Weitere Artikel
Interview mit Georg und Ulli Müller

Lärm macht krank!

Düsseldorf. Lärm überall: Ob in Restaurants, am Arbeitsplatz, in Veranstaltungsräumen, in Schulen oder im unserem Zuhause: Wir sind jeden Tag von Krach umgeben und haben uns an die nervigen Geräuschkulissen gewöhnt. Doch der Lärm macht uns krank. Wohlbefinden, Entspannung und Leistungsfähigkeit hängen entscheidend von der Akustik in unserer Umgebung ab. Business-on.de hat den Düsseldorfer Innenarchitekten Georg Müller und Ulli Müller, dem Geschäftsführer von der Raumton GmbH interviewt und über die Folgen von schlechter Akustik gesprochen. Die beiden Experten zeigen Lösungen auf, wie man in Räumen die Akustik maßgeblich verbessert.

business-on.de: Die Welt ist lauter geworden und wir werden täglich mit Lärm konfrontiert. Wie wirkt sich der Lärmpegel eigentlich aus? Welche Folgen hat schlechte Akustik?

Ulli Müller: In der Arbeitswelt hat eine schlechte Akustik zur Folge, dass durch mangelnde Konzentrationsfähigkeit das Arbeitsergebnis leidet. Ein zu hoher Grundgeräuschpegel ist eine Form von Dauerstress, der oft nicht richtig erkannt oder benannt wird. Entgegen der verbreiteten Meinung ist es nicht möglich, sich an zu laute Umgebungen zu gewöhnen. Der Versuch, störende Geräusche zu verdrängen, hat neben Gehörschäden zur Folge, dass der Körper sich durch weitere Krankheitsbilder „meldet“. Es ist eine weit verbreitete Form von „Stress“.

Georg Müller: Raumakustische Missstände werden selten unmittelbar wahrgenommen. Viele Firmenchefs und Entscheidungsträger nehmen die schlechte Akustik hin oder nicht ausreichend ernst. Die Folgen sind erheblich. Nervosität, Fehlverhalten, Aggression, Leistungsschwächen, Rückzugsverhalten, Anstieg von Herzfrequenz und Blutdruck sind einige Symptome. Eine Belastung über ein begrenztes, „normales“ Maß hinaus ist stets gesundheitsgefährdend. Sie ist in fast allen Bereichen des öffentlichen Lebens anzutreffen, wie zum Beispiel in Großraumbüros, Konferenzräumen, Schuleinrichtungen, Arztpraxen, Krankenhäusern sowie Pflegeeinrichtungen, an Flughäfen und Bahnhöfen, in der Gastronomie und im Hotelbereich.

business-on.de: Lärm stört immens und macht sich als Dauerstress bemerkbar. Trotzdem wird gegen die Geräuschkulissen nichts getan. Woran liegt es, dass wir einer guten Akustik so wenig Aufmerksamkeit schenken?

Ulli Müller: In unserer Wahrnehmung sind wir stark auf visuelle Eindrücke fixiert. Zunehmend haben wir jedoch ein größeres Bedürfnis nach mehr Ruhe. Die Gründe liegen zum einen in der sehr viel angespannteren Art und Weise in der wir arbeiten und oft auch leben müssen. Ein weiterer Grund ist der mächtig gestiegene Geräuschpegel, der uns am Tag und in den Ballungszentren auch nachts umgibt.

