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Investment für Hauseigentümer

Interview: Solaranlagen lohnen sich

Wer mit dem Gedanken spielt, eine Solaranlage auf seinem Dach zu installieren, der denkt oft an ökologische Effekte. Eine Photovoltaikanlage kann aber auch ein attraktives Investment sein. Dazu führte business-on ein Interview mit zwei führenden Experten aus dem Bereich Investment und Photovoltaik.

Neben dem ökolo- gischen Gedanken soll die Installation einer Solaranlage auf dem Dach eines Hauses natürlich auch eine solide Rendite abwer- fen. Dazu gibt es aber durchaus kritische Stimmen. Der Online-Renditerechner der Stiftung Warentest gibt dazu – je nach Berech- nungsgrundlage und Prämisse – aus, dass die Investition in eine Solaranlage kaum mehr als einen Infla- tionsausgleich bringt, in den Medien liest man von sinkenden Einspeisevergütungen. Grund genug, den Renditeerwartungen auf den Grund zu gehen. business-on.de sprach mit dem Finanzexperten Christoph Leichtweiß (CL) von YPOS-Consulting und Ariane Bischoff (AB) von LG Electronics Deutschland.

bon: Herr Leichtweiß, Sie sind kein Photovoltaik-Fachmann, sondern Sie beschäftigen sich mit volkswirtschaftlichen Zusammenhängen und verdichten diese für persönliche Bedürfnisse.

CL: Genau. Der Anleger kann nur die Rendite erwarten, die sich der Schuldner als Zins leisten kann. Aufgrund der hohen Gesamtverschuldung erwarten wir, dass die Zinsen und damit auch die realen Renditen dauerhaft niedrig bleiben werden. Ein Erhalt des Vermögens ist zunehmend schwieriger. Daher suchen wir stets nach Investitionen, die eine Chance auf einen realen Vermögenserhalt bieten. Eine Solaranlage ist im Grunde ein Investment wie jedes andere auch. Man investiert und erwartet einen Rückfluss. Wir (YPOS Consulting) haben uns für Kunden mit dem Thema beschäftigt, die mit der simplen Frage an uns herangetreten sind, ob es sich aufgrund der gesunkenen Einspeisevergütung noch lohnt, eine Photovoltaik-Anlage aufs Dach zu bauen oder nicht. Deshalb haben wir uns dem Thema strukturiert genähert und uns gefragt: Was bezahle ich und was kann ich erwarten? Dazu haben wir uns die Entwicklung der Gestehungskosten für solche Anlagen für Einfamilienhäuser über die letzten Jahre angesehen. 2006 lagen wir noch bei 20.000 bis 25.000 Euro für eine sinnvolle Anlagengröße bei einem Einfamilienhaus, mittlerweile bei ungefähr 6.000 bis 9.000 Euro, also eine Preisreduktion von rund 65%. Die Einnahmen sind gefallen, die Investitionskosten allerdings auch.

AB: In Deutschland haben wir ja die tolle Situation, dass man den produzierten Strom ins Netz einspeisen kann und Geld dafür bekommt. Mittlerweile ist es aber auch so, dass ein Teil des Stroms selbst verbraucht wird, um Stromkosten zu sparen. Dieser Gedanke spielte früher keine große Rolle, aber mittlerweile ist er ein wichtiger Beweggrund für die Installation. Auch der Ansatz, Strom für den Eigenverbrauch zu speichern, wird immer wichtiger. 

Bon: War die persönliche Einsparung nicht immer ein treibender Faktor?

AB: Das war sozusagen der Start, die erste Phase der Photovoltaik-Branche. Die zweite Phase, der eigentliche Boom, hat aber mit den Investoren eingesetzt, die ganz klar Rendite erzielen wollten. Jetzt beginnt die dritte Phase, in der es darum geht, Strom für den Eigenbedarf zu erzeugen und gleichzeitig Rendite zu erwirtschaften. Und durch die gesunkene Einspeisevergütung geht der Trend weg von den großen Solar-Freifeldanlagen, hin zu den kleinen Solaranlagen für Privathaushalte. Hier spielen auch emotionale Aspekte eine große Rolle. Und wir wissen ja alle, dass die Energiekosten eine stark steigende Tendenz haben.

CL: Bei einer Immobilieninvestition gehe ich ja sehr ähnlich vor. Ich muss mir auch anschauen, wie sich Mietspiegel im Verhältnis zu den Kaufpreisen der Immobilien entwickeln. Dazu kommen Prämissen für Instandhaltungskosten, Mietausfallrisiko usw. Genauso schaue ich mir auch bei Solaranlagen die zu erwartenden Einnahmen an. Nach dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) ist es so, dass die Einspeisevergütung ab dem Installationsjahr für 20 Jahre und das Anschaffungsjahr fixiert wird. Dazu nehme ich die durchschnittliche Globalstrahlung in der entsprechenden Region und ziehe die zu erwartenden Kosten ab. Im Schnitt kann man von ca. 6% Rendite ausgehen. Natürlich sind auch hier plausible Prämissen anzunehmen. Auf jeden Fall sind die Ergebnisse der Modellberechnungen so interessant, dass die Motivation für eine individuelle Kalkulation da sein sollte.

AB: Und man darf natürlich nicht Aspekte wie die Unabhängigkeit von großen Stromanbietern und den ökologischen Gedanken vergessen.

CL: Und natürlich muss ich die zu erwartende Rendite auch in das richtige Verhältnis zu verschiedenen Alternativen setzen. Dabei geht es auch immer um Risikoabwägung. Wenn man beispielsweise die Solar-Rendite mit sicheren und langlaufenden Staatsanleihen vergleicht, stellt man fest, dass die Staatsanleihen seit Anfang der 90er Jahre immer unattraktiver geworden sind, da die Renditen kontinuierlich sinken. Mittlerweile liegen wir dort bei nur noch rund 2 %. Auch die Renditen von Pfandbriefen und Unternehmensanleihen sind massiv gefallen. Um eine faire Vergleichbarkeit herzustellen, haben wir uns die erwarteten Renditen vor Steuern angesehen. Dabei sehen die Solarinvestitionen in Relation zu den aktuell am Kapitalmarkt erzielbaren Renditen sehr gut aus und liegen auf dem Niveau von Anleihen mit eher niedriger Bonität .

bon: Wie verhält sich der Strompreis zur Rendite?

CL: Im Augenblick liegt der Strompreis für Privathaushalte bei ca. 24 Cent, die Einspeisevergütung bei ca. 18 Cent pro KW/h. Wenn ein Solaranlagennutzer nun sein Verhalten dahingehend ändert, dass er vermehrt eigenen Strom verwendet, erhöht er natürlich ebenfalls seine Rendite. Mit anderen Worten: Speist er ein, erhält er nur 18 Cent, verbraucht er selbst, spart er 24 Cent. Bei steigenden Strompreisen wird dieser Zusammenhang natürlich noch interessanter.

AB: Hier muss man allerdings auch klarstellen, wie viel man vom produzierten Strom selbst nutzen kann. Bei einem typischen Vierpersonenhaushalt kann man durchaus auf realistische 20-30% kommen. Das Verhältnis kann man natürlich durch besonders stromsparende Geräte oder auch Anpassung des Verbrauchsverhaltens an die Stromerzeugung durch eine Solaranlage anpassen, indem man beispielsweise die Waschmaschine dann laufen lässt, wenn am meisten Strom produziert wird. 

CL: Steigende Eigennutzung, zeitliche Nutzungsanpassung und Speichersysteme können die erwartete Rendite positiv beeinflussen. Bei den Speichersystemen hat man zwar im Augenblick noch das Problem der relativ hohen Kosten, aber auch hier muss man wieder den Vergleich zu anderen Anlageformen sehen. Bei kapitalbildenden Lebensversicherungen beobachten wir gerade einen dramatischen Renditerückgang, während man bei Speichersystemen sowie Solaranlagen vom rasanten technischen Fortschritt sowie von den steigenden Energiepreisen profitieren kann. Auch die Entwicklung von Smart-Grid-Systemen, also der intelligenten Steuerung von Stromerzeugung und Stromverbrauch, ist in vollem Gange und kann sich positiv auf die Rendite auswirken. Bei einem festverzinslichen Wertpapier ist die maximale Rendite zur Fälligkeit gedeckelt, aber bei der privaten Solaranlage besteht zumindest die Chance auf mehr.

