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  • 18.07.2011, 08:37 Uhr
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  • Ratingen / Düsseldorf
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Interview mit Marcus Vogel, IT-Experte

Am Schluss bleiben nur noch Tastatur und Monitor übrig

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Heiß diskutiertes Thema in den Unternehmen bleibt aktuell die neue IT-Revolution „Cloud Computing“, also das Outsourcing von Rechenleistungen. IT-Experte Marcus Vogel, sieht die Vorteile vor allem beim Mittelstand und zerstreut bedenken. Der Vorstand der bluvo AG, einem Systemhaus aus Ratingen, rät im business-on-Interview zu zielstrebigem Vorgehen.

Kann man in wenigen Worten erklären, was der Clou am Cloud Computing ist?

Marcus Vogel: Ich mache das gerne an einem Beispiel fest: Nur weil ein Unternehmen Briefpapier benötigt, besitzt es keine eigene Papierfabrik oder Druckerei. Bei der IT machen sie es aber. Die meisten Unternehmen betreiben die IT im eigenen Haus: mit Server, Kabeln, Rechnern und Software. Umstellungen sind meist gleichbedeutend mit großen Investitionen, langen Planungsphasen und der Installation mit entsprechenden Ausfallzeiten. Beim Cloud Computing übertragen Sie die Aufgaben an einen Spezialisten. lagern Sie all das aus. Sie beauftragen eine Druckerei, die ihr Briefpapier druckt. Sie bezahlen nur, was sie wirklich benötigen, sind aber automatisch immer auf dem neuesten Stand.

Für welche Unternehmen lohnt sich Cloud Computing?

Marcus Vogel: Das lässt sich nicht pauschal sagen. Das muss man einfach durchrechnen und vergleichen. Grundsätzlich kann man sagen: Je größer das Unternehmen, desto geringer sind die Effekte. Für kleine und mittelständische Unternehmen ist Cloud Computing in aller Regel die bessere und wirtschaftlichere Lösung. Kleinere Unternehmen betreiben − gemessen an ihrer Größe − einen verhältnismäßig hohen Aufwand für die IT. Sie müssen eine Infrastruktur unterhalten, die auch für die doppelte oder gar dreifache Größe ausreichen würde.

Welche Vorteile hat Cloud Computing für Unternehmen?

Marcus Vogel: Unternehmen haben drei Vorteile: Zum einen brauchen sie keine eigene Infrastruktur mit Server mehr, die ja auch regelmäßig erneuert werden muss. Sie haben trotzdem automatisch immer die passende Rechenleistung und die aktuellsten Software-Versionen, ohne Lizenzen auf Vorrat kaufen zu müssen, die manchmal gar nicht genutzt werden. Zweitens müssen sie sich nicht mehr um jedes Detail selbst kümmern. Ihre IT-Fachleute können produktiv Lösungen entwickeln. Und zu guter Letzt: Wenn ein Unternehmen neue Anforderungen an seine IT hat, lassen die sich viel leichter und schneller umsetzen. Da gibt es also schon ein paar Vorteile, die einen zum Nachdenken bringen können.

Ist Cloud Computing auch wirtschaftlicher?

Marcus Vogel: In den meisten Fällen schon. Die Unternehmen haben weniger internen Aufwand für Wartung und Verwaltung − bei höheren Leistungen. Sie zahlen nur Leistungen, die sie wirklich brauchen. Die Kosten können flexibel der Situation angepasst werden und sind exakt kalkulierbar. Im Prinzip weiß der Unternehmer: ´Ein Mitarbeiter kostet mich Summe X an Lohn, Steuer und Sozialversicherung´. Beim Cloud Computing kommt ein fester Satz für den Arbeitsplatz hinzu. Fertig. Und eines darf man auch nicht unterschätzen: Bei einem Serverausfall ist der wirtschaftliche Schaden enorm. Im externen Rechenzentrum sind solche Ausfälle nahezu ausgeschlossen. Ich gehe davon aus, dass die meisten Unternehmen in einigen Jahren im Büro nur noch Maus, Tastatur und Monitor haben werden. Alles andere erledigen andere.

Sicherheit ist ein gutes Stichwort: Wie sicher ist Cloud Computing?

Marcus Vogel: Cloud Computing ist sicherer als die IT in den meisten Unternehmen. Das betrifft den Schutz der Daten genauso wie die Verfügbarkeit. Die Rechenzentren sind spezialisiert und können einen viel größeren Aufwand betreiben als der Mittelständler. Sie haben immer die aktuellste Technik und neuste Software. Und sind besser gegen Einbruch geschützt. Da können Sie keinen Rechner mitnehmen und haben dann sofort Zugriff auf alle Firmendaten. Ganz nebenbei verfügen die Rechenzentren auch über redundante Notstromversorgung und mehrfache Internetverbindungen.

Und die Auslagerung sensibler und geschäftsrelevanter Daten?

