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Quergedacht: Die Tuchel-Kolumne

Der Feind in meinem Essen

Wie den Zuckerkonsum auf 50 Gramm nach WHO-Empfehlung reduzieren?

Der Weltmarktpreis für Zucker steigt gerade. Das soll mit der Aufwertung des Brasilianischen Real gegenüber dem US-Dollar zu tun haben und damit, dass Short Seller (knallharte Finanzanleger) auf fallende Preise spekuliert haben.

Vielleicht hat das ja auch sein Gutes, denn Zucker erhöht das Kariesrisiko, hindert am Traumgewicht und kann bei Abusus sogar zu Diabetes Typus 2 oder einer Fettleber führen. Dem Zucker abzuschwören ist nicht einfach. Würfelzuckereinheiten finden sich überall: im Ketchup, in Softgetränken, im Joghurt, im Eis, in den Gewürzgurken, im Apfelkompott, in der Pizza. Danke, für mich keinen Zucker. Dieser Grundsatz ist in der persönlichen Ernährung viel schwieriger durchzuhalten als: ich bin Vegetarier, Veganer, Pescetarier oder lactoseintolerant.

Sind Schockfotos eine Lösung?

Wie kommen wir runter vom Zuckerberg? Diskutiert wird immer wieder über eine Ampelkennzeichnung von Lebensmitteln, wie sie im Vereinigten Königreich bereits im Jahr 2004 eingeführt wurde. Ob die Briten seitdem schlanker und gesünder sind, darüber habe ich noch keine Studie gelesen.

Apropos Brexit, vielleicht sollte die EU sich einschalten, da Zucker keine Grenzen kennt. Die Schockfotokampagne auf den Zigarettenpackungen hat die EU ja auch ins Leben gerufen. Warum nicht auf Schokoriegeln, die sich nach Galaxien nennen, verfaulte Milchzähne abbilden, oder auf Softgetränken einen wegen Diabetes amputierten Fuß? Oder sollte man die Lebensmittelindustrie vielleicht mit leichtem politischem Druck dazu bewegen, weniger Zucker zuzusetzen?

Vor einigen Monaten gab es bei meinem Rewe City Schokopuddings in drei Süßegeraden. Ich habe als meinen Lieblingspudding den mit dem wenigsten Zucker angekreuzt, obwohl mir der mit der mittleren Zuckerdosis besser geschmeckt hat. Gesehen habe ich diesen Drei-Zucker-Pudding danach nicht mehr im Kühlregal.

Selbst Medizin ist heute nicht mehr bitter. Homöopathische Globuli bestehen vor allem aus Saccharose (=Haushaltszucker). Und auch die Schulmedizin setzt neuerdings auf Süßigkeiten. Forscher drucken Sensoren auf Gummibärchen. Die mit Gelatine beschichteten Implantate sollen unerwünschte Reaktionen im Gewebe verringern, Nerven- oder Herzfunktion im Körper überwachen oder sogar als Schrittmacher dienen (zu lesen in Management & Krankenhaus 10/2018).

Sollten die Gummibärchen-Prototypen weltweit zum Einsatz kommen, wäre vermutlich nicht die Frage nach dem Zuckergehalt entscheidend, sondern ob man die Patienten auf die tierischen Proteine von Rind und Schwein in der Gelatine hinweisen müsste.

(Susan Tuchel)


 


 

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