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Kunden droht mit Next Generation Network neue Servicewüste

Die Abschaltung der deutschen Telefonnetze schreitet voran. Festnetz-Anbieter wie Arcor und Hansenet stellen den Telefonanschluss bereits über das IP-Netz bereit. Die Deutsche Telekom zieht 2012 nach. Anstatt von Voice over IP sprechen die Netzbetreiber jedoch von 'Next Generation Network' (NGN). Ziel der Namensgebung ist eine möglichst starke Abgrenzung zu alternativen VoIP-Diensten.

"Verbraucher wissen in der Regel nicht, dass NGN gleich VoIP ist, NGN ihnen aber zentrale Vorzüge der Internet-Telefonie vorenthält", sagt Thilo Salmon, Geschäftsführer der indigo networks GmbH, Anbieter von sipgate. "Für VoIP-Provider wie sipgate ist die begriffliche Distanz deshalb ein strategischer Vorteil."

So ist bei NGN-Anbietern der Telefonservice erneut fest an den Breitbandanschluss gekoppelt. Eine separate Buchung ist entgegen dem Markttrend ausgeschlossen. Zusätzlich werden Kunden weitgehend zur Nutzung der NGN-Telefonie gezwungen, da die Betreiber-Hardware den Einsatz anderer VoIP-Provider nicht duldet. Mittels alternativer Anbieter günstiger in die Mobilfunk- und Auslandsnetze zu telefonieren, wird damit unmöglich. Von Nachteil ist weiter, dass bei Vertragskündigung sowohl Internetzugang als auch Telefondienst verloren gehen. NGN bevormundet Verbraucher folglich nicht nur in ihrer Nutzung, sondern erhöht zugleich die Abhängigkeit vom Zugangsanbieter.

Einschränkungen bestehen auch bei der Funktionalität. Ein wesentlicher Vorteil von Voice over IP ist die Nutzung von unterwegs. So sind sipgate Kunden auf Reisen an jedem Breitbandanschluss weltweit per Telefon-Software oder VoIP-fähigen Handy unter ihrer Ortsrufnummer erreichbar. Da der Anschluss in Deutschland registriert ist, fällt für Telefonate in die Heimat nur der deutsche Tarif an. Next Generation Network verzichtet auf diesen Komfort und schließt die nomadische Nutzung aus.

Kaum Service bietet NGN ebenfalls in Sachen Hardware-Unterstützung. Drehscheibe der NGN-Nutzung ist das so genannte IAD (Integrated Access Device). An dieses wird das heimische Festnetz-Telefon angeschlossen. Nicht unterstützt werden VoIP-fähige Telefone, die über zusätzliche QoS (Quality of Services) sowie deutlich mehr Funktionen verfügen. Ebenso werden GSM/Wifi-Handy unbrauchbar. Damit wird Kunden das Wahlrecht genommen, die Hardware einzusetzen, die ihren Anforderungen sowie dem technischen Fortschritt entspricht.

Aufgrund des offenen Standards wird das von VoIP-Providern verwendete SIP-Protokoll und dessen Möglichkeiten weltweit weiterentwickelt. Davon profitiert auch Audioqualität. So erlauben Wideband-Codecs inzwischen eine Sprachgüte auf Hifi-Niveau. Der Einsatz steht jedem Kunden der alternativen Anbieter offen. NGN-Nutzer können dagegen ausschließlich auf die Betreiber-Technik zugreifen und telefonieren deshalb weiterhin in Festnetz-Qualität.

Im Ergebnis ist NGN für Festnetz-Kunden ein Rückschritt. Errungenschaften, wie die erst seit kurzem existierende Möglichkeit den Breitbandzugang unabhängig zum Telefonanschluss zu bestellen, werden mit NGN zunichte gemacht. Technischer Fortschritt und die mobile Nutzung des Anschlusses bleiben ebenso außen vor wie die freie Wahl des Endgerätes.

Nach Einschätzung von sipgate verfolgen die Netzbetreiber mit NGN das vorrangige Ziel, nicht den Service sondern vor allem die Gewinnmarge deutlich zu verbessern.

(Redaktion)


 


 

Next Generation Network
Thilo Salmon

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