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Rahmenplan

Maßnahmen für die Neusser Wirtschaft

Neuss ist ein erfolgreicher Wirtschaftsstandort und wird von den ansässigen Unternehmern gut bewertet. Aber für eine erfolgreiche wirtschaftliche Zukunft der Stadt sollten auch wichtige Maßnahmen durchgeführt werden. Zu diesem Ergebnis kann eine Initiative zur Erarbeitung eines Rahmenplans für die Neusser Industrie.

Vier Arbeitsgruppen unter Führung von Unternehmensvertretern haben die Handlungsempfehlungen erarbeitet. „Damit der starke Kern der Neusser Wirtschaft aus Industrie und den industrienahen Dienstleistungen auch in Zukunft stark bleibt, müssen die Standortbedingungen immer wieder auf ihre Wettbewerbsfähigkeit überprüft werden“, beschreibt Bürgermeister Herbert Napp die Zielsetzung der Initiative. „Dazu will der von der Stadt und der IHK Mittlerer Niederrhein angestoßene Rahmenplan Industrie Neuss einen Beitrag leisten.“ Um die größten Probleme der Neusser Wirtschaft zu identifizieren, hatte die IHK die Standortqualität aus Sicht der Gewerbetreibenden und dabei speziell der Industrieunternehmen abgefragt. Mehr als 200 Betriebe mit mehr als 16.000 Beschäftigten bewerteten 60 Standortfaktoren hinsichtlich ihrer Bedeutung für den eigenen Betrieb und ihrer Qualität am Standort Neuss. „Insgesamt wird der Wirtschaftsstandort gut und zudem besser als der Mittlere Niederrhein im Durchschnitt bewertet“, resümiert IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Dieter Porschen.

Bedarf an Gewerbeflächen

Allerdings zeigt die Unternehmensumfrage auch Bereiche auf, in denen es Handlungsbedarf gibt. Gerade erweiterungswillige Unternehmen sind unzufrieden mit dem Gewerbeflächenangebot in Neuss. „Für die zukünftige Entwicklung der Industrie in der Quirinusstadt ist die Bereitstellung ausreichender Gewerbeflächen von entscheidender Bedeutung“, erklärt Günter Haberland, stellvertretender Leiter der Arbeitsgruppe „Infrastruktur“. Ohne ein ausreichendes Gewerbeflächenangebot investierten Neusser Unternehmen möglicherweise an anderen Standorten. Zudem könnten keine neuen Unternehmen gewonnen werden. „Mit einer zügigen Erweiterung etwa des interkommunalen Gewerbegebiets am Silbersee gemeinsam mit der Stadt Dormagen oder mit dem Gewerbegebiet Kreitzweg für den kurz- bis mittelfristigen Bedarf stehen aber geeignete potenzielle Flächen zur Verfügung“, so Haberland. In diesem Zusammenhang verweist er auf die dringende Notwendigkeit der straßenseitigen Anbindung der Häfen und der dortigen Umschlaganlangen, die weiter optimiert werden müssen. Gerade das zukünftige Gewerbegebiet am Silbersee sei auf die Verwirklichung der Anschlussstelle Delrath angewiesen. „Das ist eine große Chance nicht nur für Neuss, sondern auch für Dormagen!“, pflichtete der Bürgermeister von Dormagen, Erik Lierenfeld, bei. „Die Stadt steht zur Rahmenvereinbarung, die die Entwicklung des Gebietes zum Ziel hat.“

Energiekosten sind kritischer Faktor

Darüber hinaus zeigt die Unternehmensumfrage, dass die Energiekosten zu einem immer größeren Problem für die hiesige Wirtschaft werden. „Kein Standortfaktor wird kritischer bewertet. Die Wirtschaft in Neuss, in der energieintensive Branchen überdurchschnittlich vertreten sind, ist stärker betroffen als der Niederrhein insgesamt“, erklärt Porschen. Dirk Hunke, Mitglied der Arbeitsgruppe „Standortpolitik/Energie“, empfiehlt zu prüfen, ob durch eine verstärkte Zusammenarbeit der Unternehmen im Hafen Kosten gesenkt werden können.

Fachkräftepotential muss ausgeschöpft werden

Immer wichtiger werden Bildungs- und Arbeitsmarktfaktoren für die Betriebe. Zum einen loben die Unternehmen die Bildungsinfrastruktur in Neuss. Zum anderen werden die Standortfaktoren „Verfügbarkeit von Arbeitskräften“ sowie „Qualifikation der hiesigen Beschäftigten“ nur unterdurchschnittlich bewertet. „Dies ist ein Indiz für einen möglichen Fachkräftemangel“, erklärt Porschen. Die Arbeitsgruppe „Fachkräfte“ des Rahmenplans Industrie Neuss empfiehlt daher, zwei parallele Wege zu beschreiten. „Zum einen müssen wir mit Beratungsmaßnahmen auf diejenigen zugehen, die auf ihrem Bildungsweg auf der Strecke bleiben, um das Fachkräftepotenzial möglichst vollständig ausschöpfen zu können“, so Dr. Jörg Dederichs von 3M Deutschland und Leiter der Arbeitsgruppe. „Zum anderen müssen wir aber auch die Unternehmen über eher unkonventionelle Ansätze stärker auf das sich abzeichnende Problem hinweisen und beraten, damit sie sich frühzeitig darauf vorbereiten können.“

Made in Neuss

Doch nicht nur mit den Handlungsempfehlungen für Politik und Verwaltung haben sich die Arbeitsgruppen beschäftigt. „Die IHK-Standortanalyse hat gezeigt, dass die produzierenden Branchen in Neuss mit knapp 17.000 Beschäftigten eine tragende Säule der hiesigen Wirtschaft sind“, erklärt Dr. Michael Werhahn, der die Arbeitsgruppe „Akzeptanz“ geleitet hat. „Wir können notwendige Maßnahmen zur Verbesserung der Standortbedingungen für die Industrie aber nur realisieren, wenn wir den Rückhalt in der Bevölkerung haben.“ Die Arbeitsgruppe möchte ein verbessertes Informationsangebot sowie mehr Offenheit und Verständnis für die Belange der Industrie schaffen. Sowohl ein verstärktes Engagement bei der „Langen Nacht der Industrie“ als auch die Herausgabe einer Broschüre „Made in Neuss“ werden benannt. Die Broschüre könnte die wichtige Rolle der Industrie im Alltagsleben aufzeigen und die Neusser auf Produkte aufmerksam machen, die in ihrer Stadt produziert werden.

(Redaktion)


 


 

Rahmenplan Industrie Neuss
Wirtschaftsstandort Neuss
Herbert Napp
IHK Mittlerer Niederrhein
Dr. Dieter Porschen
Günter Haberland
Erik Lierenfeld
Dirk Hunke
Dr. Jörg Dederichs
3M
Made in Neuss

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