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Po Kö mon-Stop

Ein Plädoyer für ein Nebeneinander und Toleranz

Düsseldorfs Oberbürgermeister will den Pokémon-Hype an der Kö stoppen. Unser Autor bezieht im anstehenden Konflikt zwischen Straßen-Spielern und Gourmet-Straßenfest sehr prononciert Stellung.

Es klingt paradox, aber machen Sie bitte mit. Schließen Sie die Augen und zählen Sie bis drei. Dann öffnen sie bitte wieder Ihre Augen. Los geht´s, Augen zu! Haben Sie es gehört? Nein? Vielleicht haben Sie sich ablenken lassen. Bitte noch einmal. Augen zu! Sie haben es wieder nichts gehört?

Ich verrate Ihnen etwas, sie konnten auch nichts hören. Denn es gibt keinen Aufschrei – weder in der Gesellschaft, noch in den Medien, noch sonst wo. Dabei sollte doch wenigstens ein bißchen Protest zu hören sein.

Darum geht´s. Damit durchschnittliche Ware zu überhöhten Preisen auf Düsseldorfs Prachtboulevard unter dem Deckmantel eines „Gourmet-Fest“ – obwohl Düsseldorf für gutes Essen flächendeckend nun wirklich nicht bekannt ist – soll ein internationaler Hotspot, wo sich die Jugend der Welt drogenfrei – nein, nicht die Olympischen Spiele – also drogenfrei trifft, verschwinden. Natürlich geht es um die Girardet-Brücke, wo sich täglich Hunderte von jungen Menschen aus aller Welt an einem Platz treffen, der bislang den Alt- oder Neureichen, Aufsteigern und Botox-Mumien vorbehalten war.

Diese jungen Menschen machen nichts weiter als – spielen!!!! Sie schauen auf ihr Smartphones, reden mit anderen Spielern und jagen irgendwelchen digitalen Figuren hinterher. Und was passiert? Plötzlich ist die öffentliche Ordnung in Gefahr und, noch verheerender, das Gourmetfest. Für den Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel wird PokémonGo in diesem Kontext zum No-Go.

Wer noch schnell zwischen einem Besuch bei der Tour de France und einem Abstecher nach Rio de Janeiro das dortige Deutsche Haus besuchen muss, das die Messe Düsseldorf irgendwie kostenfrei organisiert (warum eigentlich?), der muss sich natürlich auch in der Heimat einschalten und als „Genosse der Bosse“ laut verkünden, dass zur Not die Girardetbrücke geräumt werden wird. Anstatt zu begreifen, welche Chance sich für Düsseldorf durch dieses Spiel an dieser Stelle bietet, welcher Imagewechsel vollzogen werden kann durch ein Nebeneinander und den Nachweis rheinischer Gelassenheit im Umgang mit Spiel und Spielern, soll der Hype nun einer biederen und langweiligen Selbstinszenierung der Stadtspitze und einer Minderheit weichen.

Liebe SpielerInnen, lasst Euch das nicht gefallen. Meldet eine tägliche Demonstration oder Mahnwache auf der Girardetbrücke an, macht irgendetwas, aber lasst euch bitte, bitte nicht vertreiben. Ihr bringt Leben in die Stadt, Ihr seid anders als die Kö-Normalos, Ihr seid ein Gewinn für die Stadt Düsseldorf und Ihr strahlt heller und weiter über die Stadtgrenzen hinaus als dieses lächerliche „Gourmetfest“. Wehrt Euch verdammt nochmal gegen die Forderungen einer alle gleichmachenden Elite, die glaubt durch Macht und Geld alles in ihrem Interesse regeln zu dürfen.

Und du, lieber Spieleprogrammierer. Dich fordere ich auf: Sei ungehorsam, besetze weitere Brücken und pflastere die Kö mit Pokemons, die Austern retten und Champagnerflaschen zerschießen.

Die Straße ist öffentlicher Raum, die Straße gehört jedem. Sie gehört nicht denjenigen, die glauben aufgrund ihrer Solvenz sich alles leisten zu können und alles zu dürfen. Zeigt ihnen, dass eine kleine digitale Figur die öffentliche Ordnung hinterfragt. Tut es mit den Möglichkeiten, die die modernen Zeiten bieten. Hätte ich diese damals gehabt, ich hätte es getan.

Stellt sich die Frage, warum ich euch das zugestehe?

Dabei liegt die Antwort so nahe: Weil ihr jung seid.

(Manfred Fammler)


 


 

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