Georg Müller: Die neuen Arbeitswelten sind verbunden mit Begriffen wie Prozessoptimierung, Gebäude- und Flächenmanagement, sowie Einsparpotentiale. Bei der Suche nach „der“ optimalen Lösung (so flexibel wie möglich) in Bezug auf Gebäude, Raum und Mensch wird leider noch viel zu häufig dem Faktor Mensch zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Trotz aller neuen Büroformen, verbunden mit allen technischen Errungenschaften und Verbesserungen ist das Büro ein Ort, in dem wir unter einer Vielfalt von negativen Umständen leiden, die durch die Umgebung bedingt sind, und dass auf Kosten der Gesundheit, Effektivität und Motivation . Das gleiche gilt für den privaten Bereich, indem heute aufwändige Wohnungen mit großen Glasflächen ohne Vorhänge, harten Keramikfußböden und Sichtbeton geplant und anschließend in einem sehr aufgeräumten Stil eingerichtet werden. Die verwendeten Materialien sowie die spartanische Einrichtungsweise führen zum plötzlichen Fehlen von „Schallschluckern“. Das zu geringe Einbeziehen unseres Hörsinns lässt stets das Problem erst entstehen, bevor darauf reagiert wird.

business-on.de: Heißt, dass auch bei Wohnungen oder Umbauten die Raumakustik von Anfang nur selten in die Planung einbezogen wird?

Georg Müller: Bei Gebäudeumnutzungen zum Beispiel einst Fabrik - nun stylisches Loft wird selten die Raumakustik in den Entwurfsprozess einbezogen. Wir Menschen vergessen sehr oft die Möglichkeiten, die uns durch unsere Sinnesorgane natürlich gegeben sind. In der Regel können wir sofort beurteilen, wenn uns in der optischen Wahrnehmung etwas sehr gut oder aber auch nicht gefällt. Bittet man den größten Teil der Menschen um ein Urteil nach einem akustischen Reiz, so ist fast jeder überfordert und der Meinung, dazu nichts sagen zu können. Erst bei genauerer Betrachtung fallen jedem von uns Beispiele im positiven Sinne auf wie z.B. der Musikgenuss im Konzertsaal. Umgekehrt denken wir im negativen Sinne an die zu laute Geräuschkulisse im ansonsten innig geliebten Restaurant.
Business-on.de: Für welche Berufsgruppen ist Ihre Dienstleistung besonders interessant?

Ulli Müller: In der Einrichtung moderner Arbeitswelten ist ohne akustische Optimierung eigentlich kein Arbeiten mehr möglich. Gleichermaßen gilt dies für Umgebungen in denen geplant, kommuniziert, oder produziert wird. Der Gesetzgeber hat schon sehr früh auf den Bereich des produzierenden Gewerbes geachtet und ein verbindliches Regelwerk geschaffen. Diese Aufmerksamkeit muss dringest auf weitere Bereiche ausgebaut werden.

Georg Müller: Ganz besonders hervorzuheben sind alle Bereiche des Bildungswesen und der Arbeitswelten, also dort, wo die überwiegende Zeit des Tages zugebracht wird. Des weiteren an Orten, an denen wir keinen unmittelbaren Einfluss auf die vorherrschenden Bedingungen haben. In Zukunft wird auch dem gesamten Retailbereich und der Gastronomie mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden müssen. Eine positive Raumakustik, integriert in eine Umfeldgestaltung, welche klare Orientierung gibt, anregend und motivierend ist und dabei die Bedürfnisse und Wünsche der Konsumenten anspricht, ist eine nachhaltige Investition zur Steigerung einer gesunden Atmosphäre – für entspannte und zufriedene Konsumenten, Kunden und Gäste. Nur beim persönlichen Wohlbefinden verlängert sich die Aufenthaltsdauer und lädt zum wiederholten Besuch ein.

business-on.de: Sie sprachen eben von dem Restaurant, das man gerne besucht, aber irgendwann meidet, weil die Gäste sich fast anbrüllen müssen, um sich zu verstehen. Die Lautstärke in einem Lokal hat Einfluss auf die Wohlfühlatmosphäre. Warum wird trotzdem so wenig darauf geachtet?

Ulli Müller: Immer mehr Gäste suchen sich Restaurants nach den Wohlfühl-Kriterien aus und dazu gehört natürlich auch, dass die Akustik stimmt. Viele Restaurantbesitzer vernachlässigen die Akustik und werden über kurz oder lang dafür abgestraft, weil die Gäste ausbleiben.