AB: Man muss auch erwähnen, dass ein – noch – verhältnismäßig teures Speichergerät nicht sofort angeschafft werden muss. Ein Speicher kann immer nachgerüstet werden, es gibt da keinerlei Kopplungsprobleme. Und auch ein Speicher, den man jetzt anschafft, lässt sich später modernisieren, da die einzelnen Module ausgetauscht werden können.

CL: Ich würde das Ganze gerne noch um die emotionalen Aspekte erweitern. Es lässt sich ja beobachten, dass Versicherer in Stromnetze und Windkraft investieren. So etwas bleibt nicht verborgen und strahlt auch in den privaten Bereich. Dort geht es ja angesichts der Krisenszenarien ganz stark um reale Vermögenserhaltung. Und so eine Anlage auf dem Dach hat einen ähnlichen Effekt wie eine Immobilie. Da ist etwas auf dem Dach, das kann ich anfassen, das gehört mir und es bringt mir Rendite. Die Rendite kann ich berechnen, die Emotion nicht. Auch ein Blick auf den Stromzähler wird dann emotional: Das niedrig verzinste Geld wurde in einen produktiven Sachwert getauscht. In Zeiten des Anlagenotstandes wird dieser Punkt immer bedeutender.

AB: Genau. Die Erfahrung zeigt uns, dass diese Werte sogar in der Nachbarschaft verglichen werden. Und letztlich kommt ja auch das gute ökologische Gewissen hinzu. Viele Endkunden berichten, dass Sie nach dem Kauf einer Solaranlage mehr für das Thema „Stromverbrauch“ sensibilisiert wurden und neben der sauberen Stromerzeugung durch Solarmodule auch über eine Reduzierung ihres Stromverbrauches nachdenken. Eine nicht verbrauchte kWh ist schließlich die umweltverträglichste und kostengünstigste Maßnahme. Einen Aspekt haben wir noch gar nicht betrachtet, nämlich die Wertsteigerung der Immobilie durch eine Photovoltaikanlage. Und die Anschaffung ist risikolos – wer heute eine Anlage kauft, ist kein First-Mover mehr. Man geht nicht das Risiko von Kinderkrankheiten ein, sondern erwirbt eine sichere und ausgereifte Technologie.

bon: Birgt eine Photovoltaikanlage denn auch Anlagerisiken?

CL: Natürlich hat eine Solaranlage, wie jede Form der Geldanlage, ihre eigenen Chancen und Risiken. Die Kernfrage ist immer identisch: Ist die erwartete Rendite eine angemessene Kompensation für die eingegangen Risiken? Aufgrund der Einnahmesicherheit durch das EEG und bei entsprechender Bonität des Garantiegebers der verwendeten Elemente ist das Chance-Risiko Profil interessant.

AB: Nein, eigentlich nicht. Wir geben langjährige Garantien auf die Anlagen. Nach 25 Jahren produzieren die Anlagen immer noch mindestens 80% der Strommenge der Neuanlage. Und das ist keine spezielle Garantie von LG, sondern in der Branche üblich. Bei LG verlässt keine Anlage ohne Qualitätsprüfung die Fertigung – und unsere interne Prüfung übertrifft die TÜV Normen erheblich. Und wo sonst erhält man 25 Jahre Herstellergarantie auf ein Produkt?

CL: Genau, und übertragen Sie die Betrachtungsmechanismen bei anderen Kapitalanlagen auch auf Solaranlagen. Schauen Sie sich den Garantiegeber an! Ist es ein Weltkonzern, der die Garantie gibt oder nur ein Kleinunternehmen oder eine ausgelagerte GmbH?

bon: Zum Abschluss noch die Frage: Gibt es für Interessierte Investoren realistische und seriöse Beispielrechnungen?

AB: Ja, beispielsweise beim Bundesverband Solarwirtschaft, dessen Website eine gute Anlaufstelle ist.

(Redaktion)


 


 

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