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Beruf und Berufung

Wohin mit all meinen Talenten?

„Heute muss man froh sein, überhaupt Arbeit zu haben.“ Ein beliebter Satz, der ebenso einleuchtend wie erschlagend ist. Da wird eine mögliche Aufbruchstimmung hin zu neuen beruflichen Perspektiven oder zur eigenen persönliche Aufgaben- und Sinnfindung häufig bereits im Keim erstickt. All denjenigen, die einen Weg aus der Misere finden wollen, bietet der Psychologische Berater Gerhard Schmitz einen Kreativ-Workshop an, der den Fokus in der Auseinandersetzung mit den Themen Job, Beruf, Berufung auf die ureigenen Stärken und Ressourcen jedes Einzelnen richtet. Business-on.de sprach mit Gerhard Schmitz.

Business-on.de: Worin sehen Sie die Misere?

Gerhard Schmitz: Betrachten wir den Markt mit rund 3 Millionen Arbeitslosen, Tausenden bedrohter Arbeitsplätze, Kurzarbeit und Outsourcing so wird schnell klar, dass die Themen Arbeit und Beruf zentrale Themen sind. So gesehen müssten eigentlich all diejenigen, die noch eine Arbeit haben und einer geregelten Tätigkeit nachgehen, die vom Glück Begünstigten sein.  Der Schein trügt allerdings, denn viele Menschen, allzu viele, werden bei ihrer Arbeit krank . Depressionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Rückenleiden, Schlafstörungen und eine Vielzahl anderer Erkrankungen mit entsprechenden Ausfällen am Arbeitsplatz zeigen ein anderes Bild.
Ich stoße bei meiner Beratertätigkeit immer wieder darauf, dass sehr viele Menschen vor allem daran kranken, dass sie ihre eigentlichen Fähigkeiten und Talente kaum oder gar nicht kennen und somit auch nicht gewinnbringend für sich einsetzen oder umsetzen können.

Business-on.de: Was hindert die Menschen, ihre Talente zu entdecken?

Gerhard Schmitz: Kaum jemand von den Menschen, die zu mir kommen, nimmt sich überhaupt einmal eine Auszeit, um in sich hineinzuhorchen :“Wer bin ich wirklich? Was will ich eigentlich?“ Die Bedürfnisse scheinen oft nur um Einkommen, Karriere und Familie zum Beispiel zu kreisen. Ein riesiges Bedürfnis wird da vor allem an der möglichst absoluten Sicherheit des Arbeitsplatzes verankert. Viele fühlen sich durch berufliche oder gesellschaftliche Anforderungen so von außen gefordert, dass die ureigenen Interessen einfach zu kurz kommen. Die notwenige Energie dafür ist bereits verpufft. Ich meine, es sagt leider genug aus, wenn eine Workshop-Teilnehmerin erzählt: „Ich komme vom nahtlosen Übergang von Schule, Ausbildung, Beruf und Kindererziehung mit 45 Jahren jetzt zum ersten Mal dazu, eine wirkliche Verschnaufpause einzulegen und mich mit mir selbst zu befassen.“

Business-on.de: Welche Indikatoren sehen Sie denn als wichtigen Wegweiser zur Selbstverwirklichung an?

Gerhard Schmitz: Mich hat vor einiger Zeit einmal die Aussage von Gustavo Dudamel, einem jungen und talentierten venezolanischen Dirigenten und Violinisten sehr beeindruckt.
Er hat nämlich gesagt, dass er bei seiner Arbeit eine große Freude spürt und mehr Energie zurück bekommt als er hineinsteckt. Und ich glaube, genau darum geht es: eine tiefe Freude bei der Arbeit und eine tiefe Leidenschaft für das, was man tut sind ein hervorragender Wegweiser in die Richtung auf die eigene berufliche wie private Entfaltung. Ich kenne eine ganze Reihe Menschen, auf die das auch zutrifft: ein Bäcker, der seit Jahrzehnten erfolgreich sein kleines Unternehmen leitet; eine Krankenschwester, die sich in dem Krankenhaus, in dem sie arbeitet, genau an der richtigen Stelle fühlt; eine alte Dame, die immer noch in einem Dritte-Welt-Laden arbeitet, weil sie so gerne mit Menschen zu tun hat und noch einige andere. Alles, was uns leicht fällt, nicht anstrengt und uns mit einem dicken Plus auf der Haben-Seite zurücklässt, entspricht unserem Potential und enthält große Ressourcen.
Diese Qualität versuche ich im Workshop zu vermitteln.

Business-on.de: Was geschieht denn nun in so einem Workshop?

Gerhard Schmitz: Wenn die Teilnehmer nun da sind, betrachte ich mir in einer Vorstellungsrunde genau, was jeder da noch mitgeschleppt hat – an Unsicherheit, Skepsis, Neugier, Freude, Anspannung usw. Ich muss ja den Fokus auf jeden Einzelnen richten, gleichzeitig aber auch dafür Sorge tragen, dass sich die Menschen innerhalb der Gruppe gut aufgehoben und geachtet fühlen. Nicht zuletzt ist das für die Projektarbeit wichtig, die einen wesentlichen Teil des Workshops ausmacht.
Darüber hinaus bin ich immer davon ausgegangen, dass Spass und spielerisches Vorgehen die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit schaffen - was sich dann in der Praxis auch bewahrheitet hat.
Also schicke ich die Menschen zu Anfang und zwischendurch immer wieder auf eine Art Kurzurlaub – zum Entspannen, Entschleunigen, Träumen und Spinnen: mit Geschichten, Fabeln, Märchen erzählen; mit Entspannungsübungen aus dem Umfeld des Autogenen Trainings, mit Fantasiereisen und Visualisierungsübungen. Das trainiert und optimiert unter anderem auch die Kommunikation zwischen den beiden Gehirnhälften.
Zusätzlich gibt es „Hausaufgaben“ für den folgenden Termin, wodurch die Auseinandersetzung mit den eigenen Potentialen in Gang gehalten wird.

