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Konjunktur Düsseldorf/Mittlerer Niederrh

Gute Auftragslage, wenig Investitionen

Bei den Unternehmen in Düsseldorf und am mittleren Niederrhein herrscht eine positive Stimmung. Die Auftragslage ist gut und die Erwartungen an das Restjahr sind gut, auch wenn die Ukraine-Krise als Risiko gesehen wird. Auch die geringe Investitionsbereitschaft trübt die Stimmung ein wenig.

Zu diesem erfreulichen Lageeinschätzung kommt eine Konjunktur-Blitzumfrage der Industrie- und Handelskammern Düsseldorf und Mittlerer Niederrhein, an der knapp 400 Betriebe aus der Region teilgenommen haben. „Die hiesige Wirtschaft befindet sich zwar im Aufschwung, allerdings bereitet uns die schwach ausgeprägte Investitionsbereitschaft der Betriebe derzeit Sorge“, sagt Dr. Dieter Porschen, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein. Risiken sieht die Industrie- und Handelskammer zudem in der aktuellen Arbeitsmarktpolitik der Bundesregierung sowie im schwelenden Russland-Ukraine-Konflikt.

Privater Konsum bringt Konjunktur in Fahrt

40 Prozent der Unternehmen melden eine gute Lage, nur 11 Prozent bewerten ihre Geschäfte derzeit negativ. Damit ist der Saldo zwischen Gut- und Schlecht-Antworten seit Jahresbeginn von 25 auf 30 Punkte gestiegen. „Die Konjunktur hat seit dem Jahresbeginn etwas Fahrt aufgenommen. Vor allem der private Konsum hat dazu beigetragen“, sagt Porschen. Insbesondere der Großhandel meldet eine spürbar bessere Lage, während sich die Stimmung bei den Investitionsgüterproduzenten wie dem Maschinenbau – auch aufgrund des rückläufigen Auslandsgeschäfts – deutlich eingetrübt hat. „Die schwächelnde Geschäftslage dieser besonders wertschöpfungsstarken Branche kann sich über Zulieferbeziehungen schnell auf andere Branchen auswirken“, erklärt Porschen. „Dies zeigt, dass der Aufschwung noch nicht nachhaltig gefestigt ist.“

Optimistische Erwartungen

Die Erwartungen für die Geschäftstätigkeit im Jahresverlauf sind weiterhin optimistisch. Jeder dritte Betrieb erwartet eine Verbesserung der Geschäftslage, nur fünf Prozent der Unternehmen rechnen mit schlechteren Geschäften im Jahresverlauf. „Der Saldo zwischen Besser- und Schlechter-Antworten liegt damit zwar immer noch auf einem hohen Niveau, allerdings hat er sich von 34 auf 27 Punkte verschlechtert“, so Porschen. In der Industrie sind die Geschäftserwartungen allerdings deutlich zurückgegangen. Nur noch 32 Prozent – nach zuvor 49 Prozent – der Betriebe erwarten eine Verbesserung der Geschäfte. Der Anteil der Unternehmen, die mit einer Verschlechterung rechnen, liegt aber auch in dieser Branche bei lediglich 5 Prozent – nach zuvor 9 Prozent. „Dieses Ergebnis lässt eine etwas geringere Dynamik des Aufschwungs vermuten. Insbesondere die Vorleistungsgüterproduzenten haben ihre Erwartungen zurückgeschraubt. Diese Branche, zu der unter anderem die Chemische Industrie gehört, gilt als guter Gradmesser für die weitere Konjunkturentwicklung“, erklärt Porschen.

China schwächelt, Russland und Ukraine kriseln

Als Grund für die etwas eingetrübte Erwartungshaltung in der Industrie und als Risiko für die weitere wirtschaftliche Entwicklung stellen die Industrie- und Handelskammern insbesondere die Auslandsnachfrage heraus. Nicht einmal jedes vierte Industrieunternehmen erwartet einen Anstieg der Exporte in den kommenden 12 Monaten. Zu Jahresbeginn rechneten noch 38 Prozent der verarbeitenden Betriebe mit einem Exportplus. „Dies liegt an der nachlassenden Dynamik der Schwellenländer wie China sowie an der Russland-Ukraine-Krise“, erläutert Porschen. Bei der Frage nach den bedeutendsten Wirtschaftsrisiken nennen mittlerweile 39 Prozent der Industriebetriebe die Entwicklung der Auslandsnachfrage. Zu Jahresbeginn lag dieser Wert noch bei 32 Prozent.

Geringe Investitionsbereitschaft

Mit Sorge beobachten die Experten der Industrie- und Handelskammern die schwach ausgeprägte Investitionsbereitschaft der Unternehmen. Nicht einmal jedes vierte Unternehmen plant eine Erhöhung seiner Investitionen, knapp jeder fünfte Betrieb möchte die Investitionsbudgets im Inland senken. In der Industrie und insbesondere bei den Investitionsgüterproduzenten ist die Investitionsbereitschaft noch geringer. „Nur wenn die Wirtschaft investiert, kann sich der Aufschwung nachhaltig entwickeln. Die Unternehmen sind trotz der günstigen Finanzierungsbedingungen allerdings verunsichert“, argumentiert Porschen, der dies auch auf die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland zurückführt. „Energiepreise und Arbeitskosten sind hierzulande überdurchschnittlich hoch und wurden uns auch in dieser Umfrage wieder als bedeutende Konjunkturrisiken genannt.“

Nur geringfügige Beschäftigungseffekte

Die insgesamt gute Geschäftslage dürfte sich zudem nur geringfügig auf die Beschäftigtenzahl auswirken. 23 Prozent der Unternehmen wollen die Zahl ihrer Mitarbeiter erhöhen, 15 Prozent planen eine Reduzierung. In der Industrie überwiegen jedoch die Unternehmen, die von einem Rückgang ihrer Beschäftigtenzahl ausgehen. „Dies dürfte auch ein erster Effekt der arbeitsmarktpolitischen Vorhaben der Bundesregierung sein“, erklärt Porschen. Bei der Einführung des Mindestlohns sei Vorsicht geboten: „Die von den Gewerkschaften bei den Mai-Kundgebungen kritisierten Ausnahmetatbestände sind notwendig, um bestimmten Bevölkerungsgruppen wie Langzeitarbeitslosen und Jugendlichen ohne Berufsabschluss den Weg in den ersten Arbeitsmarkt zu erleichtern.“

(Redaktion)


 


 

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