlsam und kommunikationsstark. Wie ist das bei Ihnen?“

Annette Jordan: (lacht): „Ja, da ist schon was dran. Die Mitarbeiter sollen jedenfalls wissen, wer ich bin, und sie sollen merken, dass ich sie wahr und ernst nehme. Zudem ergeben sich aus der Stimmungslage oft Anregungen für die Führung. Das will ich spüren.“

Business-on.de: „Nun sind Sie beruflich extrem eingespannt. Wie entspannen Sie sich?“

Annette Jordan:"Meine Energie hole ich mir in erster Linie durchs Joggen. Da bekomme ich den Kopf richtig frei. Auch verreise ich in meiner Freizeit sehr gerne, am liebsten weit weg. Meine letzten Ziele waren Amerika, Australien, Kanada und Neuseeland. Ich finde es spannend neue Kulturen kennen zu lernen.“

Business-on.de: „Und ihr prall gefüllter Terminkalender lässt darüber hinaus auch eine feste Partnerschaft zu?“

Annette Jordan: (lach): "Aber natürlich. Ich bin mit meinem Mann glücklich verheiratet. Seit zwei Jahren haben wir ein Haus und entdecken gerade die Gartenarbeit. Ich hätte nicht gedacht, dass uns dies mal so viel Spaß machen würde."


(Stefanie Berg)


 


 

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