Georg Müller: Die Gründe liegen ganz klar in der Unwissenheit oder leider auch oft Fehlinformation. Hier besteht noch sehr viel Aufklärungsbedarf. Eine Vernachlässigung führt nach Ausführung der jeweiligen Projekte sehr häufig zu entsprechend notwendigen, oftmals erheblich teureren Nachrüstungen.

business-on.de: Wenn man sich nun entscheidet, die Akustik zu verbessern, wie sieht die Umsetzung aus? Was machen Sie dann konkret?

Ulli Müller: Die akustische Planung ist ein komplexes Verfahren. Hierbei müssen diverse Faktoren wie Raumabmessungen und Gebäudesubstanz beachtet werden und ob es sich um Sprache oder Musik handelt. Es ist von Bedeutung, ob viele Menschen zum Beispiel entspannt telefonieren können (Callcenter), oder ob es um eine Situation in einem Konferenzraum geht, in dem man sich auch über den langen Tisch gut verstehen muss. Die Situation eines Vortrages unterscheidet sich noch mal, um die Sprache des Vortragenden möglichst weit in den Raum zu transportieren. Das gleiche gilt für Musik. Der im Chor Probende hat ein anderes Bedürfnis richtig hören zu können, wie der Chorleiter und noch mal anders der Zuhörer im Publikum. Raumton und M.I.A. schaffen individuelle Lösungen für akustische Probleme die jeweils Raum, Nutzung und Anspruch direkt einbeziehen.

Georg Müller: Zu der akustischen Lösung ist die optische Qualität des Entwurfes sehr wichtig für uns. Das Einbringen und Positionieren von gestalterischen Materialien, welche entweder schallabsorbierend oder schallreflektierend sind im Wand-, Decken-, Bodenbereich, die Auswahl von Einrichtungsgegenständen, Decken- oder Wandpaneelen, die Auswahl in Größe und Anzahl führt zur Schaffung einer perfekten akustischen Umgebung im Einklang mit den räumlichen Gegebenheiten, seinem Ambiente. Der Einsatz von Materialien, ihre Abmessungen, Farben, Oberflächenqualitäten, Optik und Haptik, Brandverhalten, Schmutzanfälligkeit etc. sind nur einige Punkte, welche direkt in das Gesamtkonzept mit einfließen. Eine ergänzende Lichtplanung, gerade im Objektbereich führt zu weiteren positiven Ergebnissen.

business-on.de: Wie sieht das Ergebnis aus?

Ulli Müller: Der ästhetische Anspruch ist in der Regel sehr hoch. Innovative Lösungen sind erforderlich, um die optische Umgebung nicht zu stören. Es gibt sehr viele attraktive Möglichkeiten dem Anspruch gerecht zu werden und in der Regel lässt sich eine Aufwertung nicht nur unter akustischen Aspekten erreichen. Eine Vielzahl von erfolgreichen Projekten hat klar gezeigt, dass eine drastische Verbesserung der Situation durch eine gezielte Raumakustik erreicht werden kann. Ganz gleich, ob es sich um einen Konferenzraum, einen Flughafencounter oder um einen Frisiersalon handelt. Speziell die Kooperation unserer Firmen hat dabei zu Lösungen geführt, die auch den anspruchvollsten Aufgaben gerecht wurde.

Georg Müller: Akustik, Licht und Farbe sind Aspekte unserer Umwelt, die den größten Einfluss auf unser Wohlbefinden haben. Sie kommunizieren mit uns unmittelbar. All diese Erkenntnisse zu einem optimalen und ökonomisch sinnvollen Ergebnis zu führen, betrachten wir als unsere tägliche Herausforderung, der wir uns gerne stellen. Überlegungen zur Nachhaltigkeit sind für uns selbstverständlich.

(Elita Wiegand)


 

 

Georg Müller
Ulli Müller
Raumton
Raumakustik

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Georg Müller" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: