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Quergedacht: Die Tuchel-Kolumne

Brauch ich Brauchtum?

Brauchtum braucht Anhänger, Menschen, die bereit sind eine Sitte, Gewohnheit oder Überlieferung anzuerkennen, auszuüben und zu bewahren.

Das Wörterbuch der Deutschen Volkskunde definiert: „Volksbrauch ist nichts anderes als in die Tat umgesetzter Gemeinschaftsglaube und verwirklichtes Recht.“ Unabhängig vom Grad der eigenen Gläubigkeit feiern viele die religiösen Volksfeste Ostern, St. Martin und Weihnachten, genießen die langen Wochenenden über Christi Himmelfahrt, Pfingsten und Fronleichnam, in der Mehrzahl jedoch nicht auf Prozessionen, sondern wenn möglich irgendwo im Süden. 

Aber hat das denn noch etwas mit Brauchtum zu tun? Kommt Brauchtum nach heutigem Verständnis nicht in grüner Uniform mit Holzgewehr daher oder bunt kostümiert im Karneval? Zumindest ziehen diese Brauchtumsanhänger noch mit großem Tamtam und Helau oder anderen Rufen durch die Straßen. Allerdings überlegen die mit den grünen Röcken schon genau, durch welche Straßen der Landeshauptstadt sie noch marschieren.

Aktuelle Konflikte - und die Kölner kneifen...

Jetzt gibt es auch noch Ärger mit dem Karneval, der fünften Jahreszeit, in der die Welt und die in ihr herrschende Ordnung kurzerhand auf den Kopf gestellt wird. Im Mittelalter wurden Narren- und Eselsmessen gehalten und ein Pseudo-Papst gekürt. In diesem Jahr wollten die Kölner einen Charlie Hebdo-Mottowagen zeigen. Aus Angst die Jecken womöglich zu gefährden, nahm man in der Domstadt Abstand. Dabei zeigte der Mottowagen einen islamistischen Selbstmordattentäter und nicht den Propheten Mohammed.

Der Kunsthistoriker Horst Bredekamp stellte bereits die Frage, ob es künftig eine Bildpolitik der Konfliktvermeidung geben werde. Was Jacques Tilly, der für seine politischen und bissigen Mottowagen im In- und Ausland bekannt ist, sich einfallen lässt, da müssen wir uns wohl oder übel noch bis zum 16. Februar gedulden.

Narrenfreiheit ist auch Meinungsfreiheit: Da simmer dabei!

Neben Kamellen und Schunkelen geht es bei diesem Rosenmontagszug auch um „verwirklichtes Recht“, in diesem Fall um die Narren- und Meinungsfreiheit. Und letztere brauch ich auf jeden Fall, deshalb schließe ich mich der Karnevalsgruppe de Räuber an und stimme ein, wenn es heißt: „Denn wenn et Trömmelche jeht, dann stonn mer all parat.“

(Susan Tuchel)


 


 

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