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Quergedacht: Die Tuchel-Kolumne

Geschäfte mit der Lust

Neulich im Düsseldorfer Industrie-Club ging es ausnahmsweise einmal heiß her. Pia Poppenreiter, Gründerin des Dating-Portals Ohlala, brachte einem vorwiegend weiblichen Publikum beim Investors‘ Circle „Gründen Frauen anders?“ ihr Geschäftsmodell näher.

„Ja, Rosi hat ein Telefon“ – sang die Spider Murphy Gang vor 35 Jahren und landete mit „Skandal im Sperrbezirk“ einen Hit. Wenn es nach Pia Poppenreiter geht, dann sitzen Rosi und ihre Schwestern heutzutage am PC und loggen sich bei Ohlala ein. Dort wird man in der wundervollen Welt des Instant Paid Datings willkommen geheißen. Ich finde, das klingt erst einmal nicht wirklich schlimm. Instant heißt ja, dass etwas schnell geht und dass es im Netz ein Ende mit der Umsonstkultur hat, ist ja auch zu begrüßen. Aber was soll schnell bezahlt werden und was vertreibt die Plattform?

Die Unternehmertochter und frühere Investmentbankerin gründete ihr Start-up auf drei Faktoren. 1.) Männer wollen schnell ein Date, 2.) Frauen möchten anonym bleiben und 3.) Sicherheit. Punkt eins kann ich nachvollziehen, Punkt zwei funktioniert natürlich nur bis zum Date und zu Punkt drei blieb die Gründerin auf Anfrage bislang eine Antwort schuldig.

So richtig neu erscheint mir die Geschäftsidee allerdings nicht. Und ob ein solches Unternehmen und ein solcher Vortrag ein guter Griff für das Private Equity Forum NRW war, wird sich zeigen. Die Anwälte jedenfalls, mit denen ich im Anschluss an die Veranstaltung sprach, murmelten etwas von „rechtlicher Grauzone“.

Andere finden es vielleicht prima, dass Frauen so vehement in eine Männerdomäne eindringen. Zwei Millionen Fremdkapital und 25 Mitarbeiter hat das Unternehmen derzeit und will als nächstes eine Payment-Abwicklung ermöglichen. Das klingt, als wären die Tage von Luden, Bordellbetreibern und Freiern mit EC-Karten-Problemen jetzt gezählt.

Ausverkauf des alten Milieus

Rotlichtkönig Bert Wollersheim machte soeben seine Zahlungsunfähigkeit öffentlich und läutete den Schlussverkauf im ehemaligen Luxus-Bordell an der Rethelstraße ein. Als die Schmuckdesigner von düsselGOLD kürzlich dort ausstellten, mussten Türsteher den Ansturm regeln. Statt das ausgestellte Geschmeide zu bewundern, wollte vor allem das weibliche Geschlecht die Stätten männlicher Wollust einmal persönlich in Augenschein nehmen.

Doch wie der Besitzer war auch die Ausstattung in die Jahre gekommen. Das hielt die Besucherinnen jedoch nicht davon ab, Nippes, Spiegel, Sektkühler und sogar gebrauchte (!) weiße Bademäntel für 20 Euro zu erstehen. Wollen denn auch Frauen irgendwie mitmachen beim lockeren Treiben?

Laut Pia Poppenreiter soll auch das weibliche Geschlecht bereit sein, für ein Date zu zahlen, aber eben anders. Davon ist die Gründerin, die allerdings mit ihrer ersten Geschäftsidee peppr , die sich an beide Geschlechter wandte und damit pleite ging, nach wie vor überzeugt. Das Geschäft mit dem Sex sieht sie übrigens weder moralisch noch gesellschaftskritisch, für sie zählt einzig der Return on Invest.

Um das Geschäft anzukurbeln, gibt es auf der Plattform auch Tipps wie „ 8 Gesprächsthemen beim ersten Date“ und „ 7 außergewöhnliche Date-Ideen“ und last but not least: „Warum persönliche Hygiene beim Dating so wichtig ist“.

Also, Männer: Bleibt sauber!

(Susan Tuchel)


 


 

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