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KUNSTSZENE

Abseits des Mainstreams

Jerome Stöhr und Norman Schüler sind zwei aufstrebende Künstler, die zusammen unter dem Namen KunstRaub fungieren. Dabei kreieren sie ihre Gemälde mit Graffiti-Spraydosen auf Plexiglasscheiben und sind so an die Streetart-Kunst angelehnt. Die sogenannte Hinter-Glas-Malerei ist eine neue Form der Kunst, die in Düsseldorf Einzug hält.

Jerome Stöhr gründete das Format 2013, als er ein Praktikum bei Emil Schult absolvierte. Kurz darauf holte er Norman Schüler mit ins Boot. Zusammen haben sie die Technik immer weiter ausgebaut. Sie arbeiten spiegelverkehrt hinter einer Plexiglasscheibe und bringen ihre Kunst mit Skalpell und Spraydose zum fertigen Gemälde.

Soll beispielsweise ein Flugzeug-Bild entstehen,zeichnen sie eine Skizze. Die Vorlage wird dann vergrößert, die 1x1-Meter große Plexiglasscheibe mit einer durchsichtigen Folie überzogen. Statt des Pinsels verwendet das Künstler-Duo ein Skalpell. Das Flugzeugmotiv wird in die Folie eingeschnitten, bevor die Folie im Nachhinein abgezogen wird. Anschließend sprühen sie die Graffiti-Farbe auf das Glas, so dass ein Bild entsteht.

Kreativ entfalten kann sich Jerome Stöhr bereits im Studium im Bereich Retail-Design an der Fachhochschule Düsseldorf. In seinem Studiengang ist er allerdings der Einzige, der sich auf die Kunstszene spezialisiert hat. Seine Kommilitonen richten den Fokus eher auf Interior-Design.

Norman Schüler hat vier Semester Wirtschaftsingenieurwesen studiert, bevor er sich entschieden hat, dass ein Bürojob so gar nichts für ihn ist. Die Kunstszene in Düsseldorf sei schon immer elitär, sagt er, weil man für alles ein Kunststudium an der Akademie braucht, wenn man wirklich erfolgreich sein will.

Die beiden sind überzeugt, dass man es auch auf eigene Faust schaffen kann.

Dass das Künstler-Duo abseits des Mainstreams arbeitet, zeigt sich auch in ihren Ausstellungen. 2016 begannen sie ihre erste Ausstellung in der Galerie Merkelbach, seitdem veranstalten sie regelmäßige Performances, bei denen sie nicht nur ihre Kunst ausstellen, sondern mit bekannten Gesichtern aus der DJ-Szene zusammenarbeiten. So kommt es schnell zu einer gut besuchten Vernissage mit 300 Gästen im 440 Quadratmeter großen Atelier an der Humboldtstraße.

Die Plexiglasbilder sind ihr Aushängeschild, aber die beiden wollen ihren künstlerischen Anspruch in viele Bereiche öffnen. So stellen sie auch in Restaurants, Bars oder Sneaker-Läden ihre Bilder in Form einer Dauerausstellung aus.

"Es ist, glaube ich, nicht verkehrt, wenn man stetig im Wandel ist, aber es muss halt alles ausgearbeitet sein und es muss der richtige Zeitpunkt dafür sein", sagt Norman Schüler. Und Jerome Stöhr fügt hinzu: "Mit unserer provokativen Kunst und der ausgefallenen Technik stoßen wir schnell an Grenzen."

Daher ist der Sprung ins Ausland vielleicht effektiver. Sie sind dabei sich in Düsseldorf zu etablieren, doch müssen sich Graffitikünstler in Düsseldorf immer noch ihren eigenen Raum schaffen. "Es gibt in Düsseldorf große Lehrmeister, die wirklich viel erreicht haben, aber genau deswegen wird auch nur das gelehrt und es gibt wenig Spielraum für Neues", sagt Norman Schüler.  Jerome Stöhr fügt hinzu: "Man sieht einfach viel vom gleichen Stil, es gibt keine große Vielfalt an verschiedenen Stilen, sondern es ist fast schon eintönig." KunstRaub traut sich, eigene Wege zu gehen.

Die Preise ihrer Bilder gehen bei 3.000 Euro los, vereinen sich in der gemeinsamen Technik und sind prinzipiell in schwarze Rahmen gefasst. In der Zukunft wollen sie ihre Kunst am liebsten in Asien und Südamerika vertreiben, da die Streetart-Szene dort schon etablierter ist als in Deutschland.

Neugierig? Von 24.-29. August 2018 läuft die Ausstellung "Three Doors" im Reinraum e.V., Adersstraße 30. Die Vernissage am 24. August beginnt um 19.00 Uhr.

(Carolin Kirchhoff)


 


 

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