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Handwerkskammer Düsseldorf

Existenzgründer mit Meisterbrief haben den längeren Atem

Immer mehr Meister wollen einen Betrieb gründen oder übernehmen - 9.000 Firmen sind in den nächsten fünf Jahren alleine im Bezirk der Handwerkskammer Düsseldorf auf Nachfolgersuche. Im Vergleich zu Nicht-Meistern haben ihre Betriebe deutlich bessere Zukunftschancen. Das ist das Ergebnis aktueller Analysen.

Den Meistern ist wichtig, ihr eigenes Können zu vermarkten, aber auch, Familientradition fortzusetzen. Daneben hat sich mit dem Anwachsen der Gründungstätigkeit in den sogenannten zulassungsfreien Handwerken, die keine besondere Qualifikation voraussetzen, auch das Ausweichen vor drohender oder bereits eingetretener Arbeitslosigkeit als ein wichtiger gewordenes Motiv zur Betriebsgründung entwickelt. Allerdings scheitern auch viele von ihnen: Nur 36 % der Betriebe, die im Jahr 2007 von diesem Personenkreis in das Handwerksverzeichnis für zulassungsfreie Gewerbe eingetragen worden sind, existieren heute noch.

Betriebe von Meistern bestehen länger

Dagegen sind die Unternehmensgründungen von Meistern aus dem gleichen Jahr deutlich bestandskräftiger: im Vollhandwerk (Berufe mit Meisterpflicht) existieren 66 % der von Meistern gegründeten Firmen weiterhin; in den zulassungsfreien Handwerken sogar 73 % der Betriebe mit einem meisterqualifizierten Inhaber. Neben dem fachlichen Vorsprung ist nach Erkenntnis der Kammerbetriebsberatung eine hohe Eigenmotivation das „größte Überlebens-Plus“ der qualifizierten Gründer und Übernehmer, so Kammerpräsident Schulhoff. „Eine geringe Neigung, sich beraten oder gar nachqualifizieren zu lassen, ist das existenziellste Handicap schwach qualifizierter Existenzgründer“.

Wichtigste konkrete Auslöser für den Gründungsschritt liegen im „richtigen Zeitpunkt“: wenn mehrere Voraussetzungen wie bewältigte Aus- und Fortbildung, Kapital, Geschäftsidee und Marktsituation (z.B. entdeckte Marktlücke) gleichzeitig „stimmen“. Auch Ereignisse im persönlichen Umfeld – etwa der Tod des Vaters und Firmeninhabers und die sich eröffnende Chance zur Firmenübernahme - sind häufig bekundete Schlüsselereignisse. Scheitern Gründer, so sind vor allem eine Unterfinanzierung (Ursache in 7 von 10 Fällen); und Informationsdefizite (bei 60%) sowie Qualifikationsmängel (48%) die Hauptursache; gefolgt von Planungsfehlern und Familienproblemen (je 3 von 10 Fälle).

Gründungen trotz finanzieller Risiken

Gründungswillige im Handwerk trotzen bewusst vor allem hohen finanziellen Risiken. Diese betreffen Investitionskosten zwischen mehreren tausend bzw. zehntausend Euro für mobile Einbau-, Reparatur- und Wartungstätigkeiten und bis zu einer halben Million Euro etwa im Kraftfahrzeuggewerbe. Gründer sind sich der starken Arbeitsbelastung bewusst, die auf sie zukommt. Vom Land in den letzten zehn Jahren geförderte Neugründer und Neu-Übernehmer mit Meisterbrief sind im Schnitt 56 Stunden pro Woche tätig. Mit einer 40-Stunden-Woche kommen nicht einmal drei Prozent der Jungunternehmer mit Meistergründungsprämie aus.

FÖRDERUNG DER HANDWERKSKAMMER Zwischen 1.300 und 2.000 mal berät die Handwerkskammer Düsseldorf im Verlauf eines Jahres Existenzgründer und beim Übergang eines Handwerksbetriebs auf einen Unternehmensnachfolger. 2012 leistete die Anlaufstelle 723 mindestens dreistündige Existenzgründung sberatungen (davon 585 Neugründer) und 664 Nachfolgeberatungen (darunter 139 Übernehmer) im Vorjahr. Sie betreute damit jede sechste Existenzgründung (15,4%); das Gros davon im Meisterhandwerk.

Das Spektrum reicht vom Gründungslotsen über die betriebswirtschaftlichen Spezialisten bis hin zu Standort-, Formgebungs- und Technologieberatern. Sie sind in allen Fragen der Unternehmensführung zuhause: der Rentabilitäts-, Liquiditäts-, Investitionsplanung, der Kundengewinnung und –Bindung, Organisation und Mitarbeiterführung.

Die Handwerkskammer gibt außerdem ihr Votum ab für Beratungszuschüsse bei freiberuflicher Gründerberatung, für die Förderung von Coachings für Gründer während der ersten fünf Jahre der Existenzfestigung sowie für Hilfen der Agentur für Arbeit und für Zuschüsse aus dem Landesprogramm „Meistergründungsprämie“ für Gründer mit Meisterabschluss, die Arbeitsplätze schaffen. Diese erhalten 7.500 Euro Startkapital . Landesweit sind 14.000 qualifizierte Gründungen und Firmenübernahmen aus diesem Topf gefördert worden; rd. 70.000 Arbeitsplätze konnten speziell aus dieser Quelle gesichert oder neu geschaffen werden.

(Redaktion)


 


 

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