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Manfred meint: Der Kommentar

Für Sponsor-Millionen die Vernunft verdaddelt

Habt Ihr euren Verstand verspielt? Damit Geld in die Kasse fließt, wird nun ein Unternehmen, das mit der Sucht vieler Menschen ein Imperium aufbaute, Namenspatron des alten Rheinstadions? „Merkur-Spielarena“ soll das Stadion nämlich ab August für zehn Jahre heißen.

Tausende  Kinder und Jugendliche werden demnächst, wenn sie zum Sport auf die Plätze neben der Arena oder ins Rheinbad gehen, an eine alternative Freizeitgestaltung erinnert. An eine Freizeitgestaltung, die jeder halbwegs verantwortungsvolle Politiker nur ablehnen kann, nämlich das Spielen in Spielhallen an Geldautomaten oder das Onlinezocken.

Angeblich knapp vier Millionen Euro steckt das Unternehmen jährlich in die Namensgebung und soll zudem eng verzahnt werden mit weiteren Sportangeboten der Stadt.

So stellt sich vielleicht auch die Frage nach dem Jan-Wellem-Pokal, bei dem alljährlich über 60 Grundschulen auf den Nebenplätzen des Stadions ihren Meister austragen. Die Kinder können wie viele andere auch dem Namen nicht entfliehen, der somit in die Wahrnehmung der Kinder dringt. Und der Cup? Kommt jetzt nach Drumbo- und Jan-Wellem- dann XTIP Sportwetten-Pokal mit dem Bonmot, auf den Ausgang des Turniers online zu tippen? XTIP ist übrigens Teil der Gauselmann-Gruppe mit einer Malta-Lizenz!

Vier Millionen Euro Sponsoring müssen sich rechnen. Ansonsten hätte die Gauselmann-Gruppe das Geld anonym spenden können, wie seinerzeit an die FDP.  Was also verfolgt das Unternehmen mit dem Namenspatronat?

Genau, es will mehr Menschen zum Zocken bringen und den Umsatz von drei Milliarden Euro erhöhen. Es will noch reicher werden, wohl wissend, dass Spielsucht eine Krankheit ist, die Menschen und Familien zerstören kann.

Warum stecken wir Millionen an Steuergeldern in die Suchtprävention, wenn unverantwortliche Manager eine exponierte Werbefläche für das Geldzocken zur Verfügung stellen? Wo sind die Stadtoberen, die „echten und unbestechlichen“ Politiker, die zu solch einem Ansinnen „Nein“ sagen?

Zocken. Rauchen. Saufen. Eh egal...?

Ansonsten hättet ihr auch wegen mehr Internationalität Marlboro oder Camel nehmen können. Oder wie wär´s mit einer „Johnnie Walker-Arena“? Johnnie Walker kommt – Fortuna geht, der Rausch bleibt.

Die Entscheidung, unsere Arena samt Umfeld nach einer Spielhalle zu benennen, ist schlichtweg furchtbar und bar jeder Vernunft.

Vor Alkohol wird gewarnt, vor Spielsucht wird gewarnt. Wann kommt endlich die Warnung vor Dummheit? Im Grunde fehlen mir die Worte, um meiner Empörung ausreichend Luft zu verschaffen. Ich bin einfach nur geschockt. Mehr Esprit hätte ich den Düsseldorfer Managern wirklich gewünscht.

(Manfred Fammler)


 


 

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