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Umfrage

Das Geldanlage-Paradox

Verbraucherschützer hatten Sparern im Zuge der Finanzkrise den Leitsatz "Kaufe nur, was Du auch verstehst" mit auf den Weg gegeben. Bei der überwältigenden Mehrheit der deutschen Anleger ist diese Lehre nicht angekommen.

Nur jedem zehnten Bundesbürger (11 Prozent) ist es wichtig, seine Geldanlage nachvollziehen zu können. Das geht aus einer neuen repräsentativen Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag der Initiative "Investmentfonds. Nur für alle." der deutschen Fondsgesellschaften hervor.

Bei den meisten hat der Leitsatz vielmehr dazu geführt, dass sie lieber gar nichts tun, als etwas falsch zu machen: So geben 61 Prozent der Deutschen an, mit Tages-, Festgeld oder dem Sparbuch für das Alter vorzusorgen. Bei den unter 30-Jährigen sagen das sogar 80 Prozent. Paradox, denn gleichzeitig haben auch 61 Prozent richtig erkannt, dass diese Sparformen langfristig zu wenig Ertrag für die Altersvorsorge bringen.

Nur für je 6 Prozent der Befragten ist zudem die Risikostreuung bei der Geldanlage auschlaggebend. Den besten Schutz vor Risiken und Krisen lassen die meisten also außer Acht. Schlechte Erfahrungen sind dafür meist nicht verantwortlich - nur 20 Prozent geben das als Grund an. Die Hemmschwelle, Entscheidungen über die Geldanlage zu treffen, liegt so hoch, dass die Deutschen sogar lieber zum Zahnarzt als zum Bankberater gehen: 88 Prozent vereinbaren hier mindestens einmal im Jahr einen Termin - einen Termin beim Bankberater machen regelmäßig nur 32 Prozent.

Sparer setzen auf Altbekanntes und Sicherheit

Der Grund dafür ist keine Verweigerungshaltung - nur 7 Prozent sagen, sie sparen nicht, "weil es sowieso nichts bringt". Auch geben die meisten an, viel über Geldanlage zu wissen. Die Hälfte (49 Prozent) beschäftigt sich mindestens einmal im Monat mit dem Thema. Sie alle tun allerdings nicht den notwendigen nächsten Schritt, um diesem an sich selbst formulierten Anspruch nachzukommen. Sie setzen vielmehr ausschließlich auf Altbekanntes und Sicherheit: "Die Menschen fühlen sich überfordert", kommentiert Stefan Seip, Hauptgeschäftsführer des BVI Bundesverband Investment und Asset Management. "Wenn es darum geht, einen Joghurt oder eine Kiste Bier ein paar Cent günstiger zu bekommen, ist den Deutschen kein Weg zu weit. Bei der Geldanlage bleibt es aber dabei, sich zu informieren und sich Gedanken zu machen - eine Entscheidung fällen die allermeisten dann aber nicht", erklärt
Seip.

Bei breiten Bevölkerungsschichten führt das dazu, dass sie beim ihnen vertrauten Modell "Sparschwein" aus der Kindheit verharren - sie wollen ihr Geld in Sicherheit und jederzeit verfügbar wissen. Produkte, die für eine langfristige Altersvorsorge besser geeignet sind als das Sparkonto - betriebliche Altersvorsorge (41 Prozent), Fondssparpläne (24 Prozent), private Rentenversicherungen (42 Prozent) oder Riester-Produkte (31 Prozent) - nutzen deutlich weniger Anleger. Dabei fühlen sich so gut wie alle befragten Sparer in erster Linie selbst in der Pflicht, sich zu informieren und die richtigen Anlagen für ihre Ziele auszuwählen: 87 Prozent sagen, jeder trage selbst die Verantwortung für Kenntnisse über die Geldanlage, 90 Prozent finden, man müsse sich selbst um seine Altersvorsorge kümmern.

Es fehlen auf den einzelnen zugeschnittene Informationen

"Mit verantwortlich für diese Fehlentwicklung sind unpassende Informationsangebote. Sparer können die auf sie einströmenden Informationen zu häufig nicht auf ihre persönliche Lebenssituation oder -planung anwenden. Es fehlen den Menschen individuell auf sie zugeschnittene Entscheidungshilfen", sagt Seip. Laut der Umfrage wünschen sich drei Viertel (74 Prozent) individuelle Beratung, 41 Prozent wollen auf sie zugeschnittene Info-Abende. Die Suche nach persönlicher, passgenauer Hilfe und vertrauten Gesprächspartnern spiegelt sich auch in der Aussage, dass 63 Prozent in  Geldanlagedingen am ehesten den Rat von Freunden oder Verwandten suchen.

Paradox: Anleger misstrauen der Branche, wollen aber Hilfe

Hilfen anzubieten, ist aber auch eine zentrale Aufgabe der Finanzdienstleistungsbranche. Nur so lässt sich ein Teufelskreis durchbrechen, in dem Anleger stecken: Obwohl gut die Hälfte aller Befragten (54 Prozent) der Finanzindustrie misstraut, wenden sich 71 Prozent in Geldfragen an ihren Berater. Sie sehen in Finanzinstituten eine kompetente Informationsquelle. Die Gesellschaften im Branchenverband BVI haben deshalb die Initiative "Investmentfonds. Nur für alle." gestartet. Mit der neuen Umfrage nimmt sie eine Bestandsaufnahme vor: Wie sehen die Deutschen ihre Geldanlage, was hemmt sie, was hilft ihnen beim richtigen Sparen? Deshalb schafft die Initiative Informationsangebote, die auf einzelne Zielgruppen zugeschnitten sind. Sie klärt auf und versetzt Sparer wieder in die Lage, den richtigen Spar-Mix für ihre jeweilige Lebenssituation zu finden.

(ots/ Investmentfonds. Nur für alle.)


 


 

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