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Deutsch-Niederländische Handelskammer

Bedauern über NRW-Stopp für Gigaliner

Der beschlossene Teststopp für so genannte Riesen-Lkw in Nordrhein-Westfalen und Thüringen stößt jenseits der Grenze auf Enttäuschung bei Transportunternehmen.

Die Deutsch-Niederländische Handelskammer (DNHK) kritisiert die Entscheidung der beiden Bundesländer als vertane Chance. „Der bundesweite Feldversuch Anfang 2011 soll doch gerade nachweisen, ob durch den Einsatz längerer Fahrzeuge die Straßen entlastet und die Umwelt geschont werden“, sagt DNHK-Geschäftsführer Axel Gerberding. „Es macht keinen Sinn, diese Chance aufzugeben und einen Flickenteppich auf deutschen Straßen zu schaffen.“

Auf Initiative des Bundesverkehrsministeriums sollen die Longliner in Deutschland fünf Jahre lang getestet werden. In einem nordrhein-westfälischen Modellversuch von 2006 bis 2008 waren die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) Aachen und der TÜV Rheinland zu dem Ergebnis gelangt, dass die XXL-Lkw 25 Prozent weniger CO2-Emmissionen hervorrufen als der Einsatz gewöhnlicher Lkw. Da weniger Fahrzeuge eingesetzt werden müssen, reduzieren sich auch die Stausauf den Autobahnen.

Der frühere NRW-Verkehrsminister Oliver Wittke (CDU) hatte entsprechend die Einführung der Longliner bis 44 Tonnen befürwortet. Sie seien „umweltfreundlicher, sicherer und erzeugen weniger Verkehr als die vergleichbare Menge nomaler Lkw“, so Wittke. Sein Nachfolger Harry Voigtsberger (SPD) lehnte dagegen Ende Juli die Teilnahme an dem bundesweiten Modellversuch ab: Es könne nicht Ziel der Verkehrspolitik sein, noch mehr Güter auf die Straße zu verlagern, so Voigtsberger. „Tatsächlich geht es hier nicht um Güter, die bislang per Wasser oder Schiene transportiert werden“, argumentiert dagegen DNHK-Chef Gerberding: „Eine modale Verschiebung von anderen Transportarten auf die Straße ist durch die Longliner nicht zu befürchten.“ In den Niederlanden seien schon heute etwa 500 besonders lange Lkw mit bis zu 60 Tonnen Last unterwegs, betont auch Godfried Smit vom niederländischen Transportverband EVO: „Die Absage NRWs und Thüringens für den Einsatz von XXL-Lastwagen macht vielen niederländischen Transporteuren einen Strich durch die Rechnung, die künftig mit diesen Fahrzeugen deutsche Abnehmer beliefern wollten.“

„Die Entscheidung ist nicht nur schlecht für die Wirtschaft, sondern auch der Umwelt, da für viele Güterströme derzeit keine Alternativen zur Straße bestehen“, so Smit. In der Praxis bedeutet der Stopp in NRW und Thüringen, dass niederländische Transporteure zwar künftig die Autobahnen durch die beiden Bundesländer mit Longlinern passieren dürfen, aber keine Fahrtrechte auf Nebenstaßen erhalten. Damit ist es ihnen praktisch unmöglich, mit den entsprechenden Fahrzeugen Ladung bei Kunden anzuliefern.

(Redaktion)


 


 

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