Sie sind hier: Startseite Düsseldorf Kolumnen Susan Tuchel
Weitere Artikel
Quergedacht: Die Tuchel-Kolumne

Der Müll der anderen

Aufräumen ist super und absolut hipp, vor allem nach den Regeln der japanischen Aufräumqueen Marie Kondō.

Das funktioniert so: Der Inhalt des Kleiderschranks oder was sonst aufgeräumt werden soll, wird auf einen Haufen geworfen. Dann nimmt man jedes Teil einzeln in die Hand und tritt in einen utilitaristischen oder emotionalen Dialog mit der toten Materie.

Was aber ist mit dem öffentlichen Raum? Genauer gesagt mit dem Altpapier? Damit hat sich die elfengleiche Marie Kondō leider noch nicht beschäftigt. Denn wir haben nicht nur viel zu viel Klimbim und Klamotten, sondern auch zu viele Kartons vom Online-Shoppen. Die sind oft recht groß und wollen partout nicht in die Schlitze der dafür vorgesehenen Container passen.

Auf eine dieser, auf dem Fürstenplatz gottlob im Boden versenkten, Containeranlagen fällt mein Blick täglich von meinem Schreibtisch aus. Und ja, hier stimme ich unserem Oberbürgermeister Thomas Geisel voll und ganz zu, es ist nicht schön, auf Papier- und Müllhaufen zu gucken.

Lange vor dem joggenden Oberbürgermeister habe ich mich mit einer Mail und einigen Fotos vom Tatort am 22. September 2018 an die Awista gewandt. Anders als beim Oberbürgermeister passierte auf meine Beschwerde rein gar nichts, nur eine Eingangsbestätigungsmail, dass meine Beschwerde an den zuständigen Mitarbeiter weitergeleitet werde.

Pate von Altpapier?

Ich hatte zwischenzeitlich überlegt, Containerpate zu werden, aber irgendwie finde ich die Idee schöner, Patin von Kindern oder meinetwegen auch von Orang-Utans zu sein. Deshalb habe ich mich kurzerhand selbst zum Container-Sheriff * ernannt und rücke seitdem jeden Samstag aus und identifiziere die Empfänger der Kartons, die unsachgemäß abgestellt werden.

Einmal schleifte ich alles in den Hausflur des Sünders zurück, ein anderes Mal klingelte ich bei einem Herrn, der sich als Ingenieur entpuppte und sich bereit erklärte, die Kartons zu zerreißen und sie in den Container zu stecken. Seitdem läuft es hier etwas besser.

Ds Ende einer Amtszeit?

Das Problem ist nun, dass die Stadt für Müllsünder ein Bußgeld verhängen will. Sollte das beschlossen werden, werden wohl keine Adressaufkleber mehr auf den Kartons zu finden sein und meine Amtszeit fände ihr jähes Ende.

Bis die Bußgeldsache durch ist, hätte ich noch einen Vorschlag für die Stadtverwaltung, der bürgernah und gesundheitsförderlich (weil an der frischen Feinstaubluft) ist und (fast) nix kostet. Man könnte die Gratis-Fitnesskurse für die Bürger samstags an einem Container beginnen. Dort würde ein Trainer zeigen, wie man rhythmisch und mit Muskeleinsatz die Kartons zerreißt und besonders Sportliche könnten mit dem Bein nachhelfen, damit die Kartons nicht im Einwurfschlitz steckenbleiben und anschließend geht es ab in den Park.

(Susan Tuchel)


 


 

Kartons
Container
Oberbürgermeister
Bußgeld
Altpapier
Müll
Fürstenplatz

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Kartons" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: