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In Zeitlupe zum Vollgas

Weltmeister-Gasturbine in eineinhalb Stunden vom Schiff verladen

„Papa, kann ich auch so 'ne Drohne haben?“ Papa oder auch Udo Brockmeier, Chef der Stadtwerke, lehnte gestern Vormittag entschieden ab. Wo doch die über dem Hafenbecken an der Lausward schwirrende Kamera-Drohne Sensationelles verhieß: die Verladung des Herzstücks von Düsseldorfs erneuertem, weltmeisterlichem Kraftwerk – die Gasturbine. Und daran nahmen neben Familie Brockmeier 100 weitere begeisterte Menschen teil.

In einwöchiger Fahrt war der 536 Tonnen schwere und 500 Millionen Euro Stahlkoloss per Schiff durch die Kanäle und über den Rhein nach Düsseldorf gekommen. Siemens hat das Gerät in Berlin gebaut, damit es Anfang 2016 als effizientestes Gas- und Dampfkraftwerk Weltrekorde einspielt und Düsseldorfs Energie-Vorreiterrolle bekräftigt. „Fortuna“, wie der neue Block auf der Lausward heißt, könnte eine Million Haushalte mit Energie versorgen – da hat Düsseldorf selbst als wachsende Stadt noch viel Luft nach oben. Die rekordverdächtig hohe Ausbeute rührt daher, dass außer Strom noch eine Menge Fernwärme erzeugt und durch die Stadt gepumpt wird.

Bevor es dazu kommt, muss die Gasturbine noch mit dem Generator und der Dampfturbine verknüpft werden, die nächste Woche aus Mülheim kommt, ebenfalls aus einem Siemens-Werk. Im Frühjahr 2015 wird die Gasflamme erstmals gezündet, ein Dreivierteljahr später kommt es zum Dauerbetrieb.

Nun drehte sich die Welt in Zeitlupe. Bei Sonnenschein um 8.30 Uhr wurden die dicken Kranseile um den 16 Meter langen Turbinenkörper im Schiffsbauch geschlungen. Zwei knallrote 750-Tonnen-Raupenkräne aus dem niederländischen Hengelo, die allein eine Miete zwischen 30.000 und 50.000 Euro wert sein sollen, begannen ihr einzigartiges Tagwerk. Marcel Broeders und Jan van Huus, die beiden Kranführer, die sich verstehen wie Zwillinge, hoben die Turbine in die Höhe. Sachte, ganz sachte landete beste deutsche Ingenieurskunst auf einem Transporter. Kurz vor 10 Uhr war das Manöver erfolgreich beendet.

Auf 192 Rädern rollte die Turbine im Schritttempo in die neue Halle. Nur 600 Meter. Der nächste Kran. Düsseldorfs Weltrekord kann beginnen.

(Bastian Berg)


 


 

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