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Aus der Bahn

Kommunikation im Nahverkehr: Ohren auf!

Es ist schon erstaunlich was Menschen alles von sich preisgeben. Nicht nur bei Facebook und Co., die Selbstoffenbarung hat längst das analoge Alltagsgeschehen erreicht - beispielsweise im ÖPNV (Öffentlicher Personennahverkehr). Dieses Potenzial schöpft unsere Autorin bei ihren Fahrten in Bus und Bahn aus.

Warum andere Leute es immer besser wissen

Heute im Bus. Eine ältere Dame mit Einkaufstrolley setzt sich neben mich. Ich mache ihr Platz und versuche freundlich zu wirken. Ehe ich mich versehe, verwickelt sie mich in ein Grundsatzgespräch. Mitleidig guckt sie mich an und sagt, dass junge Leute es so schwer haben in der heutigen Zeit. Dann zeigt sie mir drei Bücher, die ich lesen müsste. Eines handelt von dem inneren Kind, das jeder  im Laufe seines Lebens finden müsse.Unbedingt.

Wo mein inneres Kind geblieben ist, weiß ich genau. Es ist irgendwann, geprägt durch Lehrpläne und Grundseminare, zwischen Mensch-Ärgere-Dich-Nicht und meiner ersten Steuererklärung alleine auf dem Spielplatz sitzen geblieben. Darüber bin ich ganz froh, war die kleine Caro doch eher zahnlückenbehaftet und etwas naiv.

Die Dame setzt ihren Monolog fort und wettert gegen eben jene jungen Leute, die nicht mehr wissen, was echte Werte sind. Früher, da war alles besser, sagt sie.

Ich versuche deutlich zu machen, dass bisher jede Dekade ihre Vor- und Nachteile hatte. Früher war es anders, jedoch nicht weniger kompliziert als es heute ist.

Sie belächelt mich und schlägt vor, dass wir in zehn Jahren noch einmal miteinander reden.

Es ist das typische Verhalten, das ältere Menschen gegenüber jüngeren oftmals haben. Die Generation 4.0 ist durch Digitalisierung und das IoT definitiv anders geprägt, birgt aber gleichzeitig generationsübergreifend Chancen. So könnten die Millenials doch die Gelegenheit nutzen, um von den Älteren zu lernen und gleichzeitig in einen Dialog mit der Generation 60+ treten, um ihr die Angst vor der Gegenwart zu nehmen. Das wäre dann sozusagen eine Win-Win-Situation.

Vieles scheitert daran, dass ältere Menschen mit dem schnellen Wandel nicht mehr zurechtkommen und sich deswegen ausgeschlossen fühlen. Dafür brauchen sie einen Schuldigen. Das sind dann entweder die Jüngeren, die Ausländer oder die Politiker.

Vielleicht ist die jüngere Generation aber auch in der Pflicht, offensiv gegen die klischeebehaftete Perspektive anzugehen, dass in der heutigen Zeit alles so furchtbar schlechter ist als "damals". Man könnte zum Beispiel auf eben jene Kaliber, wie ich eines im Bus getroffen habe, zugehen und sie fragen, was sie von der Zukunft erwarten.

Stellt man diese Frage, so kommt man oftmals zu dem Schluss, dass es gar nicht darum geht aktiv etwas zu ändern, sondern dass die wechselseitige Toleranz für sein Gegenüber das Problem schon lösen würde.

Weltschmerz 4.0

Viele Menschen haben ihr inneres Kind noch nicht gefunden und konnten es demnach nicht auf dem Spielplatz zurücklassen. Das macht irgendwann unglücklich. Und genau das führt dazu, dass man – übrigens generationenübergreifend – gegen alles und jeden wettert.

Als ich der älteren Dame das versuche näher zu bringen, rechtfertigt sie sich mit der Tatsache, dass sie drei Kinder großgezogen habe und daher gar keine Zeit für anderes gehabt hätte. Leider muss sie in diesem Moment auch aussteigen.

Ich rufe ihr hinterher, dass sie mehr Bücher lesen solle.

(Carolin Kirchhoff)


 


 

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