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  • 24.04.2013, 03:00 Uhr
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  • Düsseldorf/St. Pölten
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Journalistische Falschmeldungen

Segen und Fluch Social Media

Social-Media-Portale sind für Medien ein zweischneidiges Schwert. Sie können wichtige Informationen in Echtzeit zur Verfügung stellen, aber auch das Risiko von Falschmeldungen beinhalten. Inhalte können nicht immer der journalistischen Sorgfaltspflicht entsprechend kontrolliert und recherchiert werden.

Es sind nicht mehr nur Journalisten, die über aktuelle Ereignisse informieren, denn über soziale Netzwerke ist es heute jedem möglich, Informationen an die Öffentlichkeit zu tragen, ohne sie jedoch adäquat zu überprüfen und zu verifizieren. "Es kommt immer auf das Genre und den Sachverhalt einer Diskussion an. Aber grundsätzlich sehe ich Social Media als positiv für den Nachrichten-Journalismus", schildert Jan Krone von der FH St. Pölten. Aufgrund der unzähligen Hobby-Journalisten auf sozialen Portalen müssten sich Berufsjournalisten viel mehr anstrengen, um richtige Informationen aus der Masse zu filtern. "Social-Media-Aktivitäten der Individuen disziplinieren Journalisten."

BBC mit vorbildlicher Boston-Berichterstattung

Soziale Netzwerke bieten zudem mehrere Recherche-Optionen. "Die BBC News hat zum Bombenanschlag in Boston beispielsweise die beste Berichterstattung geliefert, was 'Eye-Witness' angeht", fügt der Experte hinzu. Die zahlreichen Twitter-Meldungen wurden sortiert, gefiltert und die jeweiligen Personen dazu befragt. Diese Zusammenstellung wurde den Lesern dann als Orientierung zur Verfügung gestellt. Eine solch aufwendige Recherche stelle jedoch häufig ein ökonomisches Problem dar. "Dazu wird viel Personal benötigt, was sich nur wenige leisten können", ergänzt Krone.

Masse an Falschmeldungen aus Boston

Der Beruf des Journalisten wird laut Jan Krone weiterhin erhalten bleiben. "Hobby-Journalisten schildern lediglich Eindrücke und haben gar nicht die Fähigkeit, die Zeit und das Interesse, Informationen nachzuverfolgen und zu überprüfen. Aus diesem Grund ist der Berufsjournalist unerlässlich und notwendiger denn je", stellt Krone fest. Gerade die Boston-Katastrophe war geprägt von einer Masse an Falschmeldungen. Entscheidend ist der Ehrenkodex des Journalismus. "Der wird zwar oft als pathetisch bezeichnet, aber das sind die Grundwerte. Es liegt an den Journalisten selbst, die Glaubwürdigkeit sicherzustellen", schließt Krone ab.

Kommentar

Michael Krisch, Lehrgangsleiter Social Media an der DAMK Düsseldorfer Akademie für Marketing-Kommunikation kommentiert: "Geschwindigkeit spielt in der journalistischen Berichterstattung schon immer eine wichtige Rolle. Gerade deshalb kann ein Echtzeitmedium wie Twitter ein wertvolles journalistisches Werkzeug darstellen. Twitter ermöglicht es zum Beispiel wichtige Trends und Themen frühzeitig zu erkennen. Beteiligte können recherchiert und direkt zitiert werden. Um Dienste wie Twitter sinnvoll einzusetzen, ist es wichtig, sich intensiv mit den Möglichkeiten und Grenzen auseinander zusetzen. Der ungefilterte Strom an frei verfügbaren Echtzeit-Informationen erfordert eine gewisse digitale Kompetenz, um Meinungsführer zu identifizieren und den richtigen Personen zu folgen. Trotz Konkurrenzkampf darf Geschwindigkeit am Ende niemals vor Richtigkeit stehen, wie es im Fall der Boston-Attentate teilweise leider passiert ist. Soziale Medien stellen den Rahmen und die Funktionen, um Informationen zu teilen. Diese zu prüfen, auszuwerten und in den richtigen Kontext einzuordnen ist und bleibt Aufgabe des Journalisten."

(Redaktion)


 


 

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