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Premiere

Die Nibelungen – „Es endet nimmer gut“

„Die Nibelungen“ feierten am Freitag Premiere im Düsseldorfer Schauspielhaus im Central. Was passiert, wenn Rache und Vergeltung zum alles beherrschenden Motiv wird, zeigt die Inszenierung konsequent und eindringlich.

Für alle, die den deutschesten aller Stoffe in nicht einmal drei Stunden auf der Bühne sehen wollen, ist die Hebbelsche Fassung von Dietrich W. Hilsdorf und Oliver Held ein echter Tipp. Immer wieder dreht sich die Bühne und zeigt die Akteure entweder vor einer blechernen Wand oder an metallenen Tischen.

Vieles wird auf der Bühne nicht gezeigt: Nicht der Kampf um Brunhild, die Königin von Isenland, nicht die Hochzeitsnacht, in der Siegfried einmal mehr statt Gunther seinen Mann steht. Die Geschichte spitzt sich auf Hagen (hervorragend gespielt von Moritz Führmann) und Kriemhild (Tanja Schleiff) zu. Sie haben eine Rechnung offen, nachdem Kriemhild in gutem Glauben die verwundbare Stelle Siegfrieds zwischen seinen Schulterblättern mit einem Kreuz markierte und Hagen ihn hinterrücks ermordete.

An der weißgedeckten Tafel wird geköpft...

Kriemhild sinnt auf Rache, heiratet den Hunnenkönig Etzel und lädt ihre Verwandten sieben Jahre später zu sich an den Hof ein. Weißgedeckt sind nun die Tische, ein Kronleuchter und Kerzenschein stehen für die Gastlichkeit und die Bereitschaft Etzels, die Verwandten seiner Gemahlin in Ehren zu empfangen. Hagen, der ungebetene Gast, geht in Waffen zum Festmahl und köpft dort Ortlieb, Kriemhilds und Etzels Sohn.

Noch mitten im Gemetzel lässt Kriemhild nichts unversucht, um ihren Lieblingsbruder Giselher (Konstantin Bühler in der Anmutung des „Kleinen Prinzen“) noch zu retten. Doch die sprichwörtliche nibelungsche Treue zieht ihn wieder zurück ins Kampfgetümmel in die Halle, um seinem Oheim Hagen beizustehen. Am Ende kommen alle blutüberströmt nach draußen und sterben.

Reichlich Kunstblut, Geschrei und Verzweiflung

An Kunstblut und offenen Wunden, an Geschrei und Verzweiflung fehlt es nicht. Neu an der Düsseldorfer Inszenierung ist, dass der mittlere der Königssöhne, Gerenot, taubstumm ist. Nicht ohne Hintersinn ist, dass Siegfried (gespielt von Heisam Abbas) als Dietrich von Bern am Ende messiasgleich auftaucht und den Stoff ins Mythische transferiert.

Wer leichte Kost bevorzugt, wird sich wohl kaum „Die Nibelungen“ ansehen. Wer jedoch wissen möchte, wohin Verrat und Treue bis in den Tod führen können, ist am rechten Platze. Vergebung ist keine Option für Nibelungen.

Leider ist auch in dieser Inszenierung immer von den Nibe-LUNGEN die Rede. Richtig wäre die Betonung auf der ersten Silbe, also die Ni-belungen. Denn mit Lungen hat das nichts zu tun, auch wenn sich die Helden selbige oft aus dem Leib schreien.

Die nächsten Vorstellungen: Freitag, 18. März / Freitag,  25. März / Donnerstag, 31. März

(Susan Tuchel)


 


 

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