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Quergedacht: Die Tuchel-Kolumne

Ein Feigling, wer sich jetzt nicht positioniert

Die einen kämpfen noch gegen die Viren und Bazillen der kalten Jahreszeit, die mit der Bützchenverteilung an Karneval noch einmal ihren saisonalen Höhepunkt hatte, die anderen kämpfen gegen die ersten Pollen, der Rest gegen den Winterspeck.

Wer jetzt aber so tut, als ob Gesundheit und Gewicht ihn nichts anginge, hat die Rechnung ohne das jährliche Fastenzeitbombardement in den Medien gemacht. Keine Zeitung, kein Magazin lässt das Thema aus. Viele wissen ganz genau Bescheid, was wichtig und richtig ist. Man kann offenbar von dem Thema nicht genug bekommen. Warum? Ganz einfach, es geht schließlich um einen selbst.

Aber nicht nur das. Fasten ist ein echter Sozialhit. Da kann jeder mitmachen, mit großem oder kleinem Portemonnaie. Als Belohnung winkt, dass Körper und Geist durch Verzicht in einen neuen Bewusstseins- und Ästhetikzustand versetzt werden. Da nicht jeder so viel Urlaub hat, um sich 40 Tage in die Wüste abzusetzen, bastelt gefühlt jeder Zweite an einem Ego-Fastenprogramm.

Ich z. B. stelle den Ton an meinem Handy aus, um nicht weiter WhatsApp-abhängig zu sein und verbiete mir in der Fastenzeit alle dänischen, schwedischen und vor allem diese isländischen Krimis. Ergo werde ich nicht mehr erfahren, wo der tiefgefrorene Torso des wohl düstersten Sonntagabend-Fünfteilers „Trapped – Gefangen in Island“ eigentlich abgeblieben ist.

Und auf was ich beim Essen verzichten soll, darüber brauchte ich mir diesmal keine eigenen Gedanken machen. Diese Liste hat freundlicherweise ein Heilpraktiker aufgestellt, um mich von meiner Allergie zu befreien. Während der Behandlung stehen Kaffee, Alkohol und Zucker (ich benutze erstmals die Lupe an den Einkaufswagen, um die Inhaltsstoffe zu checken) auf der Verbotsliste. Auch Käse ist für mich gar nicht gut (ergab die Iris-Diagnose) und Milch sollte ich auch besser nicht zu mir nehmen.

Youtube in allen Lebenslagen

Was jetzt mit meiner Seele und in meinem Körper passiert, könnte ich natürlich auch in einem Youtube-Video dokumentieren. Ist mir aber irgendwie zu eng und persönlich.

Das sehen Millionen Menschen ganz anders. Einigen bin ich sogar zu direktem Dank verpflichtet. Zum Beispiel den Youtubern, die einem weiterhelfen, wenn die Backofentür nicht mehr richtig schließt. Ein technisch versierter Freund sprang mir zur Seite und baute unter Videoanleitung zunächst die Türe aus und erstmalig nach 15 Jahren konnte ich so den Dreck zwischen den Scheiben entfernen, den ich bis dahin für gottgegeben hielt.

Das Problem des Nichtdichtabschließens war mit der Reinigung und dem erneuten Einsetzen der Türe jedoch nicht behoben. Eine andere Youtuberin hatte das Problem gelöst, indem sie Aluminiumfolie zu kleinen harten Würstchen rollte und diese unter die Scharniere schob. Da wie bereits erwähnt mein technisch versierter Freund materialkundlich weiterdachte, öffneten wir eine Dose Mais und aus dem Deckel schnitt er zwei längliche Stücke heraus, setzte diese unter das Scharnier und siehe da, der Ofen schloss wieder dicht. Schade eigentlich, dass wir diese Aktion nicht gefilmt haben.

(Susan Tuchel)


 


 

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Susan Tuchel

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