Sie sind hier: Startseite Düsseldorf Lokale Wirtschaft Messen
Weitere Artikel
ProWein 2018

Exoten verlassen die Nische

In knapp einem Monat findet in Düsseldorf wieder die Weltleitmesse für Wein und Spirituosen statt. Auf dem größten Branchentreff für Fachleute aus Anbau, Erzeugung, Gastronomie und Handel werden auch wieder Weine aus „nichtklassischen“ Weinanbaugebieten präsentiert – unter anderem aus England, Polen und Dänemark.

Im Norden existiert keine Mauer aus Eis, die die Grenzen des Weinanbaus definiert. Die Realität ist deutlich banaler, nämlich eine wissenschaftliche Unterscheidung zwischen dem „Unwirtlichen“ und dem, was als „Cool Climate“ gilt, als kühle Weinbauzone. Und diese Grenze verschiebt sich ständig. Im 20. Jahrhundert galt der 50. nördliche Breitengrad als effektive nördliche Grenze des experimentellen und kommerziellen Weinbaus. Diese Grenze hat sich inzwischen weiter nach Norden verschoben, was nicht nur am Klimawandel liegt. Weinproduzenten verfügen heute über ausgereiftere Techniken, verstehen Faktoren wie Reifezeiten besser und kultivieren Hybride, die besser an die strengen Verhältnisse angepasst sind. So wird der Weinbau in der Nähe des 55. nördlichen Breitengrads (England) und des 58. nördlichen Breitengrads (Dänemark) praktikabel.

In den klassisch kühlen Weinbauzonen wie Nordfrankreich und Deutschland werden inzwischen konsistent reife Jahrgänge gelesen. In Nordamerika wird in allen 50 Bundesstaaten kommerziell Wein produziert – selbst in den verschneiten Staaten. Und auch England, Polen und Dänemark reihen sich mittlerweile in die Regionen ein, in denen es inzwischen erfolgreiche Anpflanzungen gibt, obwohl man das vor nur 20 Jahren für unmöglich gehalten hätte.

England

Um die aufstrebenden Weinregionen zu verstehen, muss man auch betrachten, was unter der Erdoberfläche geschieht. Im Fall von Großbritannien formt das gleiche geologische Becken die berühmten weißen Klippen von Dover und die nahegelegenen Hänge in Kent und Sussex, auf denen Wein abgebaut wird, das auch der Champagne ihren charakteristischen kalkhaltigen Boden verleiht. In Kombination mit verbesserter Technologie und Temperaturen in Südengland, die inzwischen denen entsprechen, die in den 1980ern in der Champagne gemessen wurden, konnte auch England aufgrund der längeren Wachstumssaison als Akteur auf den Markt für Schaumwein einsteigen. Laut der Vereinigung der englischen Weinproduzenten hat das Vereinigte Königreich in den letzten 10 Jahren einen Anstieg von 135% erlebt, was die Anzahl der gepflanzten Reben betrifft (insgesamt 1.821 Hektar). Auch die Verkäufe von englischem Wein auf dem heimischen Markt als auch im Ausland stiegen in diesem Zeitraum deutlich an. Laut Stephen Skelton, Regionalvorsitzender bei den Decanter World Awards 2017, wurden 2017 so viele Weinreben in England gepflanzt, wie in noch keinem Jahr zuvor. Während die größeren, bereits gut etablierten Akteure wie Nyetimber und Ridgeview weiterhin Premium-Schaumweine produzieren, macht sich auch eine steigende Anzahl von Neulingen einen Namen.

Polen

Die Weinbautradition Polens geht bis auf das 9. Jahrhundert zurück, aber aufgrund einer Kombination von politischen Vorkommnissen und Naturereignissen ging der Weinbau im 18. Jahrhundert in die Knie. Allerdings erlebt die kälteste Weinbauregion der EU seit etwa zehn Jahren eine Renaissance – mit hunderten Amateur-Pflanzungen und 197 offiziell eingetragenen kommerziellen Weingütern. Noch im Jahr 2008 gab es lediglich sechs Weingüter bei unseren östlichen Nachbarn. Ein großer Teil des aktuellen Erfolgs in diesem harten kontinentalen Klima kann krankheits- und frostresistenten Hybridreben wie Solaris und Seyval Blanc zugeschrieben werden. Hinzu kommen steigende Temperaturen und mehr Expertise, die sich die polnischen Winzer und Kellermeister weltweit angeeignet haben. Es sieht ganz danach aus, als könnten die polnischen Weine bald aus ihrer Nische auf dem Markt der Kuriositäten heraustreten.

Dänemark

Dänemark war das erste skandinavische Land, das mit der Weinproduktion begann. Heute werden auf über 100 Weinbergen frostresistente Hybride angebaut. Oernberg in Sjaelland produziert zum Beispiel Süßweine, die häufig mit deutschen Auslesen verglichen werden, sowie trockene und sehr kräftige Weine der Rebsorte Solaris.

Auf der ProWein 2018 können sich Fachleute vom 18. bis zum 20. März wieder einen eigenen Eindruck der Qualitäten der Wein-Exoten verschaffen. Mehr als 6.600 Aussteller aus der ganzen Welt werden dann alle wichtigen Anbauregionen repräsentieren. Das Rahmenprogramm zur ProWein 2018 wird etwa 500 Veranstaltungen umfassen, viele davon bei der ProWein goes City, einer Initiative der Messe und der Wirtschaftsvereinigung Destination Düsseldorf. Die Veranstaltungen der Pro Wein goes City sind nicht nur den Fachbesuchern vorbehalten.

(Stuart Pigott / Paula Sidore)


 


 

ProWein 2018
Messe Düsseldorf
Wein aus England
Wein aus Polen
Wein aus Dänemark
Stephen Skelton
ProWein goes City
Destination

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "ProWein 2018" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: