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Schöne neue Einkaufswelt: Wird Roboter Paul mal CEO?

„Paul kann dem Personal dann sagen, was es zu tun hat.“ Für Dr. Ulrich Reiser vom Fraunhofer Institut Stuttgart ist dieser Satz Normalität, für Außenstehende dagegen erschreckend.

Denn Paul ist ein mobiler Roboter, der hier am Beispiel in einem Baumarkt eingesetzt, nächtens die Hallen überwacht, nebenbei den Warenbestand checkt und am morgen kurz vor acht den leibhaftigen Mitarbeitern mitteilt, wo sie die Regale aufzufüllen haben und dies natürlich auch in Windeseile überprüfen kann.

Schöne neue Welt? Auf der EuroCIS in den kommenden drei Tagen auf der Düsseldorfer Messe eigentlich schon Vergangenheit.

Es bedarf demnach keines Doppelhelix-Boss' mehr, um Angestellte auf Trab zu halten - wenn es denn überhaupt noch der Angestellten bedarf. Allerdings sind wir nicht so weit. Noch nicht.

Alles andere, was insbesondere dem Konsumenten Shopping-Vergnügen bereiten soll, ist bereits über die Schwelle des Einfach-mal-einkaufen-gehen hinausgetreten. Beispiel der Virtual Reality Store. Mit einer VR-Brille bietet GK Virtual Reality Store ein Einkaufserlebnis, dass insbesondere nicht mobilen Menschen ein neues Shoppingerlebnis bereiten könnte. Sie können nämlich dank moderner Technik entspannt durch ein Geschäft flanieren, sich Produkte anschauen und, gekoppelt mit einer weiteren App, sogar Kleidung anprobieren.

Klinmgt fast vermessen: Körpervermessung in Sekunden

Diese Applikation wiederum bietet das Schweizer Unternehmen Size Advisor an. Die Eidgenossen versprechen, durch zwei Fotos – frontal und seitlich – passgenaue Kleidung finden zu können, da der Körper in Sekundenschnelle vermessen und aus dem Fundus diverser Anbieter das entsprechende Produkt herausgefiltert wird. Zu guter Letzt kann sich der Kunde in den neuen Kleidern rundum betrachten und sich – rein virtuell – schon mal wohlfühlen.

Unbestritten ist die internationale Fachmesse für Informationstechnologie und Sicherheit im Handel spannend und verrät einen Ausblick in die Zukunft. Reales Eis zum Kühlen echter Getränke – klassisch Vintage – steht Seite an Seite mit einer Minirobotik, die vor wenigen Jahren noch undenkbar schien.

Sinnvolles und Unsinniges gehen dabei Hand in Hand. Zu Letzterem gehört eine virtuelle, interaktive Waschmaschine eines großen Herstellers aus Gütersloh mit fünf Buchstaben. Die Maschine wäscht nicht, schleudert nicht und tut im Grunde nichts, was eine einfache App auf dem Tablet eines Verkäufers nicht auch zeigen könnte. Warum der Konsument deshalb minutenlang auf einen Glaskasten starren soll, erschließt sich nicht, es sei denn, die Maschine gilt als Beispiel für ein „digitales Instrument der Instore Promotion, das mehrere Kommunikationskanäle abdeckt und als Gesamtkonzept über klassische Digital Signage hinausgeht“, so die Presseinfo.

Die Verknüpfung von realem Einkauf und der Möglichkeit, vor Ort im Shop das Produkt anzuprobieren, virtuell die Farben auszuprobieren und dann von heute auf morgen zu bestellen, ist dabei eine Chance, den darbenden Einzelhandel wieder in Schwung zu bringen.

Zahlreiche Apps, die auf der Messe vorgestellt werden, bieten diese Lösung. Schließlich warten Onlineeinkäufer auch eine Nacht oder sogar Tagelang auf die Lieferung der eingekauften Ware. Warum also nicht im Store vor Ort dieses Angebot bieten? Das belebt die Innenstädte und wäre ein spannender Kontrapunkt zur Datenkrake eines amerikanischen Onlinehändlers.

Hightech wird im stationären Handel die Basis zum Erfolg. Schlagwörter wie Conversational Commerce, mobiles Payment, Big Date und virtuelle Welten werden den Kunde begleiten und asuwerten. Das ist die Zukunft, wie sie sich auf der EuroCIS darstellt. Ob Apps für Augmented Reality (computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung), die Inventur, als Kundenkarte, die automatisch beim Betreten des Geschäftes über Bluetooth mit dem Konsumenten kommuniziert, die digitale Welt erscheint nur in der menschlichen Vorstellung beschränkt.

Dabei zielt freilich jeder der 460 Aussteller aus 29 Ländern letztendlich mit seinen Angeboten auf den Kunden, der durch Datensammlung eines Unternehmens ein Profil erhält. Um an diese Daten zu kommen, erscheinen keine Anstrengungen zu groß. Der Weg im realen Leben im Vergleich zur digitalen Spur, die jeder im Internet hinterlässt, zu verfolgen, ist daher schwer. Falsch gedacht. Dass Überwachungskameras am Berliner Südbahnhof Gesichter erkennen können, ist gesichert. Das Überwachungskameras in Kaufhäusern das gleiche Prinzip verfolgen, ebenso.

Doch die Zukunft macht´s noch schräger. Rapitag bringt eine Diebstahlsicherung auf den Markt, die die Kaufhistorie ohne Umwege vor Ort speichert, auswertet und damit den Offline-Kunden – also dem Native- oder Bio-Einkäufer – besser identifizieren kann. Und das geht so einfach. Das Handy wird an die Diebstahlsicherung gehalten, über eine bereits vorhandene App wird bezahlt, die Diebstahlsicherung öffnet sich und der Kunde spaziert ohne Warteschlange oder Kassenpersonal aus dem Geschäft. Mediamarkt, das dieses System demnächst als erstes Unternehmen in München testet, ist gar nicht blöd.

Der gut gelaunte Paul macht vielleicht noch Karriere

Zurück zu Paul, dem Roboter, der „keine schlechte Laune kennt“, so Reiser, und selbst kurz vor 20 Uhr noch freundlichst Späteinkäufer gleichmütig bedient, während andere müde und geschlaucht in den Seilen hängen und die Sekunden bis Feierabend zählen. Paul interessiert das nicht, er bereitet sich bereits auf seine Nachtschicht vor, kontrolliert Schaltkreise und Warenbestand und träumt vielleicht davon, mal Betriebsratsvorsitzender zu werden oder Abteilungsleiter oder vielleicht noch besser: Chef – aber so schön ist die neue Welt dann doch nicht. Noch nicht.

(Manfred Fammler)


 


 

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