Business-on.de: Was nehmen die Menschen aus dem Workshop mit?

Gerhard Schmitz: Erst einmal einen „Kick“, einen neuen Blick auf ihr Leben und das, was sie gerne tun möchten: Ein Teilnehmer hat z.B. seine Leidenschaft für gestalterisches Arbeiten entdeckt – das muss dann nicht gleich zu einem Innenarchitektur-Studium führen oder einer Ausbildung zum Bühnenbildner. Aber die Qualität ist da; und wird vielleicht erst mal bei der Beratung zur Wohnungseinrichtung im Freundeskreis genutzt.
Beim ersten Workshop war ein Ehepaar da, beide aus technischen Berufen, die aber etwas ganz anderes in sich entdeckt haben: er profiliert sich mittlerweile als Baubiologe , sie hat eine Ausbildung zur Spirituellen Beraterin in Angriff genommen. Fazit also: Es gibt Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die sozusagen ihr Skript neu schreiben wollen – einen neuen Beruf ins Auge fassen, ihr Privatleben ändern.
Andere merken, dass sie zwar in ihr Unternehmen passen, aber als Vertriebler z.B. eine Fehlbesetzung sind und ihr Potential nutzbringender etwa in der Marketing-Abteilung einbringen könnten. Eine weitere Gruppe fühlt sich völlig in dem bestätigt, was sie beruflich macht: Die Überprüfung, ob die Leiter noch an der richtigen Mauer steht, wird erfolgreich abgeschlossen.Ich gebe den Menschen die Möglichkeit an die Hand, mithilfe der Aufdeckung ihrer eigentlichen Talente ihr Lebens-Skript zu überprüfen, zu korrigieren, modifizieren oder auch komplett neu zu schreiben. Natürlich braucht es auch Zeit und Geduld für die Umsetzung von Ideen und Plänen. Aber das kann nun zielgerichtet und jederzeit nachprüfbar erfolgen: Jeder der aus dem Workshop herausgeht, hat dann seinen eigenen Kompass in der Hand, mit dem er auch im dicksten Dschungel da draußen seine Orientierung aufrechterhalten kann.

(Elita Wiegand)


 


 

Gerhard Schmitz
Kreativ-Workshop

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5 Kommentare

von Harald
03.11.08 22:21 Uhr
Talente-Workshop

Ich habe an einem der vorgestellten Talente-Workshops teilgenommen und kann nur voll und ganz bestätigen was hier geschrieben wurde.
Insgesamt fühlte ich mich gut "an die Hand genommen" um mich mal um meine wirklichen Interessen zu bemühen.
Man kann diesen Workshop wirklich jedem empfehlen - auch denen die in ihrem Job ihren Mann / ihre Frau stehen - und sei es nur dazu zu erkennen das man am richtigen Platz ist.
Schade war nur das die drei Termine so schnell vorbei waren.

Harald

von Sabine
04.11.08 18:45 Uhr
Talente-Workshop

Auch ich habe an einem von Gerhard Schmitz geleiteten Talente-Workshops teilgenommen und bin sehr gestärkt aus dem Seminar herausgegangen. Eine solche Art von Workshop funktioniert am besten, wenn sich TeilnehmerInnen darauf einlassen können. Vor allem Gerhard Schmitz' Fachlichkeit und menschliche Wärme haben uns sehr schnell als kreative Seminargruppe zusammenwachsen lassen. Ich kann den Talente-Worshop nur jedem ans Herz legen =)

von Martin
05.11.08 16:04 Uhr
Talente-Workshop

Dieser Workshop hat mir sehr geholfen, meine Qualitäten neu zu entdecken und auf dieser Grundlage einen selbstbestimmten und zieloriientierten Weg einzuschlagen, der meinen Bedürfnissen so weit wie entspricht.

von Stephanie
05.01.09 18:49 Uhr
Talente-Workshop

Mit großem Interesse habe ich das Interview gelesen und finde, dass das Prinzip des Talente-Worksops in den Personalabteilungen von größeren Unternehmen berücksichtigt werden sollte.
Einfacher und vor allem effizienter kann die Einsetzung eines Mitarbeiters auf grund seiner Talente also seiner "Berufung" doch nicht ermittelt werden.
Für das Unternehmen bedeutet dies einen effizienteren Mitarbeiter, der zufrieden wenn nicht gar erfüllt von seinem Beruf ist. So gesehen profitieren beide Seiten davon.
Abgesehen von den Vorteilen, die man aus diesem Talente-Workshop auch für sein Privatleben ziehen kann. Alleine schon wenn man die Bestätigung erhält, dass das was man bereits tut, das richtige für Einen ist.

von Sabine Müchler
07.01.09 11:17 Uhr

Das Interview hat mir sehr aus dem Herzen gesprochen, da es in der heutigen Zeit mit der Flut an Informationen zum Beispiel zur Berufswahl doch besonders für junge Menschen sehr schwer ist seine wirklichen Neigungen oder Talente einzuschätzen. Daher ist ein Workshop für Jugendliche, die vor einer Berufs oder Studienwahl stehen sehr wichtig um festzustellen wo die eigenen Leidenschaften und das Potentiale liegen. Zu viele Jugendliche brechen schon nach kurzer Zeit ihre Ausbildung ab, daher weiss ich die engagierte Arbeit von Herrn Schmitz zu schätzen.

 

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