Marcus Vogel: Wie bei jeder Partnerschaft, braucht es auch in diesem Fall einen Partner, dem man vertrauen kann. Ich muss anhand harter Fakten prüfen, wie gut die Daten vor einem Zugriff von Unbefugten geschützt sind. Und ich kann prüfen, was der Anbieter tut, um die Verfügbarkeit zu gewährleisten.

Ein Unternehmer soll sich das gesamte System erklären lassen, mit der das sichergestellt wird; von der Redundanz der Internetanbindung bis zur Notstromversorgung oder auch der Zutrittskontrolle.

Begibt sich ein Unternehmen nicht in Abhängigkeit von einem Dienstleister?

Marcus Vogel: Natürlich, aber sie sind ja auch abhängig vom Stromanbieter, dem Internetprovider, der Müllabfuhr und der Arbeitsleistung Ihrer Mitarbeiter. Ehrlich gesagt, finde ich die Abhängigkeit wesentlich weniger schlimm als manch andere. Sie sind auch von der Gesundheit Ihrer IT-Mitarbeiter abhängig. Das braucht sie bei einem Dienstleister nicht interessieren. Den kann ich mit Verträgen motivieren und zwingen, seinen Job zu erledigen. Wenn ein verantwortlicher IT-Mitarbeiter geht, habe ich gar keine Möglichkeiten mehr.

Eines ist jedoch wichtig: Man sollte wie bei einem Ehevertrag schon im Vorfeld das Ausstiegsszenario diskutieren. Was passiert, wenn ich aussteigen oder den Anbieter wechseln will? Das sollte ganz genau festgelegt werden, damit es nicht zu unliebsamen Überraschungen kommt.

Und wie finde ich den richtigen Anbieter?

Marcus Vogel: Wie bei allen anderen Investitionen auch: Schauen Sie sich um, stellen Sie Fragen und lassen Sie sich alles erklären. Die meisten Unternehmen haben ja auch IT-Mitarbeiter, die sich damit auskennen. Oder Sie holen ein Systemhaus wie die bluvo AG hinzu, das den gesamten Job für Sie erledigt. Wir prüfen die Dienstleister auf Herz und Nieren und holen auch Informationen bei der Creditreform ein, um sicher zu gehen, dass nicht die Finanzen die Achillesferse sind.

Gibt es denn überhaupt keine Nachteile?

Marcus Vogel: Einen allgemeingültigen Nachteilgibt es genauso wenig wie einen allgemeingültigen Vorteil. Jedes Unternehmen muss prüfen, ob das Cloud Computing hilft, die eigenen Anforderungen und Bedürfnisse optimal und wirtschaftlich zu unterstützen.

Wenn ein Unternehmer emotional Probleme hat, seine Daten auszulagern oder in gewissem Maße abhängig zu sein, dann sollte man ihn nicht zu seinem Glück zwingen.

An einer Stelle ist allerdings Vorsicht geboten: Bei hochsensiblen Daten, zum Beispiel in der Rüstungsindustrie oder bei Patientendaten, haben wir ein juristisches Problem, weil die Unternehmen die Haftung nicht übertragen können. Die Daten des Arztes sind bei einem externen Dienstleister zwar sehr viel sicherer, aber wenn er sie auf dem eigenen Rechner hat, ist seine Argumentation im juristischen Sinne einfacher.

Wenn immer mehr Unternehmen auf Cloud Computing setzen, erzeugt das nicht Druck auf die Hersteller, die Preise für Hardware zu senken. Macht Cloud Computing die Hardware billiger?

Marcus Vogel: Ich gehe nicht davon aus, dass die Hardware günstiger wird. Als Unternehmer brauche ich nur weniger. Die Kosten pro Arbeitsplatz sinken. Vergessen Sie nicht die Energiekosten. Ein PC braucht 100 Watt je Stunde. Wenn ich alles auslagere und nur noch Maus, Monitor und Tastatur übrig bleiben, sind es nur noch zehn Watt. Das macht sich auch bei einem Mittelständler schnell bemerkbar.
Ein Nebenaspekt ist übrigens, dass Cloud Computing sogar dem Klima nutzt, weil die Energieeffizienz bei einem Dienstleister viel größer ist. Es ist in dessen ureigenem Interesse, Strom zu sparen.

Wenn ein Unternehmen Infrastruktur und Daten bei sich wartet, kann es sehr schnell reagieren, nämlich sofort. Spricht das gegen Cloud Computing?

Marcus Vogel: Das ist doch eine Frage der Verträge. Bei kritischen Betriebsstörungen etwa sollte der Anbieter in einer Stunde reagieren können. Und alles andere ist ohnehin Teil eines längeren Prozesses.

Und der Beginnt immer mit strategischen Fragen. Insofern ist es schon einmal wichtig, sich mit Fragen der IT-Aufgaben und -Effizienz zu beschäftigen. Und nur danach kann man bewerten, ob Cloud Computing für ein Unternehmen Sinn macht.

(Redaktion)



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Bild Nr. 1 © bluvo


 

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