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Quergedacht: Die Tuchel-Kolumne

Die Kirche und der ADAC: Das Werben um neue Mitglieder

Kürzlich besuchte ich eine Sonntagsmesse in Limburg, der Stadt, in der Tebartz-van Elst ein wirklich elegantes Bischofshaus gegenüber dem Dom hat errichten lassen. Klar, er hat´s ein bisschen übertrieben mit den Kosten. Dafür musste er auch seine Mitra nehmen und gehen.

Doch nun zur Messe. Der Priester verkündete in seiner Predigt, warum es für ihn eine Freude sei, gläubiger Katholik zu sein. Dafür nannte er als guter Theologe gleich drei Gründe:

  • Erstens freute er sich, dass Gott ihn in den Bombennächten des Zweiten Weltkriegs im Luftschutzkeller nicht hatte sterben lassen. Den Umkehrschluss, warum dann wohl viele andere haben dran glauben müssen, diesen teuflischen Gedanken wagte ich in der weihrauchgeschwängerten Luft des Domes gar nicht zu Ende zu denken.
  • Zweitens sei die Botschaft des Evangeliums eine frohe. Denn Gott liebe die Menschen, die Menschen Gott und dann auch noch jeder seinen Nächsten.
  • Und drittens gebe es weltweit so viele Katholiken, dass es eine Freude sei, Mitglied einer Gemeinschaft zu sein, die weltweit mehr als eine Milliarde Anhänger habe.

Und: Jetzt zog der Geistliche noch einen Trumpf aus dem Ärmel seines Messgewandes: Obwohl die Gotteshäuser nicht mehr so gut besucht seien wie früher, seien mehr Menschen sonntags bei Gottesdiensten als in Fußballstadien. 

Diese Zahlen kann er nur aus einem weltweiten Querschnitt haben. Denn hierzulande sind die Kirchenbänke am Sonntagmorgen eher spärlich gefüllt. Die evangelische Kirche wagt sich sogar daran, den Sonntagmorgen als „Format“ zu überdenken.

Wie ARD und ZDF an neuen Nachrichtenformaten für junge Leute basteln, stellen die Kirchen die Zeiten der Heiligen Messen und auch die Location auf den Prüfstand. Gottesdienste finden in alten Fabriken oder unter freiem Himmel statt, wie Pfingsten im Eller Schlosspark. Ob das als Anreiz für die chillende Generation schon ausreicht?

Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt

Kirche, das ist die Gemeinschaft der Gläubigen. Aktuell sitzen in dem Schiff, das sich Gemeinde nennt, jedoch überwiegend Weißhaarige. An den Morgenstunden liegt das nicht. Denn Fitnessjünger eilen sonntags morgens scharenweise zu Pilates oder Yoga, walken durch die Wälder oder laufen Marathon.

Und wenn die Mitgliedschaft schon eine Freude ist, ist dann nicht vielleicht der ADAC, dessen Führungsriege ja die eine oder andere Parallele mit der der Kirche aufweist – nicht vielleicht doch der bessere Verein? Immerhin schickt er gelbe Engel, wenn wir in Not geraten sind.

Himmlische Zeiten in der autofreien Stadt?

Es könnte jedoch auch sein, dass der ADAC in Kürze die gleichen Mitgliederprobleme wie die Kirchen bekommt. Dann nämlich, wenn die Vorschläge des soeben auf Deutsch erschienenen Buches „Städte für Menschen“ von Jan Gehl auch hierzulande umgesetzt werden. Dann brechen himmlische Zeiten auf Erden an. Wir werden uns wieder Auge in Auge begegnen, zu Fuß, in der Bahn oder auf dem Fahrrad.

Sonntags dann entweder auf dem Weg zum Fitnessstudio oder zum Gottesdienst, von dem ich mir eines ganz sehnlich wünsche: eine professionelle musikalische Begleitung, die zum Mitsingen einlädt. Denn was Frau Höpker hinbekommt, die am 18. Juni übrigens in Düsseldorf singen wird (www.frauhoepker.de), das könnte die Kirche doch auch schaffen, oder?

(Susan Tuchel)


 


 

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