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Open Source Festival

Veranstalter Philipp Maiburg im Interview

Philipp Maiburg ist Gründer und Veranstalter des Düsseldorfer Open Source Festivals. business-on sprach mit ihm über den langen Weg zu einem der erfolgreichsten Festivals für elektronische und Indie-Musik in Deutschland.

b-on: Herr Maiburg, Sie haben das Open Source Festival vor acht Jahren ins Leben gerufen. Was hat Sie dazu inspiriert?

PM: Ich war schon Mitte der 90er Jahre als DJ und Musik- produzent in Europa unterwegs und hatte den Eindruck, dass das pophistorische Erbe der Stadt Düsseldorf nicht wirklich gewürdigt wurde. Es gab Veranstaltungen wie die Jazz Rally und den Altstadtherbst, aber kein Festival für jüngere Musikfreunde. Für Fans von populärer Musik, die nicht von der Stange kommt. Und gerade da hat Düsseldorf mit Bands wie Kraftwerk oder den Krupps eine lange Tradition.

b-on: Wie kamen Sie auf den Namen ‚Open Source‘ – das verbindet man ja allgemein mit kostenloser Software?

PM: Kostenlos ist das Festival natürlich nicht, dass kann es auch nicht sein. Der Hintergrund liegt aber schon beim Softwaregedanken. Bei Open Source Software legt man den Quellcode offen und gibt Entwicklern die Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen und umzusetzen. So soll es auch beim Open Source Festival sein. Ein fortlaufender Entwicklungsprozess, bei dem sich Menschen einbringen können. Ein Besucher, dem es gefällt, kann beispielsweise im darauf folgenden Jahr selbst auf der Young Talent Bühne stehen. Aber auch wenn wir nicht kostenlos sind, wollen wir die Eintrittspreise günstig halten. Ein Tagesticket kostet bei uns 32,- Euro, ein Tag- und Nachtticket 42,- Euro. Dafür kann man 30 Bands plus Zusatzprogramm erleben. Wo gibt es das sonst?

b-on: Sie mieten das Gelände der Düsseldorfer Galopprennbahn und bauen dort drei Bühnen auf. Hinzu kommen drei Floors im Stahlwerk, das für diese Nacht ganz im Zeichen des Open Source Festivals steht. Reichen die Eintrittsgelder dafür aus?

PM: Wir haben mittlerweile auch Sponsoren, in diesem Jahr erstmals auch einen Hauptsponsor, nämlich Philips. Philips sponsert nur drei Formate dieser Art in Deutschland, und wir sind stolz, dass wir dazu gehören. Weitere Sponsoren sind zum Beispiel der Bekleidungshersteller carhartt, König Pilsener, fritz kola, Red Bull und naturstrom. Außerdem steigen die Besucherzahlen jährlich. 2012 hatten knapp 5.000 Besucher, in diesem Jahr rechnen wir mit 6.000.

b-on: Haben Sie schon bei der ersten Veranstaltung kostendeckend gearbeitet?

PM (lacht): Wir haben als GbR mit insgesamt drei Leuten angefangen, ziemlich blauäugig, und gleich beim ersten Mal, 2006, hat es aus Kübeln gegossen. Wir haben alle privat draufbezahlt. Aber wir haben so viel positiven Response bekommen, dass wir nicht aufgeben wollten. 2007 lief es dann schon besser, 2008 hatten wir wieder einen Rückschlag. Seitdem geht es aufwärts. Mittlerweile haben wir eine GmbH gegründet, aber trotzdem ist es mehr ein professionelles Hobby. Ohne Idealismus könnten wir das Festival nicht stemmen. Mittlerweile umfasst das Organisationsteam 5 Leute, davon hat einer eine halbe bezahlte Stelle.

b-on: Mit fünf Leuten können Sie aber den Festival-Tag nicht bewältigen?

PM: Nein, natürlich nicht, am Festival-Tag sind rund 180 Menschen im Einsatz, ein großer Teil davon gegen Bezahlung. Das fängt bei den Bühnenbauern an und hört bei der Security auf. Viele sind aber immer noch ehrenamtlich dabei – einfach weil es Spaß macht. Hinzu kommt auch externe Unterstützung. Wir arbeiten mit der Düsseldorf Marketing und Tourismus GmbH zusammen, die beispielsweise Hotelpakete anbieten. Hinzu kommen unsere Kooperationspartner wie die Heinrich Heine Universität, die Kunsthochschule für Medien Köln oder auch Einzelpersonen wie die Kunstmäzenin Julia Stoschek, in deren Räumen wir unsere diesjährige Presskonferenz durchführen konnten und die dort unsere Sprecherin war.

b-on: Das alles hört sich doch schon sehr professionell und zukunftsorientiert an. Wie groß wollen Sie werden?

PM: Also, wir haben noch Kapazitäten. Aber wir wollen es auch irgendwann deckeln. Für mehr als 12.000 Leute haben wir auf der Rennbahn keinen Platz und wir wollen diesen Ort mit seinem ganz besonderen Charme nicht aufgeben. Wir haben 2006 auf dem Gelände des Löricker Strandbads angefangen, was auch sehr schön war, aber die Galopprennbahn ist perfekt für uns. Und es soll auch nicht zu groß werden. Das Festival soll seinen besonderen Charakter bewahren. Wir wollen auch keine ‚Festivalkirmes‘ mit zahllosen Imbissbuden und Jahrmarktattraktionen. Uns ist die Atmosphäre wichtig, zu uns sollen auch Familien kommen und an den Bühnen und den Open Squares Spaß haben. Aber die Obergrenze möchten wir schon irgendwann ausreizen.

b-on: Was geschieht an diesen Open Squares?

PM: Dort präsentieren wir gemeinsam mit der Düsseldorfer Wirtschaftsförderung einen Cluster der Düsseldorfer Kreativwirtschaft. Düsseldorfer Kreative jeder Art, also auch aus Bereichen wie Mode, Kunst, Design oder Lifestyle, können sich dort an insgesamt 12 Ständen präsentieren. Man kann sich jedes Jahr über unseren Ideenwettbewerb bewerben, und wir wählen mit der Wirtschaftsförderung die besten Gesamtkonzepte aus. Wir wollen beispielsweise nicht, dass an den Ständen nur irgendetwas zum Kauf angeboten wird, sondern wir legen Wert auf Interaktivität. Die Besucher soll etwas zum Mitmachen geboten werden.

b-on: Sie bewegen sich auf dem wachsenden Festivalmarkt. Was machen Sie, um Ihr Festival zu vermarkten?

PM: Neben den klassischen Maßnahmen wie Plakatierung, Flyern und 25.000 kostenlos verteilten Programmen setzen wir stark auf Social Media. So kommen können wir Landesgrenzen überwinden. Wir haben hier auch Besucher aus Großbritannien, Benelux und vielen anderen europäischen Ländern. Leider können wir unsere Facebook-Fans nicht mehr so einfach mit einem simplen Posting erreichen. Mittlerweile verlangt Facebook Geld dafür. Daher setzen wir auch auf virale Effekte. Je mehr unserer Fans unsere Botschaften verbreiten, desto größer der Effekt.

b-on: Herr Maiburg, wir danken Ihnen für das Gespräch und drücken die Daumen, dass das Wetter mitspielt und das Festival in jeder Hinsicht ein voller Erfolg wird.

(Dirk Schäfer)


 